Birgit Graschopf und Adelheid Rumetshofer in Wien

Silently Present

Silently Present, Rodler Gschwenter Gallery, 2026, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery

Die Ausstellung Silently Present in der Rodler Gschwenter Gallery führt zwei österreichische Künstlerinnen in einen Dialog zusammen: Adelheid Rumetshofer in der Malerei und Birgit Graschopf in der erweiterten Fotografie. Beide interpretieren Raum, Tiefe und Präsenz auf neue Weise. An den Grenzen ihrer Medien erforschen die Künstlerinnen das Sichtbare als Ergebnis von Überlagerung, Verschiebung und Materialisierung.


 

Birgit Graschopf (* 1978 in Wien)

Birgit Graschopfs Arbeiten beginnen bei der Fotografie, überschreiten deren klassische Grenzen jedoch konsequent. Sie verbindet Bild, Trägermaterial und architektonischen Kontext zu komplexen räumlichen Situationen. Figuren treten dabei oft als schemenhafte Präsenz in Orten auf, die von Übergang, Leere oder Stillstand geprägt sind. Die Wahl der Materialien spielt eine zentrale Rolle: raue, harte oder fragmentierte Oberflächen verändern die Wirkung der Bilder und verleihen ihnen eine greifbare körperliche Präsenz. Wo Bild und Architektur miteinander verschmelzen, erweitert sich das Fotografische zu einer installativen Erfahrung.

Es entstehen enigmatische Bildwelten – inszenierte Fotografien, die meist weibliche Figuren in eine resonante Beziehung zum Raum und zur umgebenden Architektur setzen. Dabei werden existenzielle und emotionale Zustände der Figuren spürbar, die auf das Unheimliche und das Ephemere verweisen und elegante Assoziationsräume zur surrealistischen Fotografie sowie zur Malerei der Romantik eröffnen.

Werke in öffentlichen Sammlungen u.a.: Albertina, Wien; Museum der Moderne, Salzburg; Fotomuseum Winterthur, Schweiz

Birgit Graschopf, Ohne Titel, Versus, 2023, Fotografie auf Aquarell-Papier koloriert und lackiert, gerahmt, 85 x 56 cm, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Birgit Graschopf / Bildrecht, Wien 2026

Birgit Graschopf, Ohne Titel, Versus, 2023, Fotografie auf Aquarell-Papier koloriert und lackiert, gerahmt, 85 x 56 cm, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Birgit Graschopf / Bildrecht, Wien 2026

 

Adelheid Rumetshofer (* 1976 in Freistadt)

Die Bilder von Adelheid Rumetshofer verblüffen schon beim ersten Anblick mit ihrer pulsierenden Präsenz in absoluter Abstraktion. Ihre Arbeiten entfalten sich aus subtilen Farbschichtungen, die durch wiederholtes Auftragen und Zurücknehmen entstehen. Farbe wirkt nicht als bloßes Darstellungsmittel, sondern als eigenständiges Element, das Räumlichkeit erzeugt und hinterfragt. Die Bildflächen erscheinen zunächst ruhig und konzentriert, entwickeln bei längerem Hinsehen jedoch eine feine innere Bewegung. Helle und dunkle Bereiche treten in einen Austausch, der Tiefe andeutet, ohne sie festzuschreiben. Rumetshofers Malerei lädt dazu ein, Wahrnehmung als langsamen, intuitiven Prozess zu erfahren.

Die Initialzündung für ihr ganz persönliches Bildkonzept war der Blick ins ruhende Gewässer und die Erkenntnis: Die verschiedenen Schichten und die Tiefe des Wassers mit seinen Spiegelungen lässt sich auch bei höchster Konzentration nicht mit einem Blick gleichzeitig erfassen. Immer bleiben es mehrere Raumebenen. Genau dieser Eindruck ist es, dem Rumetshofer seither nachspürt und überlässt dabei wenig dem Zufall: Wie das fertige Bild aussehen soll, steht schon zu Beginn des Malprozesses fest, der erst endet, wen Vorstellung und Realität ineinander fallen.

Werke in öffentlichen Sammlungen u.a.: Museum Angerlehner; Museum Liaunig; Nordico Stadtmuseum Linz; Raiffeisen Landesbank OÖ

Adelheid Rumetshofer, Ohne Titel, X, 2025, Öl auf Leinwand, 130 × 100 cm, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Adelheid Rumetshofer / Bildrecht, Wien 2026

Adelheid Rumetshofer, Ohne Titel, X, 2025, Öl auf Leinwand, 130 × 100 cm, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Adelheid Rumetshofer / Bildrecht, Wien 2026

Ein Dialog

Die Gegenüberstellung von Rumetshofers Malerei und Graschopfs fotografischen Arbeiten eröffnet einen gemeinsamen Denkraum, in dem Fragen nach Sichtbarkeit, Schichtung und räumlicher Erfahrung erkundet werden. Beide Positionen arbeiten mit dem Moment des Dazwischen – zwischen Fläche und Tiefe, zwischen Bild und Raum, zwischen Präsenz und Entzug. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf diese stillen Verschiebungen einzulassen und Raum nicht als festen Zustand, sondern als veränderliche, sinnliche Erfahrung zu erleben.


SILENTLY PRESENT

VERNISSAGE-TAGE:
Freitag, 13. März 2026, 18:30 – 21 Uhr
Samstag, 14. März 2026, 12 – 16 Uhr

Einführende Worte spricht am Donnerstag um 19 Uhr: 
Andreas Spiegl, Akademie der bildenden Künste Wien. 

Die Künstlerinnen werden anwesend sein.
Ausstellungsdauer: 
bis 18. April 2026


Rodler Gschwenter Gallery I Zollergasse 29 I 1070 Wien
Dienstag - Freitag: 11 - 18 Uhr I Samstag: 12 – 15 Uhr

T: +43 676 7370 472

M: info@rodler-gschwenter.com
www.rodler-gschwenter.com
 

Birgit Graschopf, Almost, 2025, Fotografie auf Faserzement, gerahmt, 63 x 42, Unikat, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Birgit Graschopf / Bildrecht, Wien 2026

Birgit Graschopf, Almost, 2025, Fotografie auf Faserzement, gerahmt, 63 x 42, Unikat, Courtesy of Rodler Gschwenter Gallery, © Birgit Graschopf / Bildrecht, Wien 2026

 


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