Gustav Klimt, Porträt Elisabeth Lederer, 1914/16, © Sotheby’s

Ein bedeutendes Klimt-Gemälde aus der Sammlung Leonard Lauder soll bei der Novemberauktion am 18.11.25 in New York über 150 Millionen US-Dollar erzielen. Für das finanziell angeschlagene Auktionshaus Sotheby’s wäre es ein dringend benötigter Erfolg.


 

Wenn ein Kunstwerk zum Gradmesser eines ganzen Marktes werde könnte, dann ist es Gustav Klimts „Porträt Elisabeth Lederer“. Das intime Werk hat das Potenzial für einen neuen Rekord. Mindestens 150 Millionen US-Dollar erwartet Sotheby’s für dieses bedeutende Werk, das am 18. November in New York als unangefochtenes Toplos der Herbstauktionen unter den Hammer kommt. Es befand sich über Jahrzehnte in der Privatsammlung des im Juni verstorbenen Kunstmäzens und ehemaligen Vorsitzenden des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, Leonard Lauder. Während sein jüngerer Bruder, Ronald S. Lauder, mit seiner Neuen Galerie in New York und dem Ankauf der aus dem Belvedere restituierten „Goldenen Adele“ im Jahr 2006 für 135 Millionen US-Dollar berühmt wurde, kannte man Leonard Lauder vor allem für seine Sammlung kubistischer Kunst, von der er dem MoMA 89 Werke schenkte. Erst mit der Versteigerung seiner Kunstsammlung wurde bekannt, dass er ebenfalls über ein paar zentrale Arbeiten des wahrscheinlich berühmtesten österreichischen Künstlers verfügte.

Das um 1914 entstandene Porträt zeigt die junge Elisabeth Lederer, Tochter von Serena und August Lederer, ihres Zeichens wichtige Förderer Klimts. Die Beziehung zwischen Künstler und Modell war innig. Sie nannte ihn „Onkel“, er sie „mein Mädchen“. Der Entstehungsprozess zog sich über Jahre hin, bis Elisabeths Mutter der Geduldsfaden riss und sie das Werk schließlich eigenhändig „entführte“, wie sie selbst sagte, um dem Prozess ein Ende zu setzen, siehe Auktionskatalog.

Marktfrische Werke

Die Geschichte des Bildes ist geprägt von Krieg, Enteignung und Restitution: 1939 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, wurde es 1946 restituiert und gelangte über den emigrierten Wiener Kunsthändler Serge Sabarsky in Lauders Besitz. Neben diesem Porträt kommen zwei bedeutende Landschaftsbilder Klimts aus der Sammlung zum Aufruf: „Blumenwiese“ und „Waldabhang am Attersee“ für die 80 respektive 70 Millionen US-Dollar erwartet werden.
Die Schätzung für „Porträt Elisabeth Lederer“ ist durchaus realistisch, wenn man sich die Bedeutung dieses Werks und Preise früherer verkaufter Gemälde ansieht. So erzielte Klimts „Buchenwald“ aus der Sammlung von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen 2022 bei Christie’s 105 Millionen US-Dollar und Medienstar Oprah Winfrey verkaufte ihre „Adele Bloch-Bauer II“ 2019 privat um 150 Millionen US-Dollar. Die Tatsache, dass das Porträt nun zum ersten Mal überhaupt auf dem freien Markt angeboten wird, macht es besonders begehrenswert.

Neben den drei Werken von Gustav Klimt umfasst die Auktion auch ein halbes Dutzend Bronzeskulpturen von Henri Matisse, die gut 30 Millionen US-Dollar bringen sollen, ein Gemälde von Edvard Munch, das auf mindestens 20 Millionen US-Dollar geschätzt wird, sowie „The Garden“, eine Leinwand von Agnes Martin aus dem Jahr 1964, die mit zehn Millionen US-Dollar taxiert ist.


Neuer Schwung

Dem seit 2023 schwächelnden Kunstmarkt könnte die Auktion wieder neuen Schwung verleihen. Im ersten Halbjahr hat es kein einziges Werk auch nur auf 50 Millionen US-Dollar geschafft. Auch Sotheby’s setzt große Hoffnungen in die Auktion, befindet es sich doch in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Im Vorjahr benötigte das Haus eine milliardenschwere Finanzspritze vom Staatsfonds Abu Dhabis. Den Hoffnungsträger im Frühjahr, eine auf 70 Millionen US-Dollar geschätzte Giacometti-Skulptur, konnte Sotheby’s nicht verkaufen. Das Haus braucht also dringend einen Erfolg. Um sich den Zuschlag für die Lauder-Sammlung zu sichern, gewährte Sotheby’s dem Nachlass eine finanzielle Garantie.

Gustav Klimt, Porträt Elisabeth Lederer, 1914/16, © Sotheby’s

Gustav Klimt, Porträt Elisabeth Lederer, 1914/16, © Sotheby’s

 

Mehr über Auktionen und den aktuellen Kunstmarkt lesen Sie im
PARNASS Special Auctions & Fine Arts 2025.

Das könnte Sie auch interessieren