DIE ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT

ART BASEL 2026

Messeplatz Art Basel, mit einer Installation von Nairy Baghramian, Courtesy Art Basel

Taktikwechsel im globalen Verteilungskampf der Art Basel.

Die 56. Ausgabe der Art Basel reagiert auf den digitalen Vorab-Verkauf mit Entschleunigung und dem neuen Label „Basel Exclusive“. Trotz eines Rückgangs US-amerikanischer Sammler behauptet der Standort am Rhein seine Marktposition durch eine starke Nachfrage aus Asien und hochkarätige Abschlüsse. Die Messe setzt damit ein klares Zeichen für künstlerische Qualität und die Exklusivität des physischen Messeerlebnisses.


Slow-Motion-Modus ein: Die Eröffnungstage der Art Basel in Basel waren von der Entdeckung der Langsamkeit geprägt. Zahlreiche Galerist:innen unterstrichen auf Nachfrage, dass die Stimmung gut sei, sich die Sammler:innen mit der Kaufentscheidung jedoch Zeit gelassen haben. Die Sprints, die noch vor einigen Jahren nach dem Öffnen der Tore zum dramatischen Repertoire gehörten, um den ersten Blick auf ein Meisterwerk zu erhaschen, gehören der Vergangenheit an. Es wurde zur Routine, dass die meisten Sammler:innen und Interessent:innen bereits Wochen zuvor mit PDFs der Portfolios der auszustellenden Künstler:innen gelöchert wurden. Damit ging nicht nur der Überraschungseffekt verloren, sondern auch viele Deals wurden bereits vorab getätigt. Die Arbeiten wurden dann oft auf Kundenwunsch – damit sie eine breitere Sichtbarkeit und Renommee erzielen – nur für ein paar Stunden auf der Kunstmesse präsentiert.

Strategien gegen den digitalen Exklusivitätsverlust

Diesem Verlust von künstlerischer Exklusivität versucht das Organisationsteam der Art Basel unter der Leiterin Maike Cruse seit dieser Ausgabe einzudämmen. Sie kreierten das Etikett „Basel Exclusive“: Dieses Schild, direkt neben einem Kunstwerk appliziert, soll verdeutlichen, dass die Arbeit extra für die Art Basel in Basel mitgebracht und dort zum ersten Mal gezeigt wird. Das Verbergen der Kunst im Vorfeld ging so weit, dass der Künstler „Hans Op de Beeck den dokumentierenden Schaffensprozess für die brandneue Skulptur ‚Cécile‘ wieder von Instagram löschen musste“, erzählt Manfred Wipplinger von der Galerie Krinzinger im Gespräch mit PARNASS. Am Stand der Galerie kann das starke Werk „Cécile“ bewundert werden. Es ist mit 110.000 Euro ausgepreist.

Normalerweise kommen mit uns etwa 70 Sammler nach Basel – heuer sind es zwei gewesen.

unterstreicht ein Galerist aus New York.
Hans Op de Beeck, Galerie Krinzinger, Foto: Courtesy Art Basel

Hans Op de Beeck, Galerie Krinzinger, Foto: Courtesy Art Basel

Dass das Etikett durchaus zu direkten Verkäufen führen konnte, beweist eine Arbeit von Herbert Brandl bei der Galerie Schwarzwälder. Nachdem die Werke des vor einigen Monaten verstorbenen Künstlers vom Nachlass sozusagen „on hold“ gesetzt worden waren – es wurden keine Kommissionen vergeben und somit konnte nichts verkauft werden, bis Brandls Nachlass gesamt gesichtet und archiviert war –, gibt es nun wieder Arbeiten am nationalen wie internationalen Kunstmarkt. Und eines hat die Galerie Schwarzwälder eben „gelabelt“ und noch am Preview-Tag verkauft: „Ich wusste natürlich, dass die Arbeit existiert, aber ich habe nicht gewusst, dass Rosemarie sie mit nach Basel bringen wird“, berichtet DER Brandl-Sammler, Thomas Angermair, im Gespräch mit PARNASS, der seine Freude sofort in einen Ankauf umgemünzt hat (~73.000 Euro). Aufsehen erregte eine Arbeit des Künstlers ebenfalls bei der Sektion „Art Unlimited“. Um nichts weniger als zehn Meter misst eine famose Leinwand aus dem Jahr 2019. Der Preis von 240.000 Euro ist entsprechend moderat, da sich diese Dimensionen eher an Museen und Institutionen richten – nach einer üblichen Faktorenrechnung wäre das Werk absolut unverkäuflich.

Zögerliche Entscheidungen und Millionendeals

Wie zuvor angesprochen, dauerten die Entscheidungen zum Kunstkauf länger und waren zögerlicher, aber sie haben in einem ausgeprägten Maß stattgefunden. Die Galerie Thaddaeus Ropac konnte nach dem Preview-Tag auf einen errechneten Umsatz von 14,5 Millionen Euro verweisen (darunter Werke von Martha Jungwirth um 350.000 Euro, Georg Baselitz um 1,2 Millionen Euro oder eine Arbeit von Helen Frankenthaler um 2,8 Millionen Euro). Eine umwerfende Frankenthaler war auch bei der Galerie Yares zu entdecken: zum Preis von 5,6 Millionen US-Dollar. Besucher:innen, die nicht über diese Mittel verfügen, konnten sich zumindest die großartige Personale der Künstlerin im Kunstmuseum Basel ansehen.

Herbert Brandl, Galerie nächst St. Stephan, Foto: Courtesy Art Basel

Herbert Brandl, Galerie nächst St. Stephan, Foto: Courtesy Art Basel

Bei Hauser & Wirth wurde die Arbeit „Mädchen mit Weinglas“ von Maria Lassnig aus dem Jahr 1971 um rekordverdächtige 1,7 Millionen Euro angeboten und auch verkauft. Die Galerie Van de Weghe punktete mit einem Jean-Michel Basquiat um 11 Millionen US-Dollar und bei David Zwirner war es ein ganz wunderbar reduziertes Kleinformat „Wine, Rust, Blue on Black“ von Mark Rothko aus dem Jahr 1968, das bei Sammler:innen überzeugte (6 Millionen US-Dollar).

Martin Janda konnte bei Arbeiten von Erwin Bohatsch (ab 24.000 Euro), Fotografien von Sharon Ya’ari und einem Werk von Svenja Deininger, das nach Tokio ging, punkten. Die Galerie Hubert Winter feierte mit einer grandiosen Solo-Präsentation seltener, historischer Arbeiten der US-Minimalistin Marcia Hafif (1929–2018) ihr Comeback in Basel (Preise von 13.000 bis 95.000 Euro). Für kleinere Budgets galt es etwa die komplexen wie stilvollen Arbeiten von Irina Lotarevich bei der Galerie Sophie Tappeiner in der Sektion „Statements“ zu entdecken (Preisrange von 600 bis 10.000 Euro) oder bei Krinzinger Werke von Andreas Werner (von 1.500 bis 11.000 Euro) sowie die Porträtserie von Christian Rothwangl (ab 1.100 Euro).

Irina Lotarevich, Galerie Sophie Tappeiner, Statements, Foto: Courtesy Art Basel

Irina Lotarevich, Galerie Sophie Tappeiner, Statements, Foto: Courtesy Art Basel

Geografische Verschiebungen im globalen Wettbewerb

Die Art Basel in Basel betont nun fortwährend, dass eben die Ausgabe in der Gründungsstadt die „Flaggschiff-Kunstmesse“ sei – neben den internen Konkurrenten in Miami, Paris, Doha und Hongkong. Die Kunstwoche in Basel ist immer wie ein kunsthistorisches Blockseminar mit den fabelhaften Museen, Institutionen, Sammlungen und der Kunstmesse.
Jedoch kann nicht übersehen werden, dass heuer relevant weniger Besucher:innen zu verzeichnen gewesen sind und meist die US-amerikanischen Sammler:innen gefehlt haben: „Normalerweise kommen mit uns etwa 70 Sammler:innen nach Basel – heuer sind es zwei gewesen“, unterstreicht dies ein Galerist aus New York. 

Eva Jospin, Galerie Continua, Unlimitied Art Basel, Foto: Courtesy Art Basel

Eva Jospin, Galerie Continua, Unlimitied Art Basel, Foto: Courtesy Art Basel

Dass Paris nun das Ziel der Amerikaner ist, ist ein Faktum geworden. Die Schieflage wurde heuer von einer erklecklichen Anzahl an Sammler:innen aus Asien aufgewogen. Aber der Verteilungskampf um die globale Sammlerelite innerhalb der Muttergesellschaft MCH (Messe Schweiz) wird weiter gefochten. Beobachter:innen dürfen gespannt sein, wohin da die Reise geht und ob manche Standorte in Zukunft in Frage gestellt werden. Hoffentlich nicht auf Kosten der künstlerischen Qualität, denn die besticht noch immer – gerade hier am Rhein.

Chris Burden, Gagosian, Unlimited, Foto: Courtesy Art Basel

Chris Burden, Gagosian, Unlimited, Foto: Courtesy Art Basel

max goelitz mit Ju Young Kim, Art Basel 2026, Foto: Moritz Schermbach

max goelitz mit Ju Young Kim, Art Basel 2026, Foto: Moritz Schermbach

Installationsansicht Croy Nielsen, Booth J14, Art Basel 2026, v.l.n.r.: Birke Gorm, Joanna Woś, Soshiro Matsubara, Courtesy of Croy Nielsen

Installationsansicht Croy Nielsen, Booth J14, Art Basel 2026, v.l.n.r.: Birke Gorm, Joanna Woś, Soshiro Matsubara, Courtesy of Croy Nielsen

Installationsansicht, Galerie Martin Janda, Art Basel 2026, Foto: Andrea Rossetti

Installationsansicht, Galerie Martin Janda, Art Basel 2026, Foto: Andrea Rossetti

Art Basel, Basel 2026, © Art Basel

Art Basel, Basel 2026, © Art Basel

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