Artemisia Gentileschis fragmentierte Magdalena erzielt 837.500 Euro

Schon im Vorfeld der Altmeister-Auktion sorgte das Gemälde für internationales Aufsehen. Artemisia Gentileschis fragmentierte Darstellung der Maria Magdalena wurde am 28. April 2026 im Dorotheum nach minutenlangem Bietgefecht und unter großem Applaus für 837.500 Euro versteigert. Damit wurden die Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Der Schätzpreis lag bei rund 150.000 Euro.
Das Paradox zwischen der Kraft des Bildes selbst und der dramatischen Verlustgeschichte, die diese rätselhafte Magdalena in sich trägt, ruft eine unmittelbare Reaktion hervor – beinahe so, als handle es sich um ein zeitgenössisches Kunstwerk.
Das Besondere an dem Bild ist die markante Leerstelle im Zentrum: Der Kopf der Heiligen fehlt – er wurde wahrscheinlich in den Wirren der Nachkriegszeit herausgeschnitten.
Artemisia Gentileschi (1593–1654) zählt zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. In ihren Bildnissen weiblicher Figuren, die häufig aus mythologischen oder biblischen Überlieferungen hervorgehen, offenbart sie ein außergewöhnliches Gespür für Charakter und innere Stärke. Der Kunstmarkt honoriert mit diesem Ergebnis wiederum die besondere Bedeutung der Künstlerin. Das versteigerte Werk steht in engem Zusammenhang mit einer weiteren Maria Magdalena von Artemisia im Palazzo Pitti in Florenz.
Mark MacDonnell, Experte für Alte Meister im Dorotheum, betont die Modernität des Gemäldes: „Das Paradox zwischen der Kraft des Bildes selbst und der dramatischen Verlustgeschichte, die diese rätselhafte Magdalena in sich trägt, ruft eine unmittelbare Reaktion hervor – beinahe so, als handle es sich um ein zeitgenössisches Kunstwerk. Man kann es als Überleben gegen alle Widrigkeiten lesen, es erinnert an die Lebensgeschichte der Künstlerin selbst.“

Artemisia Gentileschi (Rom 1593 – nach Jänner 1654 Neapel), Maria Magdalena, Fragment, Öl auf Leinwand, 148 x 111 cm, erzielter Preis € 837.500, © Dorotheum
