Rembrandt – vom Maler zur Marke

Ein Umzug und seine Folgen: Er war 25, ziemlich bekannt und erfolgreich. Doch das reichte ihm nicht. Er zog aus Leiden ins doppelt so große Amsterdam und malte die Bürger:innen der Stadt, wie sie noch niemand zuvor gemalt hatte: lebendig, bewegt, mit Blickkontakt zu den Betrachter:innen. Der Erfolg kam schnell, das Selbstbewusstsein wuchs, eine Marke war geboren. Sie hieß: Rembrandt.
Genau diesen Punkt im Leben des Malers beleuchtet die Ausstellung »Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke« im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. Denn im Lauf dieses Jahres wurde aus dem Maler Rembrandt Harmensz. van Rijn, der bescheiden mit RHL oder RHL van Rijn seine Werke an wenig sichtbaren Stellen signierte, der selbstbewusste Rembrandt, der seine Signatur an deutlich sichtbaren Stellen anbrachte.
1632 war auch das Jahr, in dem er so viel malte wie in keinem anderen. 1632 entstanden 32 Bilder, einige davon erstmals auf Leinwand. Das sind zehn Prozent seines heute anerkannten und erhaltenen Gesamtwerks, wie die Kuratoren Justus Lange vom Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und Timo Trümper vom Herzoglichen Museum Gotha vorrechnen. Das Ausstellungsprojekt wurde von den beiden Häusern gemeinsam konzipiert und wurde mit leichten Variationen bis Anfang August in Kassel und ab September nun in Gotha gezeigt.
Die Museen in Kassel und Gotha haben die besten Voraussetzungen, gerade dieses Jahr im Schaffen von Rembrandt zu beleuchten. Kassel besitzt allein drei Rembrandt-Gemälde, die 1632 entstanden, Gotha vor allem Druckgrafik und das Gemälde »Büste eines kahlköpfigen alten Mannes«, das 2020 nach Gotha zurückkehrte. Dort war es 1979 zusammen mit vier anderen Bildern geraubt worden. Es galt wahlweise als Gemälde aus dem 18. Jahrhundert oder als Kopie nach einem 1632 entstandenen Rembrandt-Gemälde, das heute in Cambridge aufbewahrt wird.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Büste eines Greises mit goldener Kette, 1632, Öl auf Eichenholz, Hessen Kassel Heritage, Foto: Ute Brunzel
Die Frage der Kuratoren, die zur Grundlage der Ausstellung wurde, lautet: Hat Rembrandt vielleicht Varianten eines Motivs gemalt? Sind ähnliche Bilder vielleicht doch eigenhändig, weil Rembrandt nach seinem Umzug noch eine Weile zwischen Amsterdam und Leiden pendelte und manches Werk in Varianten malte?
Die Frage wird in der Ausstellung nicht beantwortet. Doch allein, dass sie gestellt wird, könnte ein wichtiger Impuls für neue Diskussionen zur Eigenhändigkeit sein. In diese beziehen die Kuratoren die Besucher:innen aktiv ein, indem sie eigenhändige und Werkstattarbeiten nebeneinander hängen. Etwa Rembrandts »Selbstbildnis mit verschatteten Augen«, das es in fünf Versionen gibt, wovon drei in Kassel gezeigt werden können.
Da die Kasseler Schau die Werke entlang einer Enfilade zeigt, sind auch vergleichende Querblicke jederzeit möglich. Dazu bietet die Ausstellung einiges, denn im Amsterdam des Jahres 1632 lebte eine reiche, kunstsinnige Bürgerschaft, die sich gern porträtieren ließ. Zum Beispiel von Thomas de Keyser und Jacob Adriaensz. Backer, die ab 1632 mit Rembrandt einen Konkurrenten bekamen, der sich an die Porträtkonventionen hielt und doch ganz anders malte. Das bescherte ihm gleich im ersten Jahr einen großen Auftrag: »Die Anatomiestunde des Dr. Nicolaes Tulp«, die sich heute im Mauritshuis in Den Haag befindet und nicht reisen darf.
Die Ausstellungsmacher entschädigen die Besucher:innen mit einer witzigen Idee. Sie lassen die Dargestellten selbst das Bild in einer KI-Animation erklären und zeigen, was passiert, wenn KI nicht das macht, was sie soll: Die Figuren laufen durchs Bild oder verlassen es, der Tote erwacht und zeigt seine Muskeln. Neue Technik muss probiert, variiert, angepasst werden – wer wüsste das besser als Rembrandt.

Rembrandt (Werkstatt), Bildnis Rembrandts mit verschatteten Augen, um 1628–1631, Hessen Kassel Heritage, Foto: Udo Reuschling
REMBRANDT 1632.
Entstehung einer Marke
bis 09. August 2026, Kassel:
Schloss Wilhelmshöhe, Hessen Kassel Heritage
ab 06. September 2026, Gotha:
Herzogliches Museum Gotha, Friedenstein Stiftung

Ausstellungsansicht "Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke", Hessen Kassel Heritage, Schloss Wilhelmshöhe, 2026, Foto: Nicolas Wefers

