Die Hintergründe der SPARK Verschiebung im Interview

Nach der kurzfristig bekannt gegebenen strategischen Pause der SPARK Art Fair (mehr dazu hier) steht der Kunst- und Messestandort Wien vor neuen Fragen. Die Entscheidung, 2026 auszusetzen, sorgt in der Szene für Irritation und Diskussionen über die Zukunft der Messe und ihre internationale Positionierung. PARNASS hat mit Niclas Schmiedmaier, Managing Director der SPARK Art Fair Vienna, über die Hintergründe der Absage, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Perspektiven für eine Rückkehr 2027 gesprochen.
PARNASS: Uns wundert das Timing der Bekanntgabe – hätten sich nicht durch die soeben erfolgte Absage der viennacontemporary Möglichkeiten ergeben hier Partner:innen, Aussteller:innen und Besucher:innen für die SPARK begeistern können. Vor allem da die SPARK 2026 als einzige wirklich international ausgerichtete zeitgenössische Kunstmesse (neben der PARALLEL) stattgefunden hätte?
Niclas Schmiedmaier: Die SPARK Art Fair steht für Qualität und inhaltliche Klarheit. Wir haben die Entscheidung, die Messe heuer nicht durchzuführen, und uns voll auf die Ausgabe im kommenden Jahr zu konzentrieren, unabhängig von den Entwicklungen rund um die viennacontemporary getroffen. Wir wollen den Erfolg der SPARK in den vergangenen Jahren nachhaltig in die Zukunft tragen, daher haben wir uns für diesen Restart entschieden. Wir wollen die Messe auf ein neues Niveau heben und vor allem dem Kunststandort Wien die angemessene Aufmerksamkeit schenken. Dazu wollen wir einen breiten Diskurs mit allen Stakeholder:innen starten. Das Timing der Entscheidung ist das Ergebnis eines längeren internen Prozesses, die Absage der viennacontemporary war uns einerseits nicht bekannt, andererseits hat sie keine Relevanz für unsere weiteren Planungen.
Es geht nicht darum, kurzfristig entstandene Lücken zu besetzen, sondern um eine bewusste und nachhaltige Weiterentwicklung der SPARK Art Fair.
PARNASS: In der Aussendung ist von einer strategischen Pause die Rede, heute.at berichtet aber auch von „wirtschaftlichen Problemen und einer Marktflaute“ als auschlaggebende Argumente für die Absage. Was waren die Gründe für die Absage?
Niclas Schmiedmaier: Wie bereits kommuniziert, wollen wir die SPARK im Sinne eines international angesehenen Kunststandorts Wien weiterentwickeln. Natürlich müssen wir dabei die derzeit herrschenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – international und national – berücksichtigen und in die Planung einbeziehen. Die SPARK war in den vergangenen Jahren mit ihrem Konzept der Solopräsentationen stets sowohl für die Aussteller:innen als auch für die Künstler:innen höchst erfolgreich.
PARNASS: Wie steht es wirtschaftlich um die SPARK?
Niclas Schmiedmaier: Die SPARK Art Fair ist wirtschaftlich stabil aufgestellt. Die Entscheidung, 2026 auszusetzen, ist eine strategische. Sie dient dazu, die Messe inhaltlich, strukturell und langfristig nachhaltig weiterzuentwickeln und ihre internationale Positionierung zu stärken.
PARNASS: Will man vielleicht eher als die vic die Reißleine ziehen, um nicht in so hohe finanzielle Verbindlichkeiten zu kommen?
Niclas Schmiedmaier: Für uns geht es nicht darum, kurzfristig Kosten zu senken, sondern darum, die SPARK verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Wir haben uns bewusst für eine strategische Pause entschieden, um langfristig auf hohem inhaltlichem und strukturellem Niveau arbeiten zu können.
PARNASS: Andererseits wurde doch seitens des Betreibers der MARX HALLE signalisiert, dass ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass man eine Messe über die Jahre hinweg aufbauen muss.
Niclas Schmiedmaier: Das ist richtig. Wir sind mit der MARX HALLE in bestem Einvernehmen, und auch dort besteht ein klares Verständnis dafür, dass eine Messe über mehrere Jahre hinweg aufgebaut und entwickelt werden muss. Die Entscheidung, die SPARK 2026 auszusetzen, ist eine interne strategische Entscheidung und wurde genau aus diesem Grund getroffen: eine nachhaltige Weiterentwicklung eines erfolgreichen Formats.
PARNASS: Laut Vorberichten gab es bereits eine Reihe von Zusagen internationaler Galerien, vor allem auch die Nachfrage soll gut gewesen sein, da die SPARK mit ihrem USP der monografischen Messestände doch auch international eine Besonderheit ist. Wie reagieren die Galerien auf die Absage?
Niclas Schmiedmaier: Großteils mit Verständnis und großem Interesse an der Weiterentwicklung. Einige Galerien haben bereits ihr Interesse an einer Teilnahme 2027 geäußert.
PARNASS: Ist es auch der österreichischen Galerienszene geschuldet, die sich in den letzten Jahren immer zögerlicher bei Messeteilnahmen zeigte?
Niclas Schmiedmaier: Die Entscheidung ist nicht der österreichischen Galerienszene zuzuschreiben. Ein Großteil der Aussteller:innen ist international – und das ist auch Sinn einer internationalen Kunstmesse. Es geht vielmehr darum, das Format so weiterzuentwickeln, dass es den veränderten Bedürfnissen von Galerien insgesamt gerecht wird. Für 2026 konnten wir zahlreiche nationale wie internationale Anmeldungen verzeichnen und hätten abermals eine ausgebuchte Messe verzeichnen dürfen.
PARNASS: Sehen Sie insgesamt eine Marktflaute in Wien, Österreich oder auch global?
Niclas Schmiedmaier: Wir beobachten sowohl die nationalen als auch die internationalen Entwicklungen sehr genau. Für uns sind sie Anlass, Formate weiterzudenken und uns den Entwicklungen entsprechend anzupassen.
PARNASS: Mit wem wollen Sie nun in Dialog gehen? Braucht es mehr Engagement von Stadt Wien oder Sponsorings?
Niclas Schmiedmaier: In den kommenden Wochen möchten wir mit Vertretern aus Politik, Aussteller:innen, Künstler:innen, Sammler:innen, Institutionen, Wirtschaft und sämtlichen Stakeholder:innen einen Diskus in Gang setzen. Ziel ist, den Kunst- und Kunstmessen Standort Wien neu zu denken und konstruktiv an neuen und erfolgreichen Formaten für den Standort Wien zu arbeiten. Nur gemeinsam werden wir unter den herrschenden Rahmenbedingungen starke Plattformen für Künstler:innen und Galerien schaffen können und Wien als Standort stärken.
PARNASS: Wie wahrscheinlich ist eine SPARK Art Fair 2027?
Niclas Schmiedmaier: Wir setzen auf eine starke und klare Rückkehr 2027.
Die SPARK ist auf einem soliden Fundament aufgebaut. Unsere Entscheidung zeigt, dass wir langfristig denken und Verantwortung übernehmen – für die Messe, für unsere Partner:innen und für die zeitgenössische Kunstszene.
PARNASS: Wird es bei dem Format bleiben? Ist es nicht so, dass Messen heute anders konzipiert werden müssen? Da hätte doch die SPARK mit ihrer Ausrichtung einen veritablen Starting Point.
Niclas Schmiedmaier: Rahmenbedingungen, Produktionsweisen und Erwartungen an Messen haben sich stark verändert. Darauf reagieren wir mit einer vertieften konzeptionellen Weiterentwicklung. Konkrete Informationen zur Neukonzeptionierung der SPARK Art Fair werden wir rechtzeitig bekanntgeben.
PARNASS: Wie wirken sich die Absagen der Messen vic und SPARK Ihrer Meinung nach für den Standort Wien aus? Ist dies überhaupt wieder aufzuholen?
Niclas Schmiedmaier: Wir sind überzeugt, dass Qualität und internationale Relevanz den Standort langfristig stärken. Das ist unser Ziel und unser Anspruch für 2027.
Lesen Sie auch:
