Absage um Absage – den Messen geht die Luft aus

Nach dem Überangebot der letzten Jahre dünnt sich das Messeangebot 2026 in Österreich gerade Schlag um Schlag aus. Geht es wirklich um die mehrfach kolportierte „strategische Pause” – oder steuern wir vielmehr auf eine strukturelle Zäsur hin? Und ist es ein hausgemachtes österreichisches oder ein größeres globales Thema? Was macht den Standort Wien, der objektiv gesehen eigentlich mit seinem vielfältigen kulturellen Angebot ein attraktiver wäre, so problematisch? Und warum schaffen die Wiener Messebetreiber es nicht, finanziell positiv zu bilanzieren?
Die Absage der SPARK Art Fair für 2026, offiziell als „strategische Pause” gerahmt, kam am 19. Jänner wie ein Nachbeben unmittelbar nach dem Aus für die viennacontemporary. Die fünfte Ausgabe der Messe hätte von 19. bis 22. März stattfinden sollen, stattdessen kündigte die SPARK einen „breit aufgestellten Diskurs” an – mit Politik, Aussteller:innen, Sammler:innen, Institution und Wirtschaft – und lädt ein, den Standort „neu zu denken”. Zwischen den Zeilen steht jedoch, was heute.at deutlicher formuliert: wirtschaftliche Probleme und eine Marktflaute in Wien und darüber hinaus. Doch wird stets seitens der Messe betont, dass auch internationale Fachkreise die SPARK als eine der qualitativ hochwertigsten Kunstmessen Europas schätzen, vor allem für ihr klares kuratorisches Profil. Man konnte im Vorjahr auch die Besucher:innenzahlen auf insgesamt 22.000 erfolgreich erhöhen. „Wir ruhen uns aber nicht auf dem Erreichten aus. Gerade weil die Messe erfolgreich etabliert ist, nehmen wir uns bewusst die Zeit, um das nächste Level vorzubereiten", zitiert die APA den Geschäftsführer der SPARK Niclas Schmiedmaier,
Wir kennen diplomatische Wortlaute auch schon aus anderen Ecken Österreichs, so setzt, bereits länger bekannt, die STAGE Bregenz 2026 aus, um 2027 „noch stärker zurückzukehren”, wie es auf der Website heißt. Doch ob solche Pausen nicht auch riskant sind? Wie bleibt man auf dem vollen globalen Messekalender präsent
Bei der viennacontemporary klingt das Ende weniger nach Pause als nach Rechenaufgabe: Geschäftsführer Markus Huber sagt zur „Presse”, die Messe sei „in der Alleinverantwortung der Shareholder” nicht finanzierbar. Der ORF und Kurier verweisen auf ein jährliches Budget von rund 1,5 Millionen Euro, das über Standmieten nicht zu decken gewesen sei; der „Rückzug“ des bisherigen Geldgebers Dmitry Aksenov habe die Schieflage verschärft. Dazu kommen offene Fragen nach Markenrechten und Eigentümerstrukturen – also genau jene Unsicherheiten, die Sponsor:innen und Galerien zuerst spüren. Seit 2022 soll sich der bilanztechnische Verlust der Betreibergesellschaft VC Artfairs GmbH laut Angaben von Markus Huber im Dezember auf mittlerweile gut drei Millionen Euro erhöht haben, wie Olga Kronsteiner am 16. Jänner in der Tageszeitung DER STANDARD schrieb. „Überprüfen lässt sich das allerdings aktuell noch immer nicht. Denn im Firmenbuch scheint nur eine Bilanz für 2022 auf, nicht aber für die Geschäftsjahre 2023 und 2024“, so Kronsteiner.

viennacontemporary 2025, Foto: kunst-dokumentation.com
Dazu kommen die Mietrückstände von circa 470.000 Euro bei der Wiener Messe, die nun eingeklagt wurden. Doch die Turbulenzen der viennacontemporary haben sich bereits über die Jahre hinweg angekündigt. So war auch der Abgang der künstlerischen Leiterin Francesca Gavin nach nur einem Jahr wohl unter anderem auch der finanziellen Schieflage der Messe geschuldet. Mit Abaseh Mirvali als neue künstlerische Leiterin ist der vic ein guter Coup gelungen. Ihr gelang – wenngleich auch im Umfang kleiner – ein guter Messeauftritt 2025. Galerien aus London wie etwa Richard Saltoun, die Greta Schödl zeigte, berichteten auch von guten Verkäufen.
Doch schwächelte die Messe erneut bei ihrem stets postulierten USP: nach wie vor fehlen in der Teilnehmer:innenliste der östlichen Nachbarländer Österreichs die Top Galerien, die lieber gleich nach Basel, Turin oder Madrid gehen. Relativ zeitnah nach der Messe erfolgten im Spätherbst die ersten Kündigungen von Mitarbeiter:innen, die vielfach nach einer verhängten Nachrichtensperre in den letzten Tagen publik wurden. Inzwischen wird auch Abaseh Mirvali nicht mehr unter dem Teammitgliedern auf der Website gelistet.
Keine Frage, für den Standort Wien bedeutet die Absage beider Messen einen veritablen Imageschaden. Das Vertrauen internationaler, aber auch heimischer Galerien wiederzugewinnen, wird eine Kraftanstrengung.
Und ehrlich gesagt, welche internationalen Kurator:innen würden sich für die künstlerische Leitung der viennacontemporary in Zukunft bewerben – ein Job am Schleudersitz?<br type="_moz">
Und wie sieht es mit den künstlerischen Leitern der SPARK aus? Wie weit waren sie in die Entscheidung überhaupt eingebunden? Anfragen zum Aus der SPARK durften nur schriftlich an die Geschäftsführung gerichtet werden. Eine Antwort haben wir bis dato leider noch nicht erhalten.
Keine Art & Antique zu Ostern
Salzburg wiederum verliert mit der österlichen Art & Antique ein Traditionsformat – hier steht weniger der Markt als der Ort zur Disposition, so der ORF Salzburg, weil die Nutzung der Prunkräume der Alten Residenz nicht mehr genehmigt wurde; Denkmalschutz und Welterbestatus stehen im Raum.
International wirkt Österreich damit nicht als Sonderfall, sondern als Verdichtung eines globalen Trends: Die großen Messen bleiben Magneten, doch der Druck auf Galerien steigt – Kosten, Reisestrategien, selektiveres Sammeln. Der Art-Basel-und-UBS-Report verzeichnet für 2024 einen Rückgang des globalen Marktvolumens, während Messen für viele Händler:innen dennoch zentral bleiben – ein Widerspruch, der kleinere Formate und nationale Messemodelle besonders anfällig macht.
Und was bedeutet das Timing – dieses konzentrierte Absagen im Jänner? Vielleicht ist es schlicht Budgetlogik: Wer 2026 nicht seriös gegenfinanzieren kann, muss jetzt aussteigen, bevor Verträge, Hallen und Kommunikation irreversibel werden.
Man kann nur hoffen, dass die Pause zu neuen Ideen führt. So will das SPARK Art Fair-Organisationsteam laut APA: „In den kommenden Wochen einen breit aufgestellten Diskurs mit Vertretern aus Politik, Aussteller:innen, Kunstschaffenden, Sammler:innen, Institutionen, Wirtschaft und sämtlichen Stakeholdern in Gang setzen. Ziel sei es, den Kunst- und Kunstmessen Standort Wien neu zu denken. „Gemeinsam, innovativ, international relevant und erfolgreich. Wir wollen alle dazu einladen, ernsthaft und konstruktiv an neuen und erfolgreichen Formaten für den Standort Wien mitzuarbeiten. Nur gemeinsam werden wir unter den herrschenden Rahmenbedingungen starke Plattformen für Künstler:innen und Galerien schaffen können und Wien als Standort stärken“, gibt das Organisationsteam bekannt. Wir warten ab und halten Sie am Laufenden.
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