Ehrlich, körperlich, intensiv – Joe Bradley in Krems
Wer die Ausstellung „Rejoice: Drawing and Sculpture“ in der Galerie Eva Presenhuber in Wien im Frühjahr 2023 verpasst hat, erhält nun in der Kunsthalle Krems die Chance auf einen konzentrierten Überblick über Joe Bradleys Arbeiten der vergangenen 15 Jahre. Die erste Museumsschau des Künstlers in Österreich macht die Entwicklung seines vielgestaltigen Werks in einer klar gefassten Auswahl sichtbar.
Unter der kuratorischen Leitung von Florian Steininger, dem künstlerischen Direktor des Hauses, präsentiert die Kunsthalle Krems rund 70 Arbeiten, darunter auch Skulpturen, die Bradleys kontinuierliche Neuverortung innerhalb der Malerei und seiner erweiterten Praxis nachvollziehbar machen. Steininger legt den Fokus auf jene Phase, in der sich der Künstler immer deutlicher zwischen gestischer Abstraktion und figurativen Setzungen bewegt und die Materialität des Mediums in den Vordergrund rückt.
Joe Bradleys künstlerisches Werk zeigt sich als ein schillerndes Kaleidoskop der Farben, Formen und Stile. Ausgehend von minimalistischen Leinwandobjekten entwickelte er eine Malerei, die zwischen gestischer Freiheit und strukturierter Komposition pendelt“, erklärt Florian Steininger. „Von schroff-schmutzigen informellen Action-Paintings über massive Farbfeldgemälde, wohlkomponierte Abstraktionen und Figurationen bis hin zu Bildern mit Bad-Painting-Touch: Seine Arbeiten verbinden Spontaneität und Reflexion, Abstraktion und Figuration. Bradley transferiert das Tafelbild mit intuitiver, sinnlicher Energie und klarem Formbewusstsein die Kunstgeschichte zitierend in die Gegenwart.“
Ausstellungsansicht "Joe Bradley", Kunsthalle Krems, 2025/26, © Kunstmeile Krems, Foto: Agnes Winkler
Bradley, 1975 in den Vereinigten Staaten geboren, hat sich im Laufe seiner Karriere konsequent jeder stilistischen Festlegung entzogen. Seine Praxis umfasst Malerei, Zeichnung und Skulptur und hat sich mehrfach neu ausgerichtet: von minimalistischen Setzungen über grafisch überzeichnete Formen bis hin zu dicht überarbeiteten abstrakten Bildfeldern.
Seine frühen Arbeiten aus den späten 1990er-Jahren zeigen noch Anklänge an nordisch-romantische Landschaften. In der sogenannten Modular-Paintings-Phase, in der mehrere Leinwände zu eigenwilligen Figuren kombiniert sind, wandte er sich einer monochromen, reduzierten Bildsprache zu, die auf Frank Stella und Ellsworth Kelly verweist. Ab 2010 entstanden zunehmend gestische Werke, in denen sich Abstraktion und klare Linienführungen überlagern und Bradleys Malerei eine neue körperliche Intensität gewinnt.
An dieser Entwicklungslinie setzt die Schau in Krems an. Sie versammelt farbintensive großformatige Gemälde, deren in mehreren Schichten aufgebaute Farbaufträge die Materialität der Malerei unmittelbar erfahrbar machen. Kräftige Töne formen ein dynamisches Bildgefüge, das die energetische Ausrichtung seines aktuellen Werks sichtbar macht.
Eines der zentralen Werke ist „Janus“, ein knapp zwei Meter hohes Gemälde, das auf den römischen Gott verweist, der Anfang, Ende und Übergang verkörpert. Schwarze Konturen umreißen einen weiblichen Körper, dessen Formen zwischen Fragment und Erkennbarkeit oszillieren. Deutliche Anklänge an Jean Dubuffets grafische Direktheit und an Willem de Koonings späte, roh ausgeführte Frauenbilder prägen den Ausdruck des Werks.
Joe Bradleys Arbeit ist ehrlich, körperlich intensiv und Ausdruck einer beständigen Suche nach Wahrheit im Medium der Malerei.
Eva Presenhuber, Galeristin, betont auch, dass Bradleys radikale Beweglichkeit „genau das heutige Publikum“ anspricht – ein Gedanke, den die Kunsthalle Krems im vielfältigen Rahmenprogramm aufgreift.

Joe Bradley, Janus, 2025, © Joe Bradley, Courtesy the artist, David Zwirner, Galerie Eva Presenhuber, Zurich/Vienna, and Xavier Hufkens, Brussels

Joe Bradley, Nightshade, 2018-2020, © Joe Bradley, Courtesy the artist, David Zwirner, Galerie Eva Presenhuber, Zurich/Vienna, and Xavier Hufkens, Brussels
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