Gallery Diary – Livie Gallery | Sarah Bogner

In der Livie Gallery in Zürich zeigt Sarah Bogner (*1980 München, lebt und arbeitet in Wien) aktuell unter dem Titel "Bouquet" eine Auswahl an Malereien. Gemeinsam mit der Galerie wird sie im Juni auch bei der Liste Art Fair Basel 2026 vertreten sein.
Alles ist romantisch (Bouquet)
Wir sind Blumen
Aus dem selben Strauß
Dinge haben Wurzeln und Früchte
Angelegenheiten haben Anfang und Ende
Finde the one that zooms in on you
kein Weg außer man geht ihn
Alles ist romantisch
Sarah Bogner
Die Ausstellung Bouquet fokussiert auf zwei zentrale Werkgruppen von Sarah Bogner: Stillleben und Pferdewesen, und nahm ihren Anfang während einer Residenz in Paris. Dort traf die Künstlerin auf die Werke ihrer „alten Freunde“ Édouard Manet, Paul Cézanne und Henri Matisse und hatte die Gelegenheit, viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Und wie es oft ist, wenn man sich nach Zeiten digitaler Begegnungen endlich wieder vor Ort sieht: Man entdeckt Neues, selbst bei Altbekannten, und schöpft Kraft und Ideen für das Eigene. Angetrieben durch die Anregungen der Stadt entstanden zahlreiche neue Werke.
Ganz in der Tradition der klassischen Moderne entwickelte Bogner eine Reihe von Stillleben. Motivisch sind diese zwischen Kohlköpfen und Blumen, erdendem Alltag und festlicher Eleganz angesiedelt. Die Künstlerin kombiniert hier verschiedene Herangehensweisen auf einer Leinwand. Erstmals lässt sie Acrylfarbe, den speckigen Auftrag der Eitempera und die wolkige Tusche direkt aufeinandertreffen. Diese Zusammenführung der drei Techniken bewegt sich in einer Bandbreite zwischen harmonischem Gleichklang und spannungsgeladenem Aufprall. Das Wechselspiel energetisiert die schlichten Motive und bringt – gemeinsam mit den kontrastreichen Bildhintergründen – malerische Spannung und Lebendigkeit hervor.
Pferdewesen begleiten Bogner motivisch bereits seit langer Zeit. Sie wurden im Verlauf der Jahre immer menschenähnlicher, und doch sind sie offenkundig keine Menschen. Sie sind nicht nur dynamisierende Bildelemente und Charakterträger, sondern auch Platzhalter des Figurativen. Anhand dieser Wesen verhandelt die Künstlerin stets malerische Fragen rund um Licht und Schatten, Reduktion und Fülle, Abstraktion und Gegenständlichkeit. In den neuesten Werken tanzen die Pferdewesen nach dem Vorbild von Henri Matisse und tragen dabei etwas in den Hufen, das als Leerstelle undefiniert bleibt.

Sarah Bogner, Dunkles Bouquet, 2025, egg tempera, Indian ink, acrylic on canvas, 100 x 70 cm, © the artist and Livie Gallery, Foto: Sarah Bogner
Die Motive der Ausstellung eröffnen eine grosse Bandbreite, behalten für Bogner dennoch ein verbindendes Element bei. Es ist ein Strauss an Motiven und Assoziationswelten, die sie mit der ihr eigenen Formensprache miteinander verbindet. Zwischen dem Kohl als Inbegriff des Banalen und der Extravaganz der Pferdewesen bilden die Pfingstrosen eine verbindende Brücke. Der Ausstellungstitel taucht in einem Gedicht auf, das die Künstlerin in Paris schrieb und das den Titel „Alles ist romantisch (Bouquet)“ trägt.
Ob Pferdewesen oder Stillleben, Rose oder Kohl: Alles gehört zusammen in der Malerei von Sarah Bogner. Denn jedes Motiv kann romantisch sein – und in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger: kraftvolle und eigenständige Malerei.
Text: Julian Denzler

Ausstellungsansicht "Sarah Bogner. Bouquet", 2026, Livie Gallery Zürich, © the artist and Livie Gallery, Foto: Esther Mathis

Sarah Bogner, Alles ist romantisch, 2026, egg tempera, Indian ink, acrylic on canvas, 120 x 140 cm, © the artist and Livie Gallery, Foto: Sarah Bogner
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