Reisetipps Flandern

Auf den Spuren von Peter Paul Rubens

Haverwerf Mechelen, © Milo Profi

Auf unserer Rundreise durch Flandern, einer der drei Regionen des Königreichs Belgien, folgen wir den weitgestreuten Spuren des Meistermalers Peter Paul Rubens, der um 1600 eine tragende Rolle in der kulturellen Mitgestaltung der Gegend um Antwerpen hatte. Von Kathedralsfassaden und Altarbildern über Portraits und Gärten bis hin zum Kultur-Schatz Mechelen – diese Stopps sollten Sie auf Ihrer Flandern-Reise auf keinen Fall verpassen.


 

Peter Paul Rubens wurde am 28. Juni 1577 in Siegen, im heutigen Deutschland, geboren. Seine Familie zog jedoch bald nach Antwerpen, wo Rubens den Großteil seines Lebens verbrachte. Um 1592 begann seine künstlerische Ausbildung als Schüler der Antwerpener Maler Tobias Verhaecht, Adam van Noort und Otto van Veen.
Nach einem längeren Aufenthalt in Italien, wo er die Werke der Renaissance-Meister studierte und in die Dienste des Herzogs von Mantua, Vincenzo I. Gonzaga, trat, kehrte Peter Paul Rubens 1608 nach Antwerpen zurück, wo er schnell zu einem der gefragtesten Maler avancierte. Mithilfe eines kleinen aber wichtigen Kreises von Gönnern nahm er bald eine bedeutende Rolle in der Stadt ein – als Maler, als geschickter Geschäftsmann sowie auch als Diplomat im Dienste der Habsburger. Seine Ernennung zum Hofmaler sicherte ihm eine Reihe von Privilegien. So war er von „Steuern und Lasten“ befreit und konnte – ohne Kontrolle der Gilde – Lehrlinge ausbilden und eine unbegrenzte Zahl an Gehilfen in seine Werkstatt aufnehmen.

DAS RUBENHAUS

1610 erwarb Rubens mit seiner ersten Frau Isabella Brant ein Haus und Gründe um die ehemalige Bleicherei am Wapper und baute hier eines der bedeutendsten und prächtigsten Patrizierhäuser der Stadt im Stil einer italienischen Villa mit Garten und Atelierhaus. Als begeisterter Kunstsammler erweiterte Rubens sein Haus um ein halbkreisförmiges Skulpturenmuseum, das dem berühmten Pantheon nachempfunden war. Neben antiken Skulpturen sammelte er unter anderem auch Werke von Tizian, Pieter Bruegel dem Älteren und Adriaan Brouwer. Das Rubenshaus und der Garten waren ein Ort der Repräsentation, wo Freunde, Familie, Künstler und Fürsten zu Gast waren. Doch in erster Linie war es auch ein Privathaus, in dem Rubens mit Isabella Brant und nach deren Tod 1626 mit seiner zweiten Ehefrau, Helene Fourment, und seinen Kindern das Familienleben pflegte. Maiglöckchen, Quitten, Tulpen Bergamotte, Lorbeer, Alpenveilchen – dank der Farbberatung des Modedesigners Dries Van Noten gibt es in jeder Saison neue Blumen und damit neue Farben. Mehr Informationen

Rubenshuis, Antwerpen, 2024, © Ans Brys

Rubenshuis, Antwerpen, 2024, © Ans Brys


DAS MUSEUM PLANTIN MORETUS – EIN MUST-SEE

In diesem prächtigen Gebäude, das 2005 als erstes Museum zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, wird die jahrhundertealte Geschichte des Buches und der Buchdruckerkunst zum Leben erweckt. Hier stehen die beiden ältesten Druckpressen der Welt, Setzkästen mit unzähligen Buchstaben in verschiedenen Schriften liegen gut sortiert in den Regalen. Darüber hinaus gibt das Museum einen Einblick in die Kunstsammlung der Familie sowie in die umfangreiche Bibliothek. Gründer der Druckerei war Christoffel Plantin, der 1550 aus Frankreich nach Antwerpen kam und hier die „Officina Plantiniana“ etablierte. Trotz bewegter politischer Zeiten baute er sie zu einem florierenden Familienbetrieb und einem der größten typografischen Unternehmen in Europa aus, dessen Geschichte über drei Jahrhunderte fortdauern sollte.
Auch Peter Paul Rubens war in diese Geschichte involviert: Späterer Erbe und Geschäftsführer Balthasar Moretus, der eng mit Rubens befreundet war, beauftragte diesen mit Porträts seiner Eltern und Großlinkeeltern, die heute noch im großen Salon zu sehen sind.
In der Herbstausstellung 2025 stellt das Museum die Geschichten der Frauen in diesem Haus in den Fokus – Geschichten von Frauen, die nicht hinter sondern neben ihren Männern standen und die, so das Museum, „dringend erzählt werden müssen.“ Mehr Informationen

Museum Plantin Moretus, Druckerei, © LUCID

Museum Plantin Moretus, Druckerei, © LUCID


ST. KARL-BORROMÄUSKIRCHE

Die St. Karl-Borromäuskirche wird auch als „Rubenskirche“ bezeichnet, denn der Maler war an der Gestaltung der figurenreichen, theatralischen Fassade, des Hochaltars sowie von zwei Kapellen und des Turms beteiligt. Die Barockkirche mit ihrem raffiniert gestalteten Interieur wurde zwischen 1614 und 1621 von den Jesuiten erbaut. Die von Rubens entworfene Fassade spiegelt nicht nur die Geschichte des Jesuitenordens wider, sondern auch das Selbstbewusstsein der katholischen Kirche in der Zeit der Gegenreformation. Für die Innenausstattung schuf Rubens bedeutende Altarbilder und gemeinsam mit seiner Werkstatt 39 Deckengemälde, die jedoch tragischerweise gemeinsam mit der kostbaren Marmorvertäfelung 1718 durch einen Blitzschlag zerstört wurden. Eine weitere Besonderheit der Kirche sind die die über 5 Meter hohen Bilder des Hochaltars, die dank des von den Jesuiten ausgeklügelten Systems aus Flaschenzügen und Winden gewechselt werden können. Der Altar sollte damit stets aufs Neue den Blick der Gläubigen auf sich ziehen.

St. Karl-Borromäuskirche, Antwerpen, © Sigrid Spinnox

St. Karl-Borromäuskirche, Antwerpen, © Sigrid Spinnox


ST. PAULSKIRCHE

Die gotische St. Paulskirche, einst Wahrzeichen des alten Antwerpener Hafenviertels in der Nähe der Schelde, entstand 1571 als Teil eines Dominikanerklosters. Werke der Antwerpener Meister Rubens, Van Dyck und Jordaens können hier an einem Ort gemeinsam bewundert werden. Der in Schwarz-Weiß gehaltene marmorne Barockaltar wurde von Pieter Verbrugghen I. und seinem Sohn geschaffen und bildete den Rahmen für das Gemälde „Die Vision des heiligen Dominikus“ von Peter Paul Rubens. 1794 wurden beide von den französischen Besatzern geraubt und nie mehr retourniert, so sieht man heute am Altar eine Kreuzabnahme aus dem 19. Jahrhundert von Cornelis Cels. Und noch ein bekanntes Bild befand sich einst in St. Paul: Caravaggios „Rosenkranzmadonna“, heute im Kunsthistorischen Museum zu sehen. Versteckt und durch einen Seitenausgang der Kirche erreichbar, findet sich im Kalvariengarten ein ungewöhnliches skulpturales Ensemble aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: 63 lebensgroße Skulpturen sowie eine Grotte und ein künstlich angelegter Felsen bilden ein theatralisches Szenario, das letztlich in der Auferstehung Jesu mündet.

Caravaggio, Rosenkranzmadonna, um 1601, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, © KHM-Museumsverband

Caravaggio, Rosenkranzmadonna, um 1601, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, © KHM-Museumsverband


DIE LIEBFRAUENKIRCHE. DIE KATHEDRALE VON ANTWERPEN

Der Besuch dieser imposanten gotischen Kathedrale ist ein Muss. Begonnen 1352, wurde die Kirche 170 Jahre später fertiggestellt. Der 123 Meter hohe Nordturm ragt als höchster Kirchturm in den Beneluxländern aus dem Häusermeer des historischen Stadtzentrums heraus. Die lichterfüllte Kathedrale war Mittelpunkt des christlichen Lebens der Stadt. Ordensgemeinschaften, Gilden und Zünfte errichteten im Kirchenschiff eigene Altäre.
Im 17. Jahrhundert wurde sie wie viele Kirchen dieser Zeit im barocken Stil neu ausgestattet. Die den Innenraum dominierende Holzkanzel wurde 1713 von Michiel van der Voort geschaffen. Viele Teile des heutigen Interieurs und der Glasfenster sind allerdings neugotisch und stammen aus dem 19. Jahrhundert. Doch was den Besuch der Kirche über den imposanten architektonischen Eindruck hinaus so bemerkenswert macht, sind die vier Altarbilder von Peter Paul Rubens – sie zählen zu seinen bedeutendsten.

Liebfrauenkirche / Kathedrale von Antwerpen, © Milo Profi

Liebfrauenkirche / Kathedrale von Antwerpen, © Milo Profi


DER GROSSE BEGINENHOF

Der Große Beginenhof ist heute UNESCO-Kulturerbe und besticht durch seine vielfältigen alten Häuser und gepflasterte Gässchen. Beginenhöfe sind ein Charakteristikum Flanderns und entstanden zur Zeit der Kreuzzüge. Viele Männer verloren dabei ihr Leben und die nun alleinstehenden Frauen schlossen sich zu Wohngemeinschaften zusammen. Da viele von ihnen nicht adelig waren, war ihnen eine Aufnahme in Klöstern zumeist nicht möglich – allein zu leben war jedoch riskant und auch ökonomisch kaum möglich.
Die Gemeinschaft setzte sich aus wohlhabenden Frauen, die im Beginenhof ein Haus kauften oder selber bauten, und weniger begüterten Frauen zusammen, die kleine Wohneinheiten mieteten, Beginen ohne Besitz kamen in Konventen unter. Ganz und gar nicht untätig, waren sie für das Wirtschaftsleben der Stadt von Bedeutung. So betrieben sie in Mechelen – der Fahrradstadt Flanders, die auf halber Strecke zwischen Brüssel und Antwerpen am Fluss Dijle liegt – ein Krankenhaus, eine Bäckerei, eine Brauerei, eine Kirche und eine Bleichwiese.
Heute stehen die Häuser unter Denkmalschutz und sind begehrte Wohnorte junger Familien.

Beginenhof, Foto: PARNASS

Beginenhof, Foto: PARNASS


EINE ZEITREISE VON DER RENAISSANCE ZUM BAROCK

Ein idealer Ausgangspunkt für eine Reise in die Zeit der Renaissance ist das Museum Hof van Busleyden, ein vom Humanisten und Mitglied des Großen Rates Hiëronymus van Busleyden erbauter Stadtpalast. Heute befindet sich hier ein Museum, das anhand von Gemälden und Artefakten die Geschichte der Stadt Mechelen erzählt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Kirche St. Johannes mit dem von Peter Paul Rubens 1617 vollendeten Altarbild „Anbetung der Weisen“ sowie die berühmte Königliche Manufaktur De Wit mit ihrem zauberhaften Garten. Insgesamt gibt es in Mechelen acht historische Kirchen, jeweils unterschiedlich von Stil und Ausstattung; und dennoch tragen viele von ihnen die Handschrift des Bildhauers und Architekten Lucas Faydherbe. Die beiden Highlights sind neben der St. Johann-Kirche die St. Rombouts-Kathedrale am Hauptplatz der Stadt und die Liebfrauenkirche jenseits der Dijle, in der sich das Triptychon „Der wunderbare Fischzug“ – ein um 1619 geschaffenes Altarstück von Peter Paul Rubens – befindet.
Rund um die Haverwerf und den Vismarkt laden entlang der Dijle zahlreiche Lokale zum Verweilen ein. Zudem gibt es unter dem Titel „MMM… Mechelen“ eine historische Hörtour durch die Kulinarik zur Zeit Margarete von Österreichs. 

Schönmarkt & St. Rumboouts-Kathedrale, © Milo Profi

Schönmarkt & St. Rumboouts-Kathedrale, © Milo Profi

Mehr unter www.visitmechelen.be und in der PARNASS-Ausgabe 02/2025.

 

 

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