Robert Rauschenberg – zwischen Stillstand und Zeitlichkeit

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Zwischen Stillstand und Zeitlichkeit. Die Kunsthalle Krems bringt die erste Retrospektive des US-Künstlers Robert Rauschenberg nach Österreich.


Mit »Image and Gesture« widmet die Kunsthalle Krems Robert Rauschenberg (1925–2008) erstmals in Österreich eine umfassende Retrospektive. Rund 50 Arbeiten zeichnen ein Werk nach, das sich konsequent jeder stilistischen Festlegung entzieht und gerade darin bis heute erstaunlich gegenwärtig wirkt. Im Zentrum steht eine künstlerische Strategie, die auch im Ausstellungstitel angesprochen wird, erzählt der künstlerische Direktor der Kunsthalle Krems, Florian Steininger: »Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Kombination von Fotomotiven und malerischer Geste; Erstere entnahm Rauschenberg Tageszeitungen, Magazinen sowie seinen eigenen Aufnahmen und verband diese mit gestisch-malerischen und grafischen Spuren auf der Bildfläche. Diese Fusionierung zwischen ›Image and Gesture‹ zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.«

Von Rauschenbergs »Combines« spannt sich der Bogen über die »Transfer Drawings«, die »Silkscreen Paintings«, die Lithografien sowie Arbeiten auf Metall bis hin zu den späten Gemälden. Die Kompositionen des US-Künstlers wirken dabei erstaunlich offen, und laden ein, die Gedanken wandern zu lassen, betont Steininger.

Das Werk enthält Zeitlichkeit, filmische Qualitäten. Wie ein Flimmern auf dem Bildschirm.

Florian Steiniger, künstlerischer Direktor Kunsthalle Krems

Paradigmatisch zeigt sich dieses Prinzip bei »Treefrog« (1964), einem Schlüsselbild der Silkscreen Paintings, die Rauschenberg im selben Jahr auch auf der Biennale von Venedig präsentierte. Technische Reproduktionsverfahren und expressive Malerei greifen hier ineinander und markieren einen Wendepunkt innerhalb der Kunst der 1960er-Jahre. Bis heute wird Rauschenberg daher häufig als Vermittlerfigur zwischen Abstraktem Expressionismus und Pop-Art gesehen. Eine Zuschreibung, die Steininger bewusst relativiert: »Er ist viel mehr als ein Brückenkopf verschiedener gegenläufiger Positionen. Sein Werk ist so facettenreich, stil- und medienpluralistisch. Neben der Malerei und Bildkunst, die sicherlich einen Schwerpunkt darstellt, ist Rauschenberg auch als Performer und New Media Artist entscheidend.«
Die Ausstellung in Krems macht zudem deutlich, wie konsequent Rauschenberg mediale Grenzen überschreitet und zugleich an einer zentralen Idee festhält.

Robert Rauschenberg, Tree Frog, 1964, Museum Ludwig, Köln © Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Wien 2026, Foto: © Historisches Archiv Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Tobias Kreusler

Robert Rauschenberg, Tree Frog, 1964, Museum Ludwig, Köln © Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Wien 2026, Foto: © Historisches Archiv Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Tobias Kreusler

»Rauschenberg hat immer nach Neuem gesucht, unermüdlich mit viel Neugier und Energie Kunst geschaffen. Dennoch ist sein Werk unheimlich stringent, insbesondere in der Malerei ist seit den 1950er-Jahren bis zum Spätwerk sein Image-and-Gesture-Stil spürbar.« Auch die Nähe zum Neodadaismus ist evident, nicht zuletzt durch die Einbeziehung von Alltagsmaterialien, um »die Lücke zwischen Kunst und Leben zu schließen«.

Dass diese Arbeiten heute wieder besondere Aktualität gewinnen, liegt nicht zuletzt an ihrer gesellschaftlichen Dimension. In einer Zeit neuer geopolitischer Spannungen erscheint Rauschenbergs künstlerische Praxis als Gegenmodell. Sein internationales Projekt ROCI (Rauschenberg Overseas Culture Interchange) zielte bereits in den 1980er-Jahren auf einen interkulturellen Dialog. Glaubte der Künstler doch fest daran, »dass der über die Kunst hergestellte Kontakt von Mensch zu Mensch wirksame friedliche Kräfte in sich birgt.« Kunst als Medium der Verständigung jenseits politischer Blockbildungen? »In Zeiten wie diesen zeigt sich Rauschenbergs Werk als sehr aktuell«, betont Steininger.

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Random Want (Scenario), 2003, Inkjetdruck-Transfer auf Polylaminat, 217,2 × 306,1 cm, Privatsammlung © The Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Vienna / Wien 2026

Robert Rauschenberg, Random Want (Scenario), 2003, Inkjetdruck-Transfer auf Polylaminat, 217,2 × 306,1 cm, Privatsammlung © The Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Vienna / Wien 2026

Robert Rauschenberg, Rigger, 1961, Öl, Metall, Seil, Holz, Textilien, Plastikknöpfe, Papier, Graphit und Sand auf Leinwand, 259,08 × 152,4 × 26,67 cm, Privatsammlung, Europa / Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac / © The Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Eva Herzog

Robert Rauschenberg, Rigger, 1961, Öl, Metall, Seil, Holz, Textilien, Plastikknöpfe, Papier, Graphit und Sand auf Leinwand, 259,08 × 152,4 × 26,67 cm, Privatsammlung, Europa / Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac / © The Robert Rauschenberg Foundation / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Eva Herzog

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Robert Rauschenberg, Ausstellungsansicht, Kunstmeile Krems, 2026, Foto: Agnes Winkler

Der über die Kunst hergestellte Kontakt von Mensch zu Mensch birgt wirksame friedliche Kräfte in sich.

Robert Rauschenberg

Bemerkenswert ist schließlich auch die kulturhistorische Dimension der Schau. Trotz seiner internationalen Bedeutung war Rauschenberg in Österreich bislang kaum umfassend präsent. »Es hat erstaunlicherweise keine museale Einzelschau gegeben«, zeigt sich auch Florian Steininger überrascht. Die Kunsthalle Krems schließt damit eine Lücke und positioniert Rauschenberg zugleich als zentrale Figur der Nachkriegskunst, deren Einfluss bis in die Gegenwart reicht.
 


ROBERT RAUSCHENBERG

bis 01.11.2026
Kunsthalle Krems

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Robert Rauschenberg mit "Stripper, in seinem Broadway Studio, New York, circa 1962, Foto: Unattributed. Photograph Collection. Robert Rauschenberg Foundation Archives, New York

Robert Rauschenberg mit "Stripper, in seinem Broadway Studio, New York, circa 1962, Foto: Unattributed. Photograph Collection. Robert Rauschenberg Foundation Archives, New York

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