Asiens Kunstmarkt sortiert sich neu

Die Landkarte des asiatischen Kunstmarkts wird neu gezeichnet. Lange dominierte China das Geschehen. Jetzt formieren sich andernorts neue Kräfte, etwa in Indonesien und Thailand. Gleichzeitig erlebt Indien einen Boom, und auch Japan tritt wieder stärker in Erscheinung.
Über Jahre galt China, allen voran Hongkong, als unangefochtenes Zentrum des asiatischen Kunstmarktes. Es gab sogar Jahre, da lag China weltweit beim Umsatz mit Kunst an der ersten Stelle, noch vor den USA. Doch in den letzten Jahren hat China an Dynamik verloren, während andere Regionen innerhalb Asiens, allen voran Südostasien und Südasien, an Bedeutung gewinnen. Der Markt scheint sich neu zu sortieren.
Der japanische Markt ist heute geprägt von Maß, Stabilität und einem ausgeprägten Connaisseur:innentum.
Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht diese Verschiebung: Laut Art Basel & UBS Art Market Report gingen die Kunstverkäufe in China 2024 um 31 Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar zurück, den niedrigsten Stand seit 2009. Auch wenn sich der Markt 2025 stabilisierte, bleibt die Entwicklung volatil. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von geopolitischen Spannungen über wirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zur Immobilienkrise.

K. C. S. Paniker, Ohne Titel (Words and Symbols), 1964, erzielter Preis 576.000 US-Dollar (Schätzwert max. 150.000 US-Dollar), Courtesy Sotheby’s
Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, von einem Bedeutungsverlust Chinas zu sprechen. »Aus unserer Perspektive sehen wir keinen Bedeutungsverlust, sondern eine differenzierte Neujustierung. Großchina bleibt eine der wichtigsten Säulen des asiatischen Kunstmarkts. Gleichzeitig haben sich andere Märkte in der Region – etwa Südostasien, Japan, Korea und Indien – weiterentwickelt und tragen zu einer multidirektionalen Nachfrage bei«, beschreibt es Ada Tsui, Head of Department 20th/21st Century Art bei Christie’s Asia Pacific.
Südostasien: vom Rand in die Mitte
Besonders dynamisch entwickelt sich Südostasien. Länder wie Indonesien, Thailand oder Vietnam erreichen zunehmend die strukturellen Voraussetzungen eines etablierten Kunstmarktes. Aus Sicht der Auktionshäuser sind dafür mehrere Faktoren entscheidend: eine breite Sammler:innenbasis, stabile Preisentwicklung, institutionelle Einbindung und ein funktionierender Sekundärmarkt. »Entscheidend ist eine echte Tiefe bei der Sammler:innenschaft, nicht nur einige wenige Käufer:innen, sondern nachhaltige, wettbewerbsfähige Nachfrage«, sagt Manjari Sihare-Sutin, Sotheby’s Worldwide Head of Modern & Contemporary South Asian Art. Indonesien erfülle diese Kriterien bereits, Thailand nähere sich rasch an.
Aktuelle Zahlen belegen diese Entwicklungen. Bei den heurigen Christie’s- Auktionen in Hongkong stieg die Beteiligung südostasiatischer Käufer:innen um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig entstehen neue Handelszentren: Singapur etwa hat sich mit einem Importanstieg von 74 Prozent zu einem global relevanten Hub entwickelt.
Boom 2.0 in Indien
Der indische Kunstmarkt erlebt gerade einen Boom. Einen solchen gab es vor etwa 20 Jahren schon einmal, und die Frage ist, wie nachhaltig der Aufschwung dieses Mal ist.

Mohammad Kibria, Ohne Titel, Schätzpreis 8.000–12.000 US-Dollar, erzielter Preis 32.000 US-Dollar, Courtesy Sotheby’s
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