Antike – ein Markt mit Tiefgang

Viele jahrtausendealte Objekte haben bereits den Weg durch Christoph Bachers Antikenhandel genommen, darunter auch ein Fragment aus dem Besitz Tutanchamuns. Der Wiener Galerist gilt als einer der führenden Experten für antike Kunst und hat mit seiner Galerie einen zentralen Dreh- und Angelpunkt für den internationalen Antikenmarkt geschaffen – heute zählt sie zu den zehn bedeutendsten Antikgalerien weltweit. Ein Interview über Antikenhandel in Wien und den Wandel eines unterschätzten Kunstmarkts.
PARNASS: Herr Bacher, Sie feiern heuer das zehnjährige Bestehen Ihrer Galerie Christoph Bacher Archäologie Ancient Art. Wie hat sich der Antikenmarkt seitdem verändert?
CHRISTOPH BACHER: Als ich 2015 eröffnet habe, war vielen Menschen in Österreich gar nicht bewusst, dass man antike Kunstobjekte legal und mit entsprechender Provenienz erwerben kann. Ich wurde tatsächlich gefragt, ob ich diese Stücke selbst ausgrabe oder irgendwo auf Märkten in Ägypten kaufe. Dabei ist der Antikenmarkt der älteste Kunstmarkt überhaupt, aber auch einer der kleinsten. Global gesehen macht er jährlich rund 400 bis 500 Millionen US-Dollar Umsatz. Das entspricht etwa einer Prestigeauktion im Abendprogramm bei Christie’s. In Österreich war der Markt nach dem Zweiten Weltkrieg fast verschwunden, weil die zentralen Sammler:innen und Händler:innen meist jüdischer Herkunft waren. Die NS-Zeit hat diesen Traditionsstrang brutal unterbrochen.
Ohne nachvollziehbare Herkunft ist ein Objekt für uns nicht handelbar.

Alexandrinische Büste des Serapis aus Grauwacke, Römische Periode, 1. Jahrhundert n.Chr., © Foto Christoph Bacher Archäologie Ancient Art GmbH
P: Sie sprechen davon, dass der Antikenmarkt ein „vergessener Markt“ sei. Warum ist das so und worin liegt das Potenzial?
CB: Im Gegensatz zu Alten Meistern oder zeitgenössischer Kunst ist der Antikenhandel aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Viele wissen schlichtweg nicht, dass es einen regulierten Markt mit klaren Regeln, Dokumentation, Ein- und Ausfuhrbestimmungen gibt. Gleichzeitig bietet der Markt enormes Potenzial: Die Preise sind im Vergleich zu anderen Kunstsparten moderat, Stücke sind bereits ab 500 bis 1.000 Euro erhältlich und jedes ist ein Unikat. Und das fasziniert, weil es echte Geschichte ist. Es sind keine dekorativen Produkte, sondern kulturelles Erbe mit emotionaler Tiefe. Ich sehe meine Aufgabe auch darin, dieses Bewusstsein wieder zu schärfen. Und ich merke, dass das Interesse stark wächst, gerade bei jüngeren Sammler:innen.
Die Werke sind singulär, nicht für einen Markt produziert, sondern für das Leben.
P: Wie wichtig ist die Provenienz?
CB: Essenziell. Ohne nachvollziehbare Herkunft ist ein Objekt für uns nicht handelbar. Ich bekomme täglich E-Mails mit Angeboten, aber ohne Dokumentation. Da reagiere ich nicht einmal. Interessant ist auch, dass museale Sammlungen weltweit Millionen von Objekten lagern, oft ohne sie jemals zu zeigen oder konservieren zu können. Das wäre aus meiner Sicht eine Chance für mehr Kooperation zwischen Institutionen und Privatsammler:innen, denn private Sammler:innen sind in der Regel sehr gute Bewahrer:innen.
P: Sie haben vorhin das junge Sammler:innenpublikum erwähnt. Welche Themen oder Objekte stehen gerade hoch im Kurs?
CB: Ägypten ist seit jeher sehr beliebt, vielleicht auch wegen der klaren Formensprache. Auch Paläolithikum, also Kunst aus der frühen Steinzeit, interessiert. Stücke aus Mesopotamien faszinieren durch ihr Alter, besonders wenn sie wie unsere Keilschriftziegel neue Erkenntnisse zur Kulturgeschichte liefern. Und natürlich beeinflussen Filme wie „Gladiator“ oder Museums-Openings, wie das neue Grand Egyptian Museum bei Kairo, den Markt. Aber am Ende zählen die emotionale Relevanz eines Objekts und seine Qualität.
P: Was waren Ihre bedeutendsten Objekte der letzten zehn Jahre?
CB: Das lässt sich schwer sagen. Wir hatten einige spektakuläre Stücke. Etwa ein Relieffragment von Tutanchamun, das wir zuletzt auch bei der Messe in der Wiener Hofburg gezeigt haben. Es belegt, dass Tutanchamun der Sohn König Echnatons war. Das war ein Meilenstein in der Forschung. Oder ein marmorner römischer Kaiserkopf des Caracalla aus der Sammlung des ehemaligen Nationalbank-Präsidenten Ewald Nowotny und eine Keilschrifttafel mit beweglichen Lettern aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, also 4.000 Jahre vor Gutenberg, waren Highlights. Solche Stücke sind nicht nur bedeutend, sie erzählen auch Geschichten.

Christoph Bacher, Foto © WILDBILD

