Frankfurts vertikaler Saisonauftakt

House of Galleries

House of Galleries, TRIANON, Frankfurt, 2026, Foto: © Houseofgalleries

In einer Zeit, in der viele Messeformate straucheln, pausieren oder sogar aufgeben, geht es in Frankfurt hoch hinaus – und zwar knapp 190 Meter. Vom 22. bis 25. Januar 2026 präsentiert das House of Galleries im TRIANON-Hochhaus in der Frankfurter City über 40 Galerien auf den Etagen 42 bis 44. Mit Galerie Krobath, Zeller van Almsick und Galerie Christine König sind auch drei Galerien aus Wien vertreten.


Die 44 Stockwerke sind mit dem Lift in Windeseile geschafft, und oben, in den ehemaligen Chefetagen des Trianon, wirkt die Kunstschau plötzlich weniger wie Messebetrieb als wie ein konzentrierter Rundgang durch ein Hochhaus, das für ein paar Tage zum Ausstellungsort wird. Das House of Galleries verabschiedet sich ziemlich konsequent von der klassischen Hallenlogik: kein Standbau, keine endlosen Gänge, kein Messelärm. Die Teilnahme funktioniert über Einladung, und ein Detail macht das Konzept besonders klug: Eine Frankfurter Galerie darf jeweils eine Gastgalerie einladen. Das lockt das lokale Publikum zuverlässig an und erweitert zugleich den Radius – ein Schachzug, der die Attraktivität des Formats spürbar erhöht.

Auffällig ist, wie gut das alles organisiert ist. Der Ablauf wirkt ruhig und verlässlich, die Orientierung funktioniert, und auch logistisch scheint das Format seine eigene Leichtigkeit zu haben. Entsprechend zufrieden zeigen sich die Initiator:innen – und auch aus dem Kreis der Galerien ist viel positives Feedback zu hören – weil hier nicht gegen die Bedingungen gearbeitet werden muss, sondern mit ihnen.

Andrea von Goetz

 

Das Grundprinzip ist schnell erklärt und trägt doch erstaunlich weit: one room – one artist. Die Regel zwingt zur Zuspitzung und verhindert das übliche Überangebot; jede Position bekommt Luft und die nüchterne Büroarchitektur schärft den Blick. Am Preview-Tag füllt sich das Haus mit vielen ernsthaft Interessierten, die wirklich schauen – und zwischen Sammler:innen und Szene-Gesichtern sind auch Kurator:innen aus den großen Sammlungen der Stadt zu sehen, die sich Zeit nehmen und Räume genau lesen. Inhaltlich trifft Etabliertes auf Jüngeres, mit der erwartbaren Fallhöhe: Nicht jede Präsentation hält dem strengsten Blick stand – aber dort, wo Konzept und Raum ineinandergreifen, wirkt das Format sehr überzeugend. BeiFILIALE steht das Duo HAUCK PLÜMPE (Alice Hauck und Amelie Plümpe)im Zentrum. Ihre skulpturalen Setzungen greifen Alltagslogik und Arbeitswelt auf; das Funktionale kippt ins Kunsthafte, und der Bürocharakter wird nicht versteckt, sondern als Mitspieler genutzt. Philipp Pflug Contemporary zeigt Arbeiten von Frank Brechter, dessen Praxis zwischen Kulissenbau, Malerei und Objekt angesiedelt ist. Man sieht hier sehr direkt, wie stark „Konstruktion“ als Thema funktioniert: Der Raum wird nicht nur bespielt, sondern bewusst gesetzt.

one room – one artist. Die Regel zwingt zur Zuspitzung und verhindert das übliche Überangebot;

Andrea von Goetz

 

FILIALE, Hauck Plümpe, House of Galleries, TRIANON, Frankfurt, 2026, Foto: PARNASS

FILIALE,Hauck Plümpe, House of Galleries, TRIANON, Frankfurt, 2026, Foto: PARNASS

Bei alexander levy entfaltet Sinta Werner ihr präzises Spiel mit Wahrnehmung und Architektur. Spiegelungen, Brüche und illusorische Räume lassen den Blick zwischen Fläche und Tiefe pendeln – und im Hochhaus mit Glas und Blickachsen bekommt das eine zusätzliche Schärfe.In ihrer Installation XL Notes verwandelt Xenia Lesniewski handschriftliche Notizen, die sie über viele Jahre hinweg als Fragmente von Gedanken, Erinnerungen und Fragen gesammelt hat, in überdimensionale, sorgfältig gemalte Reproduktionen  (Jean Claude Maier & Zeller van Almsick).

Angenehm ist, dass manche Galerien bewusst klassisch auftreten und etablierte Positionen zeigen – so, wie man sie auch auf großen internationalen Messen erwarten würde. In diese Linie gehört die Christine König Galerie mit Olaf Holzapfel:reduzierte, handwerklich gedachte Strukturen aus einfachen Materialien, die im Kontrast zur gläsernen Höhe als ruhiger Anker funktionierend. Ebenso auf formale Reduktion setzt die Galerie Krobath mit Werken von Elisa Alberti.

Produzentengalerie Hamburg (Partnergalerie: Anita Beckers)zeigt zeigt Ulla von Brandenburgs Textilarbeit„Raise Up Valley, Sink Down Mountain“. Das wandhafte Stück wirkt bühnenhaft gesetzt: Stoff wird gleichzeitig Material und Raumrahmung, fast wie ein Vorhang, der den Blick ordnet. Galerie Nagel Draxler setzt mit Nadya Tolokonnikova einen klaren politischen Akzent. Als Künstlerin und Aktivistin arbeitet sie mit direkter Intervention; im Kontext dieses Hochhaus-Parcours wirkt das wie ein Gegenwartszeichen, das den Rundgang kurz aus der Komfortzone zieht.

Jean Claude Maier & Zeller van Almsick, Xenia Lesniewski, House of Galleries, 2026, Foto: PARNASS

Jean Claude Maier & Zeller van Almsick, Xenia Lesniewski, House of Galleries, 2026, Foto: PARNASS

Am Ende bleibt ein sehr gutes Gesamtbild: ein spannendes, konzentriertes Format mit vielen starken Aussteller:innen und viel guter Kunst – und trotz der Höhe mit Luft nach oben. Genau darin steckt Potenzial: Wenn die Auswahl in der Breite noch konsequenter geschärft wird, kann sich dieser vertikale Saisonauftakt als fester Termin etablieren. Dass bereits so viele renommierte Galerien dabei sind – und dass Organisation und Stimmung so rund laufen –, ist dafür ein sehr überzeugender Anfang.

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