Museum Liaunig, Neuhaus/Suha

Lorenz Estermann, „related distance“

Lorenz Estermann, Museum Liaunig, 2009 © Museum Liaunig

So nah und doch so fern. Die Einzelausstellung „related distance“ von Lorenz Estermann im Museum Liaunig wird zur spannenden wie aufschlussreichen Gegenüberstellung einer Generation künstlerischen Schaffens: Vor 25 Jahren wurden die ersten Werkserien des Künstlers für die Sammlung Liaunig angekauft. Welche Ergänzungen oder Konfrontationen sich hier mit dem neuen Œuvre des Künstlers auftun, wird ab 2. August nachvollziehbar sein.


 

 

„Zuerst haben wir die Skulpturen und Architekturmodelle im Fokus gehabt“, erzählt Lorenz Estermann über den Konzipierungsprozess zur Ausstellung. Wobei für den Künstler hier nicht so sehr das Architektonische im Vordergrund gestanden ist: „Es waren eher jene Skulpturen, die von einem bestimmten Winkel aus betrachtet, auch Modelle, Köpfe oder Büsten sein könnten“, beschreibt er Arbeiten aus einer früheren Schaffensperiode. Für ihn ähneln diese Werke fast klassischen Skulpturen mit Mündern, Augen und Ohren oder Exponaten der afrikanischen „Tribal Art“: „Manche Werke mit den Pfählen, die an Füßchen erinnern, erscheinen so, als ob sich jemand in einer Hocke befindet!“, führt er weiter aus. Diese vermenschlichten Architekturmodelle haben Herbert Liaunig fasziniert und sie bilden nun die Ausgangspunkte für die Ausstellung.

Lorenz Estermann, Zerthouse, 2009, Sperrholz Pappe Tempera © the artist

Lorenz Estermann, Zerthouse, 2009, Sperrholz Pappe Tempera © the artist

Aber auch die Form der dreieckigen Halle im Museum für Sonderausstellungen spielt in der Dramaturgie eine wesentliche Rolle. Wie in einem sich erweiternden Trichter gleich wird ein konzentrierter Bogen individueller, künstlerischer Stationen der vergangenen 25 Jahre arrangiert. Beginnend mit den großformatigen abstrakten Malereien auf Papier aus den Jahren 1999/2000 öffnet sich der Raum über die architektonischen Skulpturen und Fotoübermalungen (zwischen 2003 und 2016) zu den in den vergangenen zehn Monaten entstandenen Leinwandarbeiten, Zeichnungen und Kartonobjekten. „Dieses Dreieckige eignet sich hervorragend für die etwas aufgesplittete Präsentation“, erläutert Estermann seine Auseinandersetzung mit dem Raum. „Hier kann ich meine schrittweisen Veränderungen und Weiterentwicklungen perfekt inszenieren.“ Er ist sich sicher, dass die Besucher:innen die Verwandtschaft und Verbundenheit seiner Werkserien erkennen werden – selbst, wenn Jahrzehnte dazwischen liegen.

 

Aus diesen Überlegungen ist auch der Titel der Ausstellung entstanden: „related distance“.

Nachdem Lorenz Estermann sich Zeit seines künstlerischen Schaffens regelmäßig unterschiedlicher Medien bedient hat, ist es nicht verwunderlich, dass zur Ausstellung ein limitiertes, feines Skizzenbuch (Verlag Ludwig Rage, Wien/Berlin) erscheinen wird. „Das Buch wird eine Auswahl von Skizzenserien enthalten, die ich seit Herbst 2024 im Zuge der Vorbereitung dieser Ausstellung angefertigt habe,“ unterstreicht der Künstler seinen Anspruch den künstlerischen Schaffensprozess für Interessierte etwas transparenter zu machen. Zusätzlich wird im Herbst 2025 auch ein Museumkatalog erscheinen.

Lorenz Estermann, DAFT, Outdoorinstallation, Karton bemalt © the artist

Lorenz Estermann, DAFT, Outdoorinstallation, Karton bemalt © the artist

 

Ob er die Ausstellung als seine erste Retrospektive bezeichnen würde? Lorenz Estermann kontert mit einem Lächeln: „Manche würden sie vielleicht so nennen, aber ich möchte sie eher als ‚Mid-Career‘-Museumausstellung definieren!“

Und man/frau glaubt ihm aufgrund seiner Energie auch, dass nach „related distance“ noch einige „Retrospektiven“ folgen werden.

Lorenz Estermann, Rampe 2, 2011, Outdoorinstallation, Karton bemalt © the artist

Lorenz Estermann, Rampe 2, 2011, Outdoorinstallation, Karton bemalt © the artist

Museum Liaunig

Neuhaus 41, 9155 Neuhaus
Österreich

Lorenz Estermann – related distance 

3. August bis 31. Oktober 2025