Astoria Artshow – Wiens Kunstmesselandschaft erfindet sich neu

Nach dem Aus der viennacontemporary und der Pause der SPARK Art Fair (mehr dazu hier) nimmt Wiens Galerienszene die Sache selbst in die Hand. Die Astoria Artshow soll im September 2026 ein erstes Lebenszeichen setzen – und zugleich der Prototyp für eine neue Kunstmesse ab 2027 sein. Der Ort dafür ist programmatisch: eine historische Hochgarage in der Josefstadt.
So ganz daran geglaubt hat man ja nicht mehr, dass an die Stelle der viennacontemporary so schnell wieder eine zeitgenössische Kunstmesse treten würde. Zu groß schien das Vakuum, das der Zusammenbruch des bisherigen Wiener Messemodells hinterlassen hatte. Die viennacontemporary war Anfang 2026 in ihrer bisherigen Form nicht mehr finanzierbar: Die Betreibergesellschaft hatte hohe Verluste angehäuft, dazu kamen offene Mietforderungen der Messe Wien. Im März folgte der nächste Einschnitt: Auch die SPARK Art Fair kündigte an, 2026 zu pausieren und erst 2027 mit einem weiterentwickelten Konzept zurückzukehren. Die Ausgabe 2025 in der Marx Halle hatte noch rund 22.000 Besucher:innen angezogen.
Fest im Sattel blieb im Kunstherbst die PARALLEL VIENNA – doch eine »Parallelveranstaltung« ohne größeren Partner hinterlässt einen bitteren Geschmack.
Die Galerien nehmen die Sache selbst in die Hand
Die Antwort heißt Astoria Artshow. Von 10. bis 13. September 2026 soll sie in der historischen Astoria-Garage in der Trautsongasse im achten Bezirk stattfinden. Rund 70 österreichische und internationale Galerien sollen dort etablierte ebenso wie aufstrebende künstlerische Positionen präsentieren. Veranstalter ist der neu gegründete Verein VAU – Vienna Art United, ein Zusammenschluss von 35 Wiener Galerien. Im Vorstand sitzen neben Obmann Markus Peichl (Galerie Crone Wien) Thomas Krinzinger, Maximilian Thoman, Karoline Bartosch-Hilger, Antonia Lia Orsi und Isabell Kisling-Steinek.
VAU wurde im April 2026 als nicht gewinnorientierter Verein gegründet – mit der klaren Ansage: Nicht ein Messeveranstalter, ein Investor oder ein externer Eventproduzent soll darüber bestimmen, wie eine Wiener Kunstmesse künftig aussieht, sondern die Galerien selbst. Bereits in PARNASS 2/2026 sprach Markus Peichl von einer Aufbruchstimmung, wie er sie unter Wiener Galerien bisher nicht erlebt habe. Dass 107 Künstler:innen eine Unterstützungserklärung unterzeichneten, unterstreicht die Breite des Rückhalts.
Die Veranstalter:innen betonen ausdrücklich, dass die Astoria Artshow kein Nachfolgeprojekt der viennacontemporary sein soll. Vielmehr gehe es um etwas grundsätzlich Neues. Die erste Ausgabe ist als Preview-Edition gedacht: ein bewusst kleinerer und experimenteller Auftakt für eine neue zentrale Wiener Kunstmesse, die ab September 2027 etabliert werden soll.

VAU, Foto: © Carmen Alber
2026 kann zunächst der ungewöhnliche Raum der Veranstaltung punkten: Die Astoria-Garage in der Trautsongasse 4 ist eine der ungewöhnlichsten erhaltenen Großgaragen Wiens. Auf dem Grundstück befanden sich ursprünglich Reitschule und Stallungen des Palais Auersperg. 1918 gründete der Ingenieur Cesar Karrer dort eine Autowerkstatt; 1923 entstand nach Plänen von Raimund Janesch eine mehrgeschossige Garage. In den 1930er-Jahren wurde die Anlage zur sechsgeschossigen Turmgarage mit spiralförmiger Rampenauffahrt und Glaskuppel ausgebaut. Ein ungewöhnlicher Messeort, der ein besonderes Besucher:innenerlebnis verspricht.
Nicht ein Messeveranstalter, ein Investor oder ein externer Eventproduzent soll darüber bestimmen, wie eine Wiener Kunstmesse künftig aussieht, sondern die Galerien selbst.
Auch wirtschaftlich versucht die Astoria Artshow, mit klassischen Messemechanismen zu brechen. Die Teilnahmegebühren sollen nicht primär von der Größe der jeweiligen Standfläche abhängen, sondern von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Galerie. Umsatzstärkere und größere Häuser zahlen entsprechend mehr, kleinere Galerien weniger. Die Botschaft lautet: Eine Wiener Messe soll nicht nur den wirtschaftlich stärksten Galerien dienen, sondern als gemeinsames Instrument des Standorts funktionieren. Finanziert und unterstützt wird das Projekt von der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.

Astoria-Garage, Foto: © Astoria Artshow
Offen bleibt eine entscheidende Frage: Wer wird die Wiener Kunstmesse der Zukunft organisieren? Die SPARK Art Fair hat ihre Rückkehr für 2027 angekündigt. Bereits im Frühjahr 2026 wurde innerhalb der Wiener Kunstszene über eine mögliche Annäherung der verschiedenen Akteure verhandelt. Die Situation ist paradox: Einerseits hat die Krise die Galerien erstmals seit langer Zeit stärker zusammengeschweißt. Andererseits entstehen dadurch neue Fragen nach Zuständigkeit, Marke, Standort und Format. Wird es 2027 eine Astoria Artshow geben und gleichzeitig eine wiederkehrende SPARK? Oder gelingt tatsächlich ein Schulterschluss? Wird Wien langfristig eine große internationale Messe tragen können – oder muss sich der Standort mit mehreren unterschiedlichen Formaten arrangieren?

Astoria-Garage, Foto: © Carmen Alber

PARNASS 03/2026
