Gasteiger

Der 1953 in Salzburg geborene, in Wien und Niederösterreich tätige Künstler nimmt als einer der bedeutendsten Vertreter des Radical Painting eine einzigartige Stellung in der österreichischen Kunstgeschichte ein. Nun präsentiert er zwei grundlegende Werkkomplexe in einer von der Sammlung Werner Trenker initiierten Schau im Museum St. Peter an der Sperr.
Jakob Gasteigers Kunst verbindet die Strenge der Konzeption mit einer zutiefst sinnlichen Auffassung von Material. Seine Werke stellen die traditionelle Vorstellung von Malerei infrage: Was ist ein Bild?
Diese Objekte öffnen keinen illusionistischen Bildraum, sie erzählen keine Geschichte, geben keine subjektive Befindlichkeit wieder. Sie sind körperlich präsente Objekte im realen Raum: mehr skulpturale Reliefs als Gemälde.
Der Künstler trägt pastos Farbe auf den Bildträger auf und zieht sie mit einer Kammrakel in Wellen, Kurven oder rechtwinkligen Strukturen über die Leinwand, wodurch tiefe Furchen und scharfe Grate entstehen. Pigmente und Beimengungen wie Kupfer oder Glas verleihen den Objekten eine je unterschiedliche Dichte, mannigfaltigen Glanz und Widerstand. Die Langsamkeit oder Dynamik der Kurvaturen, der stete Fluss der Furchen oder das abrupte Abstoppen der scharfen Grate: dies und eine nachtschwarze Monochromie, pastellartige Weichheit oder grelle Neonfarben dominieren die Wirkung der Werke. Das Licht modelliert zusätzlich diese reliefartigen Topographien und lässt sie je nach Blickwinkel immer wieder neu erscheinen.
In der Spannung zwischen dem formal äußerst kontrollierten Verfahren einerseits und der haptischen Verführung des Materials liegt die Besonderheit der Kunst des Österreichers: Sie ist antiillusionistisch und anti-expressiv, zugleich aber von großer optischer und taktiler Sinnlichkeit. Das Auge der Betrachtenden kann gleichsam ertasten, was sich in diesen Objekten an Leben zuträgt.

Jakob Gasteiger, Museum St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, 2026, © by the artist / Bildrecht, Wien 2026, Foto © Michael Nagl
Jakob Gasteiger Serien verwandeln den Raum in einen Resonanzkörper, einen musikalischen Rhythmus.
Die von der Sammlung Werner Trenker organisierte und von Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder kuratierte Ausstellung im Museum St. Peter an der Sperr präsentiert zwei grundlegende Werkkomplexe Gasteigers. In der hohen gotischen Kirche des ehemaligen Klosters werden – neben drei Skulpturen – vor allem großformatige Einzelwerke gezeigt: monumentale Tafeln und Scheiben. Deren schiere Dimension erlaubt ihnen, Rhythmus, Tempo und Spannung aus sich selbst heraus zu entwickeln. Als autonome Bild-Objekte treten sie zugleich in einen Dialog mit dem historischen Sakralraum.
Der moderne Anbau des Museums ist den kleinformatigen, mehr- und vielteiligen Serien gewidmet. In ihnen zeigt sich Gasteigers radikaler Werkbegriff besonders deutlich: Das einzelne Modul eines Polyptichons ist Teil einer übergeordneten Gestalt. Erst aus Wiederholung und Abweichung der Oberflächenreliefs, aus den Abständen und Intervallen zwischen den Einzelteilen sowie den horizontalen oder vertikalen Reihungen entsteht das eigentliche Werk. Die Ausstellungswand wird in ihrer Gesamtheit Teil der Komposition. Jakob Gasteiger Serien verwandeln den Raum in einen Resonanzkörper, einen musikalischen Rhythmus, der sich mit größter Intensität dem Sehsinn, unserem Auge, mitteilt.
So führt die Ausstellung von der konzentrierten Präsenz des autonomen Großformats zur offenen, installativen Ordnung der mehrteiligen Serien. Diese Ausstellung zeigt eine Malerei jenseits des traditionellen Bildes: eine Malerei zwischen Oberfläche und Relief, zwischen Einzelwerk und dem Prinzip der Serialität, zwischen materieller Gegenwart der Objekte und der räumlichen Erfahrung der Gesamtinstallation.

Jakob Gasteiger, Museum St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, 2026, © by the artist / Bildrecht, Wien 2026, Foto © Michael Nagl







