Wienerberger Contemporary Photography Collection

Mehr als eine Foto-Sammlung

Gregor Sailer, Magyar Tégla 01, Solymár II, Ungarn, 2012, © by the artist, Bildrecht, Wien 2025

Wie kann man eine Firmensammlung anders denken, als einfach Kunst zu kaufen und in Büros zu hängen? Die Wienerberger Contemporary Photography Collection macht's vor.


 

2012 erarbeiteten Valerie Loudon und Moritz Stipsicz gemeinsam mit CEO Heimo Scheuch ein innovatives Konzept für den Aufbau einer Kunstsammlung der Wienerberger AG. Man entschied sich, Künstler:innen einzuladen, Unternehmensstandorte zu besuchen und ein fotografisches Projekt zu entwickeln, das über eine direkte Dokumentation hinausreicht. Über die letzten Jahre sind so durch 34 Künstler:innen in 28 Ländern insgesamt 255 neue Werke entstanden, die sowohl eigenständig als Kunstwerke wirkmächtig sind als auch das Unternehmen, seine Architektur und Infrastruktur vielsichtig dokumentieren und „INSIGHTS“ liefern.

Unter den eingeladenen Künstler:innen finden sich bekannte internationale wie nationale Fotograf:innen von Rang, etwa Joanna Piotrowska, Markus Krottendorfer, Charles Fréger oder Weronika Gęsicka. Die renommierte russische Künstlerin Anastasia Khoroshilova zum Beispiel porträtierte in dem 130 Kilometer von Moskau entfernten Ort Kripov, in dem wienerberger bis 2022 einen Standort für Ziegelproduktion betrieb, neun Familien, in denen mehrere Mitglieder über Jahre hinweg am Standort tätig waren. Damit gelingt es der Künstlerin, die enge Verflechtung von Leben, Identität, Standort und Unternehmen aufzuzeigen.

Joanna Piotrowska, Untitled, 2017, 95 x 120 cm, © by the artist

Joanna Piotrowska, Untitled, 2017, 95 x 120 cm, © by the artist

Das inzwischen getrennt arbeitende Künstlerduo Taiyo Onorato & Nico Krebs arbeitete 2017 mehrfach direkt an Produktionsstandorten von wienerberger in der Slowakei und in Slowenien. An Ort und Stelle experimentierten sie mit dem standardisierten Massenprodukt Ziegel, um daraus individuelle, handgefertigte Einzelstücke entstehen zu lassen, die sie in Schwarz-Weiß-Fotografien in Szene setzten.
Der Finne Janne Lehtinen inszenierte humorvolle Selbstporträts, die mit der Materialität von Ziegeln spielen, Linn Pedersen aus Norwegen bildete PVC-Rohre in abstrahierte Cyanotypien ab.

Kunst darf mutige Fragen stellen und ehrliche Diskussionen anregen.

Valerie Loudon, Kuratorin
Taiyo Onorato & Nico Krebs, Brick 5, 2017, 40 x 50 cm, © by the artists

Taiyo Onorato & Nico Krebs, Brick 5, 2017, 40 x 50 cm, © by the artists

„Es ist kein Zufall, dass gerade das Medium der Fotografie für dieses Projekt ausgewählt wurde. Die Geschichte der Fotografie ist auf vielfältige Weise mit den industriellen, ökonomischen und sozialen Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte verwoben“, schreiben Valerie Loudon und Moritz Stipsicz in der Publikation zur Sammlung, erschienen im Kehrer Verlag. Inzwischen verantwortet Valerie Loudon die Sammlungstätigkeit ohne Moritz Stipsicz, der seit 2019 kaufmännischer Direktor im Leopold Museum ist.
Heimo Scheuch, CEO von wienerberger, zur Sammlung: „Als wir uns 2012 entschlossen haben, ein Projekt im Bereich zeitgenössischer Kunst zu initiieren, wollten wir eine Brücke zwischen unserer unternehmerischen Tätigkeit und der Kunst schlagen. Wichtig war uns dabei, nicht nur Objekte zu schaffen, sondern auch etwas dauerhaft festzuhalten."

Mit dem Aufbau der Sammlung geben wir Künstler:innen mit Schwerpunkt Fotografie die Chance, die Entwicklung unseres Unternehmens und unserer Tätigkeit aus ihrer individuellen künstlerischen Sicht zu kommentieren.

Heimo Scheuch, CEO wienerberger

Die Kunstschaffenden entscheiden ohne Vorgabe, in welche Richtung ihr Projekt geht. „Das Ergebnis ist keine glatte Unternehmenskunst. Brüche und Friktionen werden genauso behandelt wie Fortschritt“, so Heimo Scheuch. Tatiana Lecomte arbeitete in diesem Kontext beispielhaft die Jahre des Nationalsozialismus auf, Gregor Sailer besuchte verwahrloste Firmenstandorte. „Kunst darf mutige Fragen stellen und ehrliche Diskussionen anregen“, so Kuratorin Valerie Loudon gegenüber PARNASS beim Besuch im Headquarter von wienerberger in Wien. Hier wird die Kunstsammlung über acht Stockwerke in Gängen und Büros präsentiert. Im Foyer hängt ein wechselndes Werk mit einführendem Text über die Sammlung, der Mitarbeiter:innen und Besucher:innen neugierig machen soll. Denn eine Firmensammlung soll vor allem auch eines leisten: den Arbeitsalltag mit Kunst bereichern.

 

 

Markus Krottendorfer, Werk Békéscsaba II, 2015, 95 x 120 cm, © by the artist

Markus Krottendorfer, Werk Békéscsaba II, 2015, 95 x 120 cm, © by the artist

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