Sean Scully und Paul Klee treffen aufeinander

Zu jeder Zeit haben sich Kunstschaffende an der Kunstgeschichte orientiert und eigene Verwandtschaften gefunden. Viele zeitgenössische Künstler:innen knüpfen reflektierend und forschend an die Kunst der Moderne an. Im Winter 2025/26 ist in der Hilti Art Foundation dazu ein besonderer Dialog zu sehen.
Im Rahmen der Ausstellung „In Touch. Begegnungen in der Sammlung“ präsentiert Karin Schick, seit April 2024 Direktorin der Hilti Art Foundation, Werke des irisch-US-amerikanischen Künstlers Sean Scully im Dialog mit Arbeiten von Paul Klee. 13 ausgewählte Gemälde aus den Jahren 1919 bis 2012 lassen eine künstlerische Verwandtschaft über ein Jahrhundert hinweg erleben. Möglich wird dieses zeitliche Crossover durch die bedeutenden Bestände der Hilti Art Foundation, die aus zwei Sammlungen besteht: aus jener des Martin Hilti Family Trust, mit dem Fokus auf klassische Moderne, und der privaten Sammlung von Caroline und Michael Hilti, die sich auf Kunst von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart erstreckt.
Rastlosigkeit gegen die Dominanz der Ordnung ist in den Werken von Paul Klee und Sean Scully allgegenwärtig.
Bereits mit dem Dialog „Graubner und Corinth“ gelang es Karin Schick, beide Sammlungen – und damit Vergangenheit und Gegenwart – aus aktuellen Blickwinkeln miteinander zu verbinden. Die Idee zur Ausstellung entstand auch diesmal aus der Sammlung heraus, wie Schick erklärt. Neben fünf Gemälden von Paul Klee bewahrt die Hilti Art Foundation mit 22 Objekten den weltweit umfangreichsten und bedeutendsten Bestand an Werken von Sean Scully. Durch Zufall sah Michael Hilti vor vielen Jahren ein Werk des Künstlers und war fasziniert. Mittlerweile ist aus dieser Begeisterung nicht nur eine umfangreiche Sammlung hervorgegangen, sondern auch eine enge Freundschaft zwischen dem Sammlerpaar und Sean Scully und seiner Frau, der Malerin Liliane Tomasko.

Paul Klee, Clown, 1929, Öl auf Leinwand, 67,5 × 50,5 cm, Foto: Hilti Art Foundation, Günter König
Die Sammlung umfasst einige wenige frühe Arbeiten aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Der Fokus liegt jedoch auf den Werken der letzten beiden Jahrzehnte. Bei Durchsicht des Sammlungsbestandes, so Karin Schick, seien ihr eine Reihe von Verbindungen zwischen Klee und Scully aufgefallen. Als sie Scully den Vorschlag zur Ausstellung machte, nahm dieser die Einladung begeistert auf. Denn, so Sean Scully, Paul Klee zählt seit jeher zu seinen künstlerischen „Helden“. So sandte er nicht nur sofort einen längeren Text zu seinem Verhältnis zu Klee, sondern informierte Karin Schick auch, dass er ein Klee-Bild besitzt, das die Kuratorin gern in die Ausstellung aufnahm: Klees Gemälde „Clown mit Kind“ zählt wohl zu den Höhepunkten der Schau.
Im vergleichenden Betrachten werden die Besonderheiten der einzelnen Werke sichtbar, aber auch ihre Gemeinsamkeiten. Beide Künstler malen ihre Bilder in zahlreichen übereinanderliegenden Schichten und geben doch subtile Einblicke in den Raum dahinter, ohne diesen ganz offenzulegen. Sowohl Scully als auch Klee verbinden ihre rhythmische Malerei mit Musik und nehmen in poetischer Weise Bezug auf Sprache und Text.
Wenngleich Scullys Bildkonzepte abstrakt scheinen, sind auch bei ihm, vergleichbar mit Paul Klee, Natur, Architektur und die Stofflichkeit von Materialien, wie etwa das poröse Mauerwerk alter Gebäude, Ausgangspunkte der Bildkomposition. In beiden Werken spielt die Ordnung eine gewisse Rolle, jedoch vor allem, um unterlaufen und aufgelöst zu werden, wie Scully in seinem Text treffend formuliert: „Rastlosigkeit gegen die Dominanz der Ordnung ist in den Werken von Paul Klee und Sean Scully allgegenwärtig.“

Karin Schick und Sean Scully, Aterlier Tappan, NY, 2025, Foto: Daniel Franz
In Touch – Encounters in the Collection
Across time
Hilti Art Foundation
bis 12. April 2026

Sean Scully, Song of Red, 1999, Öl auf Leinwand, 244 × 213 cm, © Sean Scully / Bildrecht, Wien 2025, Foto: Hilti Art Foundation, Günter König
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