Zwischen Eleganz und Exil: Josef Frank

Wohnräume als Spiegel politischer Brüche – und als Orte utopischer Gemütlichkeit. Mit der Ausstellung „Josef Frank und die anderen. Neue Möbel 1920–1940“ schlägt das Möbelmuseum Wien eine eindrucksvolle Brücke zwischen Designgeschichte und Exilbiografien.
Anlässlich des 140. Geburtstags von Josef Frank und 100 Jahre nach der Gründung des legendären Einrichtungshauses „Haus & Garten“ rückt die Möbelmuseum-Schau die Vielfalt des österreichischen Möbeldesigns der Zwischenkriegszeit ins Zentrum. Fernab von Bauhaus-Strenge oder Art déco-Prunk entsteht hier ein anderes Narrativ der Moderne: komfortabel, handwerklich präzise, von eleganter Leichtigkeit – und politisch aufgeladen.
Kuratiert von Eva B. Ottillinger, versammelt die Ausstellung erstmals eine vollständige Wohnungseinrichtung von Josef Frank aus dem Jahr 1932 – ein Ensemble, das ebenso stilprägend wie geschichtlich brisant ist. Denn viele der präsentierten Designer:innen und Auftraggeber:innen wurden vom NS-Regime verfolgt oder ins Exil gezwungen. Ihre Möbel überlebten, reisten mit – und erzählen heute von Flucht, Erinnerung und der Kraft des Wohnens.

Sonderausstellung "Josef Frank und die anderen. Neue Möbel 1920-1940", Möbelmuseum Wien, 2025 © SKB
Ihre Möbel überlebten, reisten mit – und erzählen heute von Flucht, Erinnerung und der Kraft des Wohnens.
Besonders spannend ist der Dialog zwischen bekannten und wiederzuentdeckenden Gestalter:innen wie Henry P. Glass, Robert Sheldon oder Rosl Weiser, die gemeinsam ein stilpluralistisches Bild der Epoche zeichnen. Die präsentierten Ensembles lassen sich als intime Zeitkapseln lesen – sie erzählen von der Suche nach einem „modernen Leben“ zwischen politischer Instabilität, künstlerischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.
Auch die Rolle weiblicher Stimmen wird nuanciert herausgearbeitet. Mit Anna Lülja Simidoff oder Rosl Weiser erscheinen Architektinnen, die das Innenleben der Moderne prägten, bislang aber selten im Fokus musealer Erzählungen standen. Ihre Beiträge verdeutlichen, dass modernes Wohnen nicht nur durch formale Gestaltung, sondern auch durch soziale Aushandlung geprägt wurde – zwischen Geschlechterrollen, Familienmodellen und Arbeitsformen. Diese Aspekte verknüpft die Ausstellung auf subtile Weise mit aktuellen Fragen nach Designethik und Wohnkultur. Die von Robert Rüf gestaltete Ausstellungsgestaltung schafft dafür einen klugen Rahmen.

Sonderausstellung "Josef Frank und die anderen. Neue Möbel 1920-1940", Möbelmuseum Wien, 2025 © SKB
Josef Frank und die anderen. Neue Möbel 1920–1940
MÖBELMUSEUM WIEN | bis 11.01.2026
Begleitend zur Sonderausstellung findet jeden 3. Sonntag im Monat und an Feiertagen um 15 Uhr eine Führung statt.



