Zehn Jahre Papierkunst

Paper Positions Berlin

paper positions berlin 26, Natalia Carstens Photography

Mehr Platz, mehr Galerien: Die Paper Positions Berlin feierte ihren zehnten Geburtstag im Flughafen Tempelhof.


Größe, Weite und das Versprechen von Freiheit – einen schöneren Ort für eine Kunstmesse kann es kaum geben. Daher war die Haupthalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof die perfekte Wahl für die „paper positions berlin" und nun zum zweiten Mal Ort dieser besonderen und in Deutschland einmaligen Messe. Den Charme der edlen Halle der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Mitte hat die Abfertigungshalle des Flughafens zwar nicht, dafür viel Platz – 2500 Quadratmeter – für die großzügige Präsentation der Papierkunst. Diese wurde in diesem Jahr von 70 Galerien aus 13 Ländern präsentiert – im vergangenen Jahr waren es 65 Galerien, zwei Jahre zuvor 60.

Einen schöneren Ort für eine Messe kann es kaum geben.

Uta Baier

Die Zahlen belegen, dass das Interesse an Papierkunst ungebrochen ist – nicht nur wegen der günstigen Preise. Und so feierte die Messe in Berlin in diesem Jahr bereits ihr zehnjähriges Bestehen. Natürlich ist es eine Berliner Messe mit vielen Berliner Galerien, doch sie zieht auch immer neue, internationale Galerien an. In diesem Jahr kamen sie unter anderem aus Argentinien, Spanien, Frankreich und Österreich. Mit Annegret Soltau zeigte die Galerie Bachlechner aus Graz, die erstmals in Berlin dabei war, eine der spannendsten Positionen auf der Messe. Soltaus mit Porträts übernähte Porträts aus der Serie „Motherhood" sind eindrucksvolle Auseinandersetzungen mit Verletzlichkeit und Heilung. Neben der Galerie Bachlechner waren die österreichischen Galerien Peter Frey Gallery aus Salzburg, die Galerie Roberta Keil aus Wien, Room of Fine Arts aus Graz und die Galerie Schloss Parz aus Grieskirchen nach Berlin gekommen.

Auch wenn viele Galerien auf junge Kunst setzen – Papier ist ein Medium, das Künstler:innen aller Altersgruppen nutzen. Die japanische Künstlerin Hitomi Uchikura, die bei Semjon Contemporary aus Berlin ihre großen, kontemplativen, hinterleuchteten Papierbahnen zeigte, wurde 1956 geboren. Galerien wie Thole Rothermund Kunsthandel aus Hamburg kamen mit Arbeiten von Lyonel Feininger, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Karl Schmidt-Rottluff nach Berlin, die Galerie Dr. Moeller & Cie. aus Hamburg mit Rudolf Schlichter, Jeanne Mammen, Sam Francis und Karl Lagerfeld. Es spricht für das breite Interesse des Messepublikums, dass auch Galerien mit diesem „Nischen"-Angebot immer wieder kommen.

Paper Position Berlin 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler

Paper Positions Berlin 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler


Annegret Soltau, GENERATIV - SELBSTdoppelt mit TOCHTER und URGROSSMUTTER doppelt, 1996, Fotovernähung, 17x14 cm, Courtesy Galerie Bachlechner

Annegret Soltau, GENERATIV - SELBSTdoppelt mit TOCHTER und URGROSSMUTTER doppelt, 1996, Fotovernähung, 17x14 cm, Courtesy Galerie Bachlechner

Cathrin Hoffmann, Fremde Wege, Gleiche Nacht, 2026, Öl auf Leinenpapier, 65 × 50 cm, Courtesy FRIDAY BIRD

Cathrin Hoffmann, Fremde Wege, Gleiche Nacht, 2026, Öl auf Leinenpapier, 65 × 50 cm, Courtesy FRIDAY BIRD

Eline Brontsema, Stadtbad Charlottenburg, 2025, Holzdruck, Ed25, 71 x 47 cm, Courtesy Martin Mertens

Eline Brontsema, Stadtbad Charlottenburg, 2025, Holzdruck, Ed25, 71 x 47 cm, Courtesy Martin Mertens

Stefanie Moshammer, Memorize Me, 2022, Archival inkjet print, Holzrahmen, Glas, 90 × 65 cm, Courtesy Galerie Roberta Keil

Stefanie Moshammer, Memorize Me, 2022, Archival inkjet print, Holzrahmen, Glas, 90 × 65 cm, Courtesy Galerie Roberta Keil

Kubra Khademi, untitled, 2025, Gouache auf Papier, 44,6x38,2cm, Courtesy Galerie Eric Mouchet

Kubra Khademi, untitled, 2025, Gouache auf Papier, 44,6x38,2cm, Courtesy Galerie Eric Mouchet

Una Ursprung, In time of movement and stillness, 2024, Aquarell und Collage, Aquarell auf Papier, 42x29,7cm, Courtesy Galerie PJ

Una Ursprung, In time of movement and stillness, 2024, Aquarell und Collage, Aquarell auf Papier, 42x29,7cm, Courtesy Galerie PJ

Gottfried Honegger, Horizontale, 2010, Siebdruck und Collage, 50 x 70 cm, Courtesy Brita Prinz Arte

Gottfried Honegger, Horizontale, 2010, Siebdruck und Collage, 50 x 70 cm, Courtesy Brita Prinz Arte

A.R. Penck, “Skizzenbuch”, ca. 1957-59, Kohle auf bedruckte Buchseiten, Blatt 16 x 24 cm, Rahmen 30 x 40 cm, Courtesy Galerie Holthoff

A.R. Penck, “Skizzenbuch”, ca. 1957-59, Kohle auf bedruckte Buchseiten, Blatt 16 x 24 cm, Rahmen 30 x 40 cm, Courtesy Galerie Holthoff

Carmen Schaich, Self-Fulfilling Slingshot Target Second Round, 2026,  glass etching on handmade paper, 97x67cm

Carmen Schaich, Self-Fulfilling Slingshot Target Second Round, 2026,  glass etching on handmade paper, 97x67cm


 

Beeindruckend war die Vielfalt der gezeigten Arbeiten aus und auf Papier: von der schlichten naturalistischen Zeichnung über Variationen bunter Linien und Basteleien aus Pappe bis zu abstrakten Farbserien. Wobei experimentelle Papierarbeiten, die nicht nur auf, sondern mit dem Material arbeiten, in diesem Jahr nur von wenigen Galerien angeboten wurden. So war die Auswahl für den alljährlich vergebenen Paper Art Award nicht allzu üppig. Die Jury, zu der auch wieder PARNASS eingeladen war, vergibt traditionell drei Preise, mit denen Ankäufe für das private Museum „Haus des Papiers" in Berlin finanziert werden. Gold gewannen die kontrolliert-exzessiv mit Schreibmaschinen bearbeiteten, überaus fragilen Blätter von Dirk Krecker, den die Galerie Heike Strelow aus Frankfurt am Main präsentierte.

Mit Silber wurde die finnische Künstlerin Inka Bell, die von Schwarz Contemporary aus Berlin vertreten wird, für ihre Papierschichtungen ausgezeichnet. Für diese Arbeiten stapelt die Künstlerin exakt geschnittene farbige Blätter aufeinander und schafft so mehrschichtige Reliefs und bewegt wirkende Skulpturen. Bronze ging an den japanischen Künstler Hideaki Yamanobe, präsentiert von der Galerie Biesenbach aus Köln. Yamanobe widmet seine Arbeit dem Papier an sich und spielt in seinen Collagen mit den verschiedenen Qualitäten und Möglichkeiten von Bambus-, Japan-, Reis-, Sand- und Maulbeerpapier. Die leisen, feinen, papierfarbenen Arbeiten haben eine große haptische Qualität.

Dirk Krecker, Gold Preisträger, Paper Art Award 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler

Dirk Krecker, Gold Paper Art Award 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler

Politik spielt dort, wo Kunst gezeigt wird, aktuell immer eine Rolle. Bei der in Berlin gezeigten Papierkunst war politische Kunst auffallend wenig zu finden. Etabliert hat sich der Verkauf der Edition „100 for a hundred" für einen guten Zweck. Die Vorlage für den Fine Art Print lieferten die in Berlin lebenden ukrainischen Künstlerinnen Kristina Yarosh und Anna Khodkova, die sich als Künstlerinnenduo „EtchingRoom1" nennen. Der Nettoerlös geht an die Organisation „Be an Angel e.V.", die Kindern von Binnenflüchtlingen aus Frontgebieten in Odesa künstlerische Angebote macht, um das im Krieg Erlebte zu verarbeiten.

paperpositions.com

Inka Bell, Silber Paper Art Award 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler

Inka Bell, Silber Paper Art Award 2026, Foto: Clara Wenzel Theiler

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