Nina Zimmer wird neue Direktorin des Belvedere

Nina Zimmer, Foto: Christine Strub, © Kunstmuseum Bern / Zentrum Paul Klee

Die deutsche Kunsthistorikerin Nina Zimmer (*20. März 1973) wird neue Generaldirektorin der Österreichischen Galerie Belvedere. Wolfgang Bergmann bleibt auch für die kommenden fünf Jahre auf seinem Posten des kaufmännischen Geschäftsführers und wird hier seine dritte Amtszeit antreten. Er soll somit federführend auch in Zukunft die anstehenden Umbauarbeiten im Oberen Belvedere verantworten. Dies gab am Donnerstag Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) bekannt.


Die Kommissions-Mitglieder für die wissenschaftliche Geschäftsführung bestand aus Marion Ackermann, Präsidentin Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Ingrid Kapsch-Latzer, Vorsitzende des Kuratoriums Österreichische Galerie Belvedere, Raphael Rosenberg, Vorstand des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Wien, Bettina Steinbrügge, Direktorin MUDAM Luxemburg und Theresia Niedermüller, Leiterin der BMWKMS-Kunst- und Kultursektion. „Nina Zimmer vereint langjährige Führungserfahrung im Museumsbereich mit großer Souveränität im Umgang mit komplexen Strukturen und unterschiedlichsten Stakeholdern", zollte Kulturminister Babler bei der Pressekonferenz der designierten Direktorin seinen Respekt. „Im persönlichen Gespräch habe sie sehr glaubhaft ihre große Lust auf die Position vermittelt.“

Nina Zimmer leitet seit 2016 das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee. Sie übernimmt am 16. Jänner 2027 die Direktion von Stella Rollig, die sich nicht mehr beworben hatte. Zimmer wurde einstimmig von der Findungskommission als bestgeeignet befundene Kandidatin gewählt und blickt bereits auf eine umfassende Laufbahn zurück.

Sie studierte in Bordeaux, Göttingen, Münster und Hamburg Kunstgeschichte, Romanistik und Medienwissenschaften und promovierte an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über Künstlerkollektive um 1960. Vor ihrer Museumslaufbahn war sie 2002 Gastdozentin am Seminar für Kunstgeschichte der University of Chicago sowie 2004 Gastprofessorin für westliche Kunsttheorie an Koreas Nationaler Universität der Künste (Korea National University of Arts) in Seoul. Ihr Forschungsgebiet ist die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

Nina Zimmer, Foto: Christine Strub, © Kunstmuseum Bern / Zentrum Paul Klee

Nina Zimmer, Foto: Christine Strub, © Kunstmuseum Bern / Zentrum Paul Klee

Ab 2006 war Zimmer Konservatorin für die Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne am Kunstmuseum Bern und für zwei Jahre Vizedirektorin. Im August 2016 übernahm sie die Leitung des Kunstmuseum Bern und in Doppelfunktion Leiterin des Zentrum Paul Klee. „In den vergangenen zehn Jahren hat Nina Zimmer als Direktorin Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee beide Institutionen mit großem Engagement geprägt. Sie stärkte die internationale Sichtbarkeit, realisierte zahlreiche vielbeachtete Ausstellungen und initiierte neue Formen der Vermittlung. Zudem gestaltete sie den Umgang mit dem Legat Gurlitt maßgeblich mit, einem Dossier, in dem das Kunstmuseum Bern neue Maßstäbe setzte“, so das Kunstmuseum Bern in seiner heutigen Aussendung zur neuen Funktion von Nina Zimmer.

Mit großer Freude kommt sie nach Wien, wie Nina Zimmer bei der Pressekonferenz betont und mit großen Respekt vor der beeindruckenden Arbeit, die Stella Rollig für das Museum geleistet hat. So trete sie auch nicht an „um alles auf den Kopf zu stellen“, sondern möchte die Qualität, die im Belvedere etabliert wurde, mit dem Team des Hauses weiterführen. Die gilt insbesondere für den Fokus auf Künstlerinnen, den Stella Rollig gesetzt hat, ebenso für die Weiterarbeit am Kanon. Welche marginalisierten Positionen gibt es in der österreichischen Kunstgeschichte, die man wieder in den Blick nehmen muss? Welche Positionen wurden bislang exkludiert, denen man nun eine Plattform geben sollte? Und welche Einflüsse sind auch von der österreichischen Kunstgeschichte ausgegangen? All das sind, so Nina Zimmer, wichtige Fragen und Themen, denen sie sich in ihrer Amtszeit widmen möchte. Konkrete Projekte, so bat die designierte Direktorin müssen man verstehen, würde sie bei der heutigen Pressekonferenz jedoch noch nicht ankündigen.

Zum Künstler Gustav Klimt, dessen Werk zentral auch im Hinblick auf die Besuchszahlen im Belvedere sind, hege sie große Sympathien. Doch ist es wichtig, auch berühmten Künstler:innen, die man vermeintlich kennt und dadurch kaum mehr genauer hinsieht, wieder mit frischen Blicken und Neugierde zu begegnen, um weiterhin neue Felder zu eröffnen und auch in der Forschung wieder „neue Schritte“ machen zu können. Und so freue sie sich auch auf die Auseinandersetzung und das gemeinsame Erarbeiten von neuen Ansätzen mit den Expert:innen des Museums. Das Belvedere mit seinen verschiedenen Häusern verstehe sie als offene Wissenslandschaft – und als einen Ort des Vertrauens. Museen käme gerade in Zeiten des Umbruchs eine zentrale Rolle zu, als „Räume, wo wir uns mit unseren Werten auseinandersetzen können, als Orte der Vielstimmigkeit und damit auch der Demokratie".

Wolfgang Bergmann, Wirtschaftlicher Geschäftsführer Belvedere, Foto: Gianmaria Gava / Belvedere, Wien

Wolfgang Bergmann, Wirtschaftlicher Geschäftsführer Belvedere, Foto: Gianmaria Gava / Belvedere, Wien

Aufgrund der jüngsten Ereignisse im Kunsthistorischen Museum stand auch die Frage im Raum, wie man künftig die, in der Kritik stehende toxische Führungskultur vermeiden will. Die Kultur im Hause ist ihr ein Anliegen, so Nina Zimmer, ebenso wie ein gutes Arbeitsklima. Eine besondere Aufgabe komme daher auch den Gewerkschaften und Betriebsrat zu. Deshalb brauche es im Haus entsprechende Institutionen und Instrumente für einen offenen Austausch und eine offene Feedback-Kultur, die auch Zimmer leben möchte.


 


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