Foto Wien 2025 – unser Guide

333 Künstler:innen und 99 Locations, puh – mal ehrlich, wie viel Programm ist zu viel Programm? Aber keine Sorge, wir führen Sie da durch. Hier entlang zu unseren kuratierten Tipps für einen gelungenen Festivalbesuch!
Science/Fiction – A Non-History of Plants
FOTO ARSENAL WIEN | 04.10.25 bis 18.01.26
Die prominent besetzte Gruppenschau eröffnet einen historischen Blick auf die Welt der Pflanzen – zugleich sinnlich, spekulativ und erkenntnisorientiert. In Kooperation mit dem Maison Européenne de la Photographie (MEP) in Paris vereint sie mehr als 40 internationale Positionen: von frühen Fotopionier:innen wie Anna Atkins, William Henry Fox Talbot und Laure Albin Guillot bis zu aktuellen Ansätzen etwa von Ágnes Dénes, Jochen Lempert und Agnieszka Polska, die miteinander in einen lebendigen Dialog treten.

Max Reichmann, Zucchini Blüte 3, Fotogramm aus dem Film Das Blumenwunder, 1926, 1h21, © Courtesy Absolut Medien
Smart Pictures oder wie nutzen Fotokünstler*innen Smartphone-Bilder in den Sozialen Medien?
Künstlerhaus Vereinigung Wien | 18.09. bis 05.10.25
Smartphones haben die Fotografie grundlegend verschoben. Die Gruppenausstellung fragt, wie Fotokünstler:innen mit Smartphone-Bildern arbeiten und sie in sozialen Medien einsetzen – als Werkzeug, Nebenbühne zur „ernsten“ Fotografie, Spielraum oder Marketingkanal. Über 30 Positionen sind mit dabei unter anderem Asta Cink, Matthias Klos, Elena Kristofor, Johannes Stoll und Violetta Wakolbinger.

© Elena Kristofor
Photo Cluster Emerging Artists 2025
Photo Cluster | 03.10. bis 19.11.25
Die drei in der Photo Cluster Galerie präsentierten Künstler:innen Magdalena Chan, Yevheniia Kriuk und Mariia Tsaritsyna wurden durch einen zuvor veröffentlichten Open Call ausgewählt. Der jährliche Open Call von Zigutamve, Verein für zeitgenössische Fotografie, richtet sich an Künstler:innen mit Lebensmittelpunkt in Wien und einem Höchstalter von 35 Jahren. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge, aufstrebende Künstler:innen zu fördern, die Fotografie als Hauptmedium in ihrer künstlerischen Praxis einsetzen. Eine Jury wählte drei Einreichungen aus, die das vorgegebene Thema „dynamic futures“ überzeugend behandelt haben.

© Magdalena Chan, 2025
Julius von Bismarck.
Normale Katastrophe
KunstHausWien | bis 08.03.26
Julius von Bismarck versteht es einfach Naturwissenschaft mit Emotion zu paaren und dabei mitreißende Kunst entstehen zu lassen, die großen Eindruck macht und auch in den leisen Tönen überzeugt. Must see!

Ausstellungsansicht "Julius von Bismarck. Normale Katastrophe", KunstHausWien, 2025 © KunstHausWien / Foto: Sandro E.E. Zanzinger
Palampore
HOAST | 18.10. bis 01.11.25
Der artist-run space HOAST zeigt eine Soloschau von Lukas Kaufmann. Dessen intime Porträts lassen Innenleben und Außenwelt gekonnt verschwimmen. Florale Muster aus Wohntextilien wachsen in die Bildräume hinein und werden zu Denkbahnen der Dargestellten. Im HOAST zeigt der Künstler eine Serie vernetzter Fotografien, die direkt auf den Ausstellungsraum reagieren: Oberfläche, Position und Lichteinfall greifen ineinander – je nach Blickwinkel schieben sich Bildebenen neu zusammen.

Lukas Kaufmann, Celine, 2025, © Lukas Kaufmann
Archive of Uncertainties
VINZENZ | 4. bis 12.10.25
Die Zukunft ist kein fester Zustand, sondern eine fragile Projektion im Wandel. Die Kurator:innen Paola Lesslhumer und Nicole Toferer untersuchen in der Gruppenschau „Archive of Uncertainties“ Fotografie zwischen Dokument und Spekulation. Jedes Bild ist Fragment – ein unvollständiges Archiv, das zugleich speichert und löscht. Analoge Träger treffen auf Simulationen; historische Aufnahmen stehen neben algorithmisch erzeugten Bildern. Klassische Fotografie bewahrt Erinnerungen, KI erzeugt synthetische Zukünfte. So verwischen Grenzen zwischen Original und Eingriff, „Wahrheit“ wird neu verhandelt. Glitches durchkreuzen Perfektion, postdigitale Bildräume testen Sehgewohnheiten. Körper erscheinen zwischen realer Präsenz und virtueller Konstruktion. Die Gruppenschau versammelt u.a. Arbeiten von Julia Bertermann, Lukas Felder, Philip Baader, Sophie Neumann u.v.m..
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Julia Bertermann, epilog: the cigarette after, 2025 © Julia Bertermann
„wissen schaft berührt“
Die Graphische | 06. bis 10.10.25
5 Künstler:innen (Bruckmayr Sebastian, Canale Alexandra, Pürzelmayer Emil, Roher Valentin, Schneglberger Marie) zeigen wo wissenschaftlich-technologischer Fortschritt unseren Alltag wirklich berührt. Dabei werden Wissensregime und Technologiedispositive einer kritischen Analyse unterzoge und decodiert. Die Schau legt Bias in vermeintlich neutralen Verfahren offen – und fragt, wie „Fortschritt“ uns prägt, herausfordert und bewegt.

Marie Schneglberger, ohne Titel, 2025, Fotografie mit CGI-Compositing, Inkjet Print, © Marie Schneglberger
Transfutures™
SSTR6 | 01. bis 10.10.25
In „Transfutures™“ beschäftigt sich Lee Everett Thieler mit der Sichtbarkeit von trans* Körpern in spekulativen Zukunftsszenarien. Analoge Fotos treffen futuristische Tech-Ästhetik – vom KI-Anzug bis zu Studioaufnahmen mit Fitnessbändern. Zwischen Doku und Fiktion verhandeln die Arbeiten Nähe, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung: Schützt Technik oder schreibt sie vor? Thieler setzt auf die haptische Präsenz des Analogen und denkt Körper als offene Möglichkeitsräume.

Lee Everett Thieler, Philisha, Deutschland, 2025, © Lee Everett Thieler
Future Retrofuturism
KOI | 03. bis 30.10.25
Barocke Bühne, Zukunftsblick: Sissa Micheli und Andreas Müller inszenieren fotografische Welten, in denen Identität kippt und „eine Welt hinter der Welt“ aufscheint. Raumtiefe und Schatten werden bewusst negiert – was zählt, sind Auslassungen, Oberfläche, Präsenz. Zwischen Kalkül und Zufall öffnen die Bilder Möglichkeitsräume jenseits von Technik-Hype: téchnē als Kunst.

Andreas Müller, Tervagant (Serie), 2024, © Andreas Müller & Bildrecht, Wien 2025
WEITERE FOTOGRAFIE-TIPPS:
- FRITZ SIMAK
Galerie Jünger, bis 01.11.25 / Anzenberger Gallery, bis 21.11.25
Rund um den 70. Geburtstag des österreichischen Fotografen Fritz Simak zeigen die beiden Ausstellungen in der Galerie Jünger und der Anzenberger Gallery seine beeindruckende Bandbreite an Arbeiten. Als langjähriger Vertrauter von Galeristin Andrea Jünger habe er ihr den Zugang zur Fotografie eröffnet. In "50 Jahre Fotografie" ehrt die Galerie nun diese Verbindung und zeigt die Vielfalt von Simaks Fotografie-Welt auf. Auch die Ausstellung "Photographs in the Key of Life" in der Anzenberger Gallery feiert den Geburtstag und die Bildsprache des Fotografen mit einer umfassenden Schau – eine Bildsprache, in der Technik, Komposition und Themenwahl ein eigenständiges Ganzes bilden. Simaks künstlerisches Credo: „Es gibt nichts Schöneres und Spannenderes als die Wirklichkeit.“
- JITKA HANZLOVÁ
Albertina Wien, bis 26.10.25
Migration, Heimat und Entfremdung sowie Natur und Resilienz sind die zentralen Themen, die sich durch das fotografische Schaffen von Jitka Hanzlová (*1958) ziehen. Im Herbst 2025 präsentiert die Albertina die längst überfällige erste institutionelle Einzelausstellung der herausragenden Künstlerin in Wien. Die zehn ausgestellten, innerhalb von 35 Jahren entstandenen Serien, die in dieser Schau arrangiert wurden, verhandeln gleich auf gleich mehreren Ebenen schmerzlichen Verlust – und doch schafft Hanzlová es, die Besucher:innen mit der angenehmen Aura der in sich ruhenden Bilderwelt zu bezaubern.
- LISETTE MODEL
Albertina Wien | 30.10.25 bis 22.02.26
Lisette Model (1901–1983) war eine österreichisch-amerikanische Fotografin, die mit ihren schonungslos direkten Bildern berühmt wurde. Ihre Arbeiten zeigen Passant:innen, Außenseiter:inne, die Armut an der Lower East Side sowie die Upper Class und das Nachtleben der Stadt – stets direkt, unverstellt, authentisch. Die Ausstellung in der ALBERTINA zeigt eine umfassende Retrospektive ihrer wichtigsten Werkgruppen von 1933 bis 1957.
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- HEIDI HARSIEBER
Landesgalerie Niederösterreich | bis 09.11.25
Kuratiert von Hubert Nitsch zeigt die Landesgalerie Niederösterreich eine Ausstellung der österreichischen Fotografin Heidi Harsieber (*1948). Unter dem Titel „Quer durch. Ein Leben mit der Fotografie“ ist ein feiner Überblick durch das facettenreiche Schaffen der Künstlerin zu sehen – von frühen Arbeiten aus den 1960er-Jahren bis hin zu aktuellen Serien. Kompromisslos stellt die Künstlerin auch immer wieder ihren eigenen Körper ins Zentrum ihres fotografischen Schaffens, indem sie alle Lebensphasen ungeschönt ins Blickfeld rückt und im richtigen Moment den Auslöser abdrückt.
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- PETER KOGLER
Francisco Carolinum | bis 28.02.26
Der renommierte Medienkünstler Peter Kogler nutzt seit den 1980er-Jahren digitale Technologien, um mit grafischen Mustern Räume in visuelle Labyrinthe zu verwandeln. Im Zentrum der Ausstellung im Francisco Carolinum Linz steht jedoch das Fotoarchiv des Künstlers. Sie verwebt die frühen fotografischen Aufnahmen aus den 1980ern mit raumgreifenden Tapeteninstallationen und gibt so einen interessanten Einblick in Archivmaterial und Koglers Medienreflexion – ein kontinuierlicher Dialog zwischen analoger Erinnerung und digitaler Konstruktion. Am 29. November 2025 finden im Rahmen der Ausstellung die Präsentation des Katalogs sowie ein Konzert statt.
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