Sprache als künstlerischer Ausdruck

Bei der diesjährigen Sonderausstellung in der Pinakothek der Moderne dreht sich alles um Schrift und Bild – und zwar kulturübergreifend. Die Written Art Collection ist in ihrem Sammlungsprofil einzigartig – und steht nun mit ihren Werkbeständen aus skripturaler und textbasierter Kunst im Mittelpunkt einer umfassenden Sonderausstellung in der Pinakothek der Moderne.
Unter dem Titel „Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art“ präsentiert die Sammlung Moderne Kunst mit über 50 internationalen künstlerischen Positionen Schrift als künstlerisches Medium und Material von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Das Publikum ist eingeladen, in einem Parcours auf 1.200 qm Ausstellungfläche das Panorama der Written Art zu entdecken und die Wechselbeziehung von Schrift und Bild in all ihren Facetten zu erkunden.
DAS PHÄNOMEN DER SCHRIFT
Der Ausstellungstitel ist inspiriert vom Werk „Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic)“ (2011) der ägyptisch-deutschen Künstlerin Susan Hefuna. Er verweist auf die poetische Kraft der Kunst in der Vermittlung und Weitergabe von Wissen. Das Sprachbild, das aus dem Titel entsteht, spielt auf die sinnliche, poetische und assoziative Qualität von Written Art an.
Das Phänomen der Schrift im Bild wird in der Ausstellung in zahlreichen Formen erkundet – etwa durch handschriftliche Zeichen, kalligrafische Techniken oder typografische Kompositionen. Ausgehend vom Informel der 1950er-Jahre über die Konzeptkunst der 1960er-Jahre bis zu zeitgenössischen Ansätzen reicht die Bandbreite der präsentierten Arbeiten stellen die über 100 präsentierten Werke die Kontinuität der Bedeutung geschriebener Kunst über Generationen und Kulturen bis in die Gegenwart hinweg vor. Künstler:innen erfinden fantasievolle Alphabete und abstrakte Zeichensprachen, schreiben Gedichte, zitieren literarische oder politische Texte, übertragen Gedanken und Gespräche in gesprayte, gestische, grafische oder gestickte Zeichen.
Die Performativität des Schreibens wird sichtbar in materiellen wie körperlichen Spuren – in der Malerei, der Fotografie und raumgreifenden Installationen. Daraus entsteht ein spannungsreicher, gesellschaftspolitischer Dialog von Künstler:innen aus einer kulturübergreifenden, globalen Perspektive.

Susan Hefuna, Mashrabiya - Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic), 2012, Holz und Tinte, 240 × 220 x 2,5 cm, Foto: Philipp Ottendörfer, Courtesy Written Art Collection, © Susan Hefuna
Höhepunkt einer Kooperation
„Sweeter than Honey“ ist die bisher umfassendste Präsentation der Written Art Collection und zugleich der Höhepunkt der auf zehn Jahre angelegten Kooperation mit der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne. Ziel der Zusammenarbeit ist es, einen Ort des interkulturellen Austauschs zu schaffen – offen, beweglich, vielstimmig.
Die Lebendigkeit, Vielfalt und Dynamik der Schrift, welche die Written Art Collection zeigt, können darin ebenso als ein Seismograf für die vielfältigen Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit gelten. Mit Werken von u. a. Etel Adnan, Jenny Holzer, On Kawara, Gu Wenda, Walid Raad, Kazuo Shiraga, Lawrence Weiner, Franz Kline und Andreas Gursky gibt die Ausstellung einen eindrucksvollen Überblick über die künstlerische Auseinandersetzung mit Schrift weltweit.

Etel Adnan, Kalimat. 2012, Aquarell, Bunt- und Bleistift auf Papier, Leporello: 60 Seiten, je 27 × 9 cm, vollständig, ausgeklappt 27 × 540 cm, Foto: Philipp Ottendörfer © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Schrift ist nicht nur Träger von Sprache, sondern auch Ausdruck von Identität, Erinnerung und Widerstand.
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag eine umfangreiche zweisprachige Publikation die das Phänomen von Schrift und Bild mit Beiträgen über die Geschichte geschriebener Kunst, deren politisches Potenzial sowie gegenwärtigen Perspektiven auf Kalligrafie und Typografie erkundet.
Zur Sammlung
Written Art Collection
Wie begegnen sich Kulturen in Schrift und Bild? Die Written Art Collection gibt Antworten – mit künstlerischen Positionen aus drei großen Kulturkreisen.
Rund 500 Werke von etwa 200 Künstlerinnen und Künstlern aus Ostasien, dem Nahen und Mittleren Osten, Europa und den USA umfasst die deutsche Privatsammlung. Mit Werken ab 1945 entstand ein eindrucksvolles Konvolut aus Gemälden, Papierarbeiten, Fotografien und Installationen, das kalligrafische, poetische und konzeptuelle Gesten in einen Dialog bringt.
Die Written Art Collection gründet auf der Idee transkulturelle Brücken zu bauen, als ein Resonanzraum politischer Spannungen und künstlerischer Visionen. Sie zeigt: Schrift ist nicht nur Träger von Sprache, sondern auch Ausdruck von Identität, Erinnerung und Widerstand. Seit 2019 kooperiert die Written Art Collection mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Thematik „Schrift und Bild“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und einen interkulturellen Austausch zu fördern.

Golnaz Fathi, Untitled, 2010, Mischtechnik auf Leinwand, 200 × 160 cm, Foto: Philipp Ottendörfer, Courtesy Written Art Collection, © Golnaz Fathi
Die Lebendigkeit, Vielfalt und Dynamik der Schrift, welche die Written Art Collection zeigt, können darin ebenso als ein Seismograf für die vielfältigen Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit gelten.
Diese Zusammenarbeit ermöglicht einerseits eine langfristig angelegte, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit „Schrift und Bild“, bei der Ausstellungen erarbeitet und Symposien veranstaltet werden sowie Publikationen entstehen – wie es etwa ab Winter 2025 mit „Sweeter than Honey“ sich zeigen wird. Andererseits werden von der Written Art Collection substanzielle Erwerbungsmittel für den Ausbau der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne zur Verfügung gestellt sowie eine Kuratorinnenstelle gefördert, die sich dem Thema sowie der wechselseitigen Kontextualisierung widmet.
Dialog der Künste
Vier Museen unter einem Dach
Die Pinakothek der Moderne in München zählt zu den größten Sammlungshäusern Europas. Vier Museen – für Kunst, Grafik, Architektur und Design – vereinen sich hier zu einem transdisziplinären Raum für moderne und zeitgenössische Kunstströmungen. Den größten Bereich bildet die Sammlung Moderne Kunst der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen – von der Avantgarde des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Malerei, Plastik, Fotografie und Neue Medien treten in ständig neuen thematischen Kontexten miteinander in Dialog.
Meisterwerke der Moderne – etwa von Beckmann, Klee oder Picasso – begegnen Fotografien der Stiftung Ann und Jürgen Wilde, u.a. der Becher-Schule oder Germaine Krull. Zeitgenössische Positionen wie von Andreas Gursky, Katharina Grosse oder Jeff Wall thematisieren gesellschaftliche und politische Fragen und schaffen so einen lebendigen Austausch über 120 Jahre Kunstgeschichte hinweg.
Die Pinakothek der Moderne lädt dazu ein, Highlights ebenso wie neue und weniger bekannte Werke zu entdecken – für eine faszinierende Perspektive auf die Kunst der Gegenwart.
Übrigens widmen wir uns "Sweeter than Honey" und dem Thema Schrift & Bild in unserer aktuellen Ausgabe besonders ausführlich – jetzt weiterlesen!

Jenny Holzer, DODDOACID 008769 BLUE WHITE, Text: US Government Dokument, 2008, Öl auf Leinwand, 147,3 × 111,8 cm, Foto: Artist's studio, Courtesy Written Art Collection, © Jenny Holzer, VG Bild-Kunst Bonn, 2025
SWEETER THAN HONEY.
EIN PANORAMA DER WRITTEN ART
11.12.2025 – 12.04.2026
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40 | D-80333 München
T +49 89 23805 360
www.pinakothek.de

Ausstellungsansicht „Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art“ in der Pinakothek der Moderne, 11.12.2025–12.4.2026, Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar

