Lennart Schweder bei Muhry, Hamburg

Lennart Schweder, Jade 1 und Jade 2, 2018, Ausstellungsansicht, Florentine Muhry, Hamburg

Muhry

Schützenstraße 28, 22761 Hamburg
Deutschland

Künstler: Lennart Schweder

Titel: Jade 1 und Jade 2

Datum: 13. März 2018

Fotografie: Courtesy der Künstler und Muhry, Hamburg | Foto: Fred Dott

Begleittext:

17.03.2018

Auch wenn monatelang Gespräche geführt werden, Besuche gemacht und gemeinsam gelesen wird, bleiben einem als Gesprächspartnerin die Arbeiten einer Künstlerin oder eines Künstlers oft nicht zur Gänze begreifbar. Wie werden Gedanken, Interessen, Vorlieben, Wissen und situative Entscheidungen in eine Form gebracht? Zu welchen Techniken oder Praktiken entschließt sich die Künstlerin oder der Künstler und was steht am Ende dieses Prozesses?

Ich fange daher von vorne an und lese in einem Buch über Empathie, „dass wir andere Menschen (und uns selbst) verstehen, indem wir sie in kleine gedankliche Erzählungen verwickeln.“ Wir verstehen, indem wir erzählen und so unsere Gedanken - bewusst oder unbewusst - als Ereignisse in eine zeitliche und räumliche Abfolge bringen.

Das erlaubt uns Handlungen und Situationen eines anderen auszuspinnen und uns so mit ihm zu verbinden. Genauso wie der zeitliche Prozess emotional-situativer Abfolgen im anderen sich einer allgemeinen Sichtbarkeit entzieht und nur erzählt, nicht aber dargestellt werden kann, beruht auch eine künstlerische Arbeit nicht auf wahllosen und willkürlichen Zufällen. Sie ist vielmehr eine Ansammlung von einzelnen Entscheidungen, die immer wieder aufs Neue getroffen werden müssen. Sie können unkonkret und stellvertretend für alles sein oder auch bewusst und konsequent eine Abfolge von Erzählsequenzen formulieren. Ungreifbar bleibt jedoch der Entschluss, was am Ende „hinein“ gelangt, was ausgewählt und sortiert, bewertet und getestet wurde, was aus dem Möglichen schlussendlich als Arbeit übrig bleibt, die wiederum die Grundlage für andere bildet, eine neue und eigene Erzählung spinnen zu können.

- Florentine Muhry