Comics und Co. in der Albertina Modern

Here it KAWS...

KAWS | SPACE, 2023, Rostfreier Stahl, 116 × 183 × 96 cm, Privatsammlung © KAWS / Foto: Courtesy KAWS Studio

Die Albertina Modern untersucht die Wechselwirkungen zwischen Comics, Bildergeschichten, Cartoons und bildender Kunst. Mehr Ausstellungstipps lesen Sie in unserer aktuellen Sommer-Ausgabe – jetzt bestellen.


»Wir freuen uns sehr, dass wir direkt vor der Albertina Modern die sieben Meter hohe Skulptur ›Final Days‹ von KAWS zeigen können«, schwärmt Angela Stief, Direktorin der Albertina Modern sowie Chefkuratorin für Kunst der Gegenwart an der Albertina. Das Alias KAWS des US-amerikanischen Künstlers Brian Donnelly steht auch programmatisch vor dem Ausstellungstitel »Art & Comix« – und markiert bereits im öffentlichen Raum vor der Albertina Modern die Achse, um die sich die Schau dreht: die Schnittstelle zwischen Hochkultur und Pop.

»Die Idee, KAWS als Leitfigur in die Ausstellung zu integrieren, entstand eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Da seine Person und seine Figuren im amerikanischen und asiatischen Raum sehr bekannt sind, während er hier bei uns noch unbekannter ist, haben wir ihn dem gesamten Projekt vorangestellt, um die Gegenwärtigkeit des Themas zu unterstreichen.«

KAWS, TIME OFF, 2021, 135 x 188 x 99 cm, Bronze, Farbe, Privatsammlung © KAWS, Foto: Courtesy KAWS Studio

KAWS, TIME OFF, 2021, 135 x 188 x 99 cm, Bronze, Farbe, Privatsammlung © KAWS, Foto: Courtesy KAWS Studio

Spätestens seit Kooperationen mit Markenriesen wie Nike sind KAWS’ »Companions« global zirkulierende Bildzeichen. Bewusst operiert seine Ästhetik an der Grenze zwischen Merchandise-Artikeln und kalkulierter Aneignung ikonischer Figuren wie Micky Maus oder Snoopy. »Selbstverständlich steht auch der Gedanke dahinter, dass wir mit dieser Ausstellung nach neuen Zielgruppen outreachen«, meint Angela Stief. Interessanterweise verzichtet die Ausstellung – abgesehen von vereinzelten Referenzen auf Pokémon oder Star Wars – jedoch weitgehend auf zeitgenössische Comic-Zitate. Avengers, Dragon Ball, One Piece oder andere Stars am aktuellen Pop-Parkett haben hier keinen Auftritt.

KAWS macht keinen Unterschied zwischen Kunst und Nicht-Kunst.

Angela Stief

Immerhin: Die Albertina Modern strebt – zumindest teilweise – den Dialog an und stellt KAWS’ raumdominierende Figuren historischen Ikonen der Kunst wie Roy Lichtenstein oder Öyvind Fahlström gegenüber. Zusammen mit Katherine Bernhardt, Raymond Pettibon, Cosima von Bonin und vielen anderen greifen sie unterschiedliche stilistische Comic-Elemente auf – etwa die flächige Bildsprache oder das Verhältnis von Bild und Text, beschreibt Angela Stief den roten Faden durch die Schau. »Mit den harten Konturen und grellen Farben der Arbeiten beleuchtet die Ausstellung das Thema von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwartskunst und erzählt, wie sich bildende Künstler:innen von der Populärkultur oder der Low Art inspirieren ließen bzw. die Vorlagen teilweise sogar appropriierten.«

Eliza Douglas, Untitled, 2022, 210 × 160 cm, Öl auf Leinwand, Museum Folkwang, Essen © Eliza Douglas, Courtesy Air de Paris, Romainville, Greater Paris, Foto: Marc Domage

Eliza Douglas, Untitled, 2022, 210 × 160 cm, Öl auf Leinwand, Museum Folkwang, Essen © Eliza Douglas, Courtesy Air de Paris, Romainville, Greater Paris, Foto: Marc Domage

Was sicher wenige wissen: Sogar Jean-Michel Basquiat und Ad Reinhardt haben nahezu klassische Comics entworfen. Ab den 1960er-Jahren stellten Roy Lichtenstein oder Keith Haring die Grenze zwischen High und Low Art radikal infrage. Sie sind in der Ausstellung genauso vertreten wie prominente Positionen der Gegenwartskunst, von Joyce Pensato über Sue Williams bis Peter Saul. »Worauf ich sehr stolz bin: Die Ausstellung zeigt auch Positionen von vier Österreicherinnen. Neben Micha Wille, Isolde Maria Joham und Michaela Konrad ist Brigitte Kowanz mit ihren ›Speech Bubbles‹ vertreten.«

Peter Saul, The Government of California, 1969, 173 × 244 cm, Öl auf Leinwand, Collection of KAWS © 2026 Peter Saul / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Courtesy KAWS Studio

Peter Saul, The Government of California, 1969, 173 × 244 cm, Öl auf Leinwand, Collection of KAWS © 2026 Peter Saul / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Courtesy KAWS Studio

Magdalena Suarez Frimkess, Untitled, 2024, 24 x 10 x 8 cm, Glasierte Keramik, © Magdalena Suarez Frimkess, ALBERTINA, Wien, Foto: ALBERTINA, Wien

Magdalena Suarez Frimkess, Untitled, 2024, 24 x 10 x 8 cm, Glasierte Keramik, © Magdalena Suarez Frimkess, ALBERTINA, Wien, Foto: ALBERTINA, Wien

Brigitte Kowanz, Anything goes, 2014, 142 × 180 × 15 cm, Neon, Holz, Lack, ESTATE OF BRIGITTE KOWANZ, Courtesy Galerie Krinzinger, Wien © Estate Brigitte Kowanz/Bildrecht, Wien 2026, Foto: Peter Hoiß

Brigitte Kowanz, Anything goes, 2014, 142 × 180 × 15 cm, Neon, Holz, Lack, ESTATE OF BRIGITTE KOWANZ, Courtesy Galerie Krinzinger, Wien © Estate Brigitte Kowanz/Bildrecht, Wien 2026, Foto: Peter Hoiß

Joyce Pensato, Donald, 1997, 229 × 183 cm, Lackfarbe auf Leinen, Privatsammlung, Europa © Joyce Pensato Foundation Courtesy Petzel, New York, Foto: Jason Mandella

Joyce Pensato, Donald, 1997, 229 × 183 cm, Lackfarbe auf Leinen, Privatsammlung, Europa © Joyce Pensato Foundation Courtesy Petzel, New York, Foto: Jason Mandella

Ich hoffe, dass die Ausstellung eine Art Gegenveranstaltung bzw. Gegenentwurf zur aktuellen Weltlage ist.

Angela Stief

Wenig überraschend sind auch zwei bedrohlich verzerrte, zähnefletschende Micky-Maus-Varianten von Gottfried Helnwein präsent. Insgesamt bleibt die heimische Perspektive aber sehr selektiv; zusätzliche Positionen, etwa von Herbert Brandl (Lucky Luke) oder Hans Weigand (Silver Surfer), hätten den lokalen Kontext weiter geschärft. Auch Werke des gebürtigen Isländers Erró wären sicher eine Bereicherung gewesen.
Stattdessen dominiert KAWS und seine eigene Sammlung die Dramaturgie der Ausstellung deutlich. Der Grund, laut Angela Stief: »Das Thema ist riesig und man könnte drei Ausstellungen dazu machen. KAWS macht keinen Unterschied zwischen Kunst und Nicht-Kunst. Das ist eine Fragestellung, die sich als roter Faden durch die Ausstellung zieht. Genau wie High and Low Art, Kunst und Kommerz oder Kunst und Spielzeug. Es sind die Grenzgänge und die Grenzgänger:innen, die wir in dieser Schau featuren möchten. Sie hat zahlreiche Überraschungen zu bieten.«

Genau diese Grenzgänge kippen stellenweise ins Groteske. Blalla W. Hallmann lässt Pechvogel Donald Duck als biblischen Josef (mit Inkontinenz-Windel) wieder auferstehen, nebenbei gibt die gute Daisy als Maria einer Maus die Brust. Andere Disney-Publikumslieblinge werden in den Arbeiten von Eliza Douglas durch einen Zerrspiegel gedreht, während Isolde Maria Joham das Pokémon Pikachu in ein futuristisches Universum teleportiert, beobachtet von grimmig dreinblickenden Pandabären. Parallel dazu inszeniert KAWS seine »Companions« als melancholische Solitäre. Schützend halten einige ihre Hände vors Gesicht, in der Plastik »Gone« tragen sie sich sogar selbst zu Grabe. »Comics oder comichafte Arbeiten widmen sich existenziellen Themen und irritieren. Ich hoffe jedoch, dass die Ausstellung eine Art Gegenveranstaltung bzw. Gegenentwurf zur aktuellen Weltlage ist und parallel zu all den Kriegen und bad News etwas Freude vermittelt.«

Star der Ausstellung »KAWS. Arts & Comix« sind aber – zumindest beim Publikum – dann doch nicht KAWS’ alle anderen Kunstwerke verdrängenden Figuren und Bilder, sondern die begehbare Installation »Ruckus Manhattan: Subway« von Red Grooms, Mimi Gross & The Ruckus Construction Company. Um mit den übergroßen Passagier:innen ein Selfie machen zu können, stehen die Besucher:innen Schlange. Zumindest hier zeigt die auf maximale Aufmerksamkeit angelegte Inszenierung deutlich Wirkung.


KAWS. ART & COMIX

bis 27.09.2026, Albertina Modern

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KAWS | SPACE, 2023, Rostfreier Stahl, 116 × 183 × 96 cm, Privatsammlung © KAWS / Foto: Courtesy KAWS Studio

KAWS | SPACE, 2023, Rostfreier Stahl, 116 × 183 × 96 cm, Privatsammlung © KAWS / Foto: Courtesy KAWS Studio

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