»Ruine München« bei Kluckyland, Wien

Leo Heinik, Maria VMier & Jan Erbelding, Ruine München, 2019, Ausstellungsansicht, Kluckylanc, Wien

Kluckyland

Othmargasse 34 , 1200 Wien
Österreich

KünstlerInnen: Jan Erbelding, Maria VMier, Leo Heinik

Titel: Ruine München

Datum: 12. Dezember 2019 bis 20. Januar 2020

Fotografie: Courtesy the artists & Alexandra-Maria Toth | Foto: Jacqueline Neubauer  

Notiz: Organisiert von Rachel Fäth und Alexandra-Maria Toth

Ausstellungstext:

Gertrudes Mutter Emilie Mediz-Pelikan gibt Gertrude vom Jenseits aus Zeichenunterricht. Später zeichnen und malen die beiden zusammen an der Schnittstelle zwischen Jenseits Totenreich Geisterwelt, genau am oder durchs Portal, durch das dann Pinsel oder Bleistift exakt in beiden Dimensionen zeitgleich existieren, kongruent, dieselbe feste echte Materie, derselbe Schwung und wenn jede in ihrem Raum, in ihrer Welt ein bisschen nachgibt, die zeichnende Hand ein bisschen lockerer lässt, spüren beide die Bewegungen Richtungen Aufbrüche Abbrüche der jeweils anderen am Stift oder Pinsel. Vielleicht sind es auch nicht mal mehr Stift oder Pinsel, sondern nur die äußerste malende Spitze, nur noch der Strich selber, der in der Welt der Toten und in der Welt von Gertrude nur auf anderen Papieren existiert, sonst ganz exakt als dieselben Bewegungen, nur auf anderen Tischen, in anderen Räumen, die anders dekoriert sind, mit anderen Ausblicken vor den Fenstern.

Im Totenreich sind natürlich Bäume im Hintergrund. Etwas weiter oben am Hang, der als große Wiese in unsere Richtung hin abfällt und sich verbreitert, ist alles wie die Scheibe seitlich im Auto vom Rücksitz aus innen angehaucht bedeckt vom Bodennebel oder Tau. Wahrscheinlich nur, um allen Bewohner*innen des Totenreiches für immer alle Zartheit anzuzeigen. Es sind keine Blüten auf der Wiese zu sehen. Abgezäunt steht eine Pferdekoppel oder sonst wie Koppel, vielleicht ist das auch nur Einbildung, denn ich glaube, es gibt keine Zäune und Koppeln mehr, um irgendwen einzuhegen im Totenreich und die Häuser hat man, weil man eh schon tot ist und alle dort leicht der Nostalgie anheimfallen, aber wirklich nur sehr leicht – was eher einem konstanten Erzählen geschuldet–, den vielen Erinnerungen und Geschichten, die sich ansammeln, immer mehr und mehr im Totenreich. So entstehen also die Häuser oft aus alter Gewohnheit – und in einer völlig entgrenzten Welt, warum auch nicht doch nochmal ein Haus, ein Bett und einen Tisch zum Zeichnen? […]

-Jan Erbelding, Gertrude, 2019