PARALLEL VIENNA über eine Szene im Umbruch

"Wir wollen keine klassische Großmesse werden" – Messemacher Stefan Bidner und Robert Ramsauer über hausgemachte Strukturprobleme am Wiener Markt und welche Rolle die PARALLEL jetzt übernimmt.
PARNASS: Zwei zentrale Messeformate für zeitgenössische Kunst fallen heuer weg. Ist der Wiener Messemarkt ein Krisenfall?
Robert Ramsauer: Ja, es sind Formate weggebrochen, und das hat auch hausgemachte Gründe. Aber wenn man sich das Ökosystem insgesamt ansieht, ist Wien alles andere als ein Krisenstandort. Wir haben starke Institutionen, hervorragende Kunstuniversitäten, eine einzigartige Projektraumkultur und eine Galerienszene, die von jungen bis zu international etablierten Akteuren reicht. Dieses Potenzial ist real. Und es gibt das Galeriefestival Curated by, das international anerkannt ist.
Stefan Bidner: Als wir die PARALLEL vor 14 Jahren gegründet haben, war die Situation ebenfalls angespannt. Schon damals gab es Defizite in der Präsentationsstruktur und für junge Künstler:innen kaum Andockstellen nach dem Studium. Es ging uns darum, aufzuzeigen, was in Wien neben den großen Museen und den wichtigen Galerien alles passiert, und daraus ist die PARALLEL entstanden. An der Gesamtsituation hat sich nichts geändert.

PARALLEL VIENNA 2025, Jugendstiltheater, Foto: Caro Strasnik
Für mich ist eine klassische Messe immer noch eine Messehalle. Das wollen wir nicht. Aber das Jugendstiltheater hat Geschichte und Patina.
P: Die PARALLEL könnte eine neue Rolle übernehmen. Können Sie das entstandene Vakuum füllen?
RR: Ich kann mir gut vorstellen, dass sich wieder ein anderes Format auftut. Der Kunstmarkt ist dynamisch. Aber ja, wir werden sicher einen Teil dieses Vakuums füllen und führen Gespräche mit Galerien. Aber wir wollen keine klassische Großmesse werden, das passt nicht zu unserer DNA.
SB: Wir wollten mit unserer Messe ja bewusst weg von der rein elitären Struktur, hin zu einem offenen Format.
RR: Wir mischen etablierte Galerien mit Projekträumen, kuratierten Künstler:innenpositionen und Offspaces. Es ist wie bei einer guten Party: Wenn nur eine homogene Gruppe anwesend ist, bleibt es überschaubar. Erst die Mischung macht es spannend. Bei uns treffen Studierende auf erfahrene Sammler:innen, Museumsdirektor:innen auf junge Galerist:innen. Das schafft Reibung und genau daraus entsteht Relevanz.
Das Problem in Wien ist weniger das Angebot als die Bündelung der Kräfte.
P: Ein zentrales Problem der Wiener Messen war stets die mangelnde internationale Sammler:innenpräsenz. Wie wollen Sie das Thema angehen?
RR: Das ist ein wichtiger Punkt. Sammler:innen waren immer Teil des Wiener Publikums, auch kaufkräftige. Aber sie wurden nie aktiv betreut. Das werden wir heuer ändern. Professionell, proaktiv, mit Personen, die in diesem Bereich vernetzt sind. Wir selbst sind gut vernetzt, haben das aber bisher nicht systematisch genutzt. Wir trauen uns zu, das nötige Interesse herzustellen.
SB: Dieses Standortproblem gibt es übrigens seit 15 Jahren. Unsere ursprüngliche Idee war ja, uns parasitär an eine starke zentrale Messe anzudocken. Ich bin offen gesagt enttäuscht, dass sich diese große Messe nicht stabilisieren konnte. Das ist ein Defizit für die Stadt.

PARALLEL VIENNA, Teamfoto, © PARALLEL VIENNA
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Valentino Skarwan, Artist Statement, PARALLEL Vienna 2025, © Valentino Skarwan / Bildrecht, Wien 2026, Foto: © PARALLEL Vienna, Foto: von eiland

