Lateinamerikanische Kunst am Arlberg

BEATRIZ OLANO

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Bislang war die in Medellin lebende Künstlerin Beatriz Olano  in Österreich wenig bekannt, das hat sich jedoch geändert, seit ihr Galerist Michael Sturm sie nicht nur in Stuttgart, sondern auch in den Wiener Räumen der Galerie Sturm & Schober präsentiert. Gut so, denn in ihren Werken hat sie eine singuläre konkrete Formensprache entwickelt, die die Parameter der reduktiven Kunst gekonnt mit einer großen Freude an der Farbe verbindet. In ihren Installationen spricht sie vom Raum im Raum, von der Architektur, die mit ihren eigenen typologischen Elementen neu konfiguriert wurde. Die Farbe spielt sich dabei stets in den Vordergrund. Aktuell ist Beatriz Olano gleich mit zwei Ausstellungen im deutschsprachigen Raum präsent. Michael Sturm präsentiert neue Werke von Olano in seiner Stuttgarter Galerie und Gertrud Schneider vom Hotel Kristiania in Lech hat die Künstlerin eingeladen eine Rauminstallation im Hotel zu gestalten. Ebendort haben wir die Künstlerin zu einem Interview getroffen.


 

Beatriz Olano (*1965 Medellin, Kolumbien) studierte an der The Milton Avery School of Arts in New York und lebt und arbeitet heute wieder in Medellin. Geometrische Formen, Farben und Linien charakterisieren ihre Malerei und Objektkunst. In ihren prägnanten, farbintensiven Installationen bezieht sie sich stets auf den Raum und arbeitet mit unterschiedlichen Materialien – zum Teil auch mit Found-Footage, wie alten Möbeln, recycelten Fenstern und Türen, die durch ihre Bearbeitung aus ihrer ursprünglichen Funktion herausgeholt und zu Objekten mit malerischem Charakter werden. Auch in der Installation im Hotel Kristiania spielt der Raum eine große Rolle. Aus der Beobachtung der Architektur, der Details der Holzvertäfelung, dem Spiel zwischen dem Außen- und Innenraum, entstand die Rahmenstruktur aus Tapes, Halbkreisen und Punkten. Ihre Installation spricht vom Raum im Raum, von der Architektur, die mit ihren eigenen typologischen Elementen neu konfiguriert wurde. Die Farbe spielt sich dabei stets in den Vordergrund.

Beatriz Olano, Foto: PARNASS

Beatriz Olano, Foto: PARNASS

Silvie Aigner: Neben deinen Bildern und der Installation zeigst du im Hotel Kristiania auch eine großformatige Papierarbeit, die aus mehreren Blättern besteht, wie viele deiner Zeichnungen.

Beatriz Olano (BO): Meine Papierarbeiten bestehen aus einzelnen Blättern, die ich durch die schwarzen Linien zu einer Einheit verbinde. Linien haben in meiner künstlerischen Arbeit immer eine große Rolle gespielt. Aber in diesem Jahr sind Kreise und Halbkreises als neue Motive hinzugekommen. Das war etwas völlig Neues für mich. Die Kreise haben Humor, sie bringen neue und differenzierte Momente in die Zeichnungen, sie sind figurativer – und ermöglichen einen leichteren Zugang für die Betrachter:innen. Es ist ein Motiv, an dem ich selbst sehr viel Freude habe. Denn meine Arbeiten sind grundsätzlich sehr organisiert und exakt und durch die Kreise bekommen die Zeichnungen etwas mehr Fluidität. Die Farben wähle ich intuitiv, sie entsprechen meinen momentanen Gefühlen und haben  einen starken Bezug zum Rhythmus der Musik, die ich während der Arbeit höre. Diese umfasst Klassische Musik ebenso, wie lateinamerikanische Rhythmen, Jazz und Pop. Die Musik die ich höre, ist sehr zufällig. Aber die Energie der Musik und meine Arbeit haben einen engen Bezug, insbesondere die Zeichnungen. 

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Farben und Materialität spielen in deiner Arbeit eine große Rolle. Es sind immer sehr leuchtende, bunte Werke, die sehr unterschiedlich sind, auch je nach der Oberflächentextur der Materialien auf denen du malst.
Ich möchte mich nicht wiederholen, sondern unterschiedliche Arbeiten entwickeln. Daher suche ich immer nach verschiedenen Texturen, Oberflächen, Materialien und Farben und versuche daraus etwas zu machen. Ich verwende auch gerne Objekte, wie alte Tische, Sessel und überarbeite sie. Es sind Dinge, die durch ihre Geschichte eine weitere Dimension in mein Werk einbringen. Farben waren immer wichtig für mich und ich verwende eine Vielzahl an Farben, doch ich finde, dass sie immer gut zusammengehen und meine Werke dennoch eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Während meines Studiums in New York habe ich nicht mit Farben gearbeitet. Meine Werke waren zu diesem Zeitpunkt sehr minimalistisch. Es war damals für mich wichtig, sehr simpel und reduziert zu arbeiten, auch um mir klar zu werden, wohin mein künstlerischer Weg gehen soll. Im letzten Jahr an der Universität machte ich dann meine erste Installation, die für mich den ersten Schritt in meine künstlerische Karriere markierte.

Weil du hier erstmals mit dem Raum gearbeitet hast?
Ja auf jeden Fall. Ich habe auch in meiner minimalistischen Phase, meine Werke immer wie eine Installation behandelt. Das war von Beginn an wichtig für mich. Ich wollte nie nur zweidimensionale Werke machen, sondern diese in den Raum erweitern. Lange hatte ich ja auch die Idee, Architektur zu studierten. Das heißt, das Thema Raum war immer präsent. Es geht um die Konversation mit dem Raum anhand von Farben, Materialien, Linien und nun auch Kreisen.

Wie ist die Installation für das Hotel Kristiania entstanden, wofür du wieder eine ganz eigene, singuläre Rahmenstruktur aus Tapes und Papierkarton entwickelt hast?
Ich kam in diesen Raum im Hotel Kristiania ohne viel darüber zu wissen. Ich hatte ein paar Bilder und einen Raumplan. Aber es war wichtig, den Raum selbst zu erfahren und zu sehen und eine Gefühl für den Raum zu entwickeln. Die Informationen des Raumes, Ecken, Kanten, Materialien, die Beschaffenheit des Bodens etc. das alles ist wichtig für mich. Wenn ich dann die Idee im Kopf habe und mit der Installation beginne, dann fließt es sehr organisch.

Es ist das erste Mal, dass du mit einer farbigen Wand arbeitest?
Ja. Dieser spezielle Farbton, dieses braun-grau, ist ganz wunderbar und ich bin sehr glücklich damit und bringt meine Farben sehr gut zu Geltung. Dies einmal auszuprobieren war auch eine gewisse Herausforderung und das ist immer besonders. Ich habe die Ecken, den Boden und auch die Details an der Wand einbezogen und die Installation und die Platzierung der Kreise und Halbkreise folgt diesen in gewisser Weise. Durch die Kreise wird die Installation spielerischer, lässt mich mit  verschiedenen Farben und Größen spielen und gibt der Arbeit einen Twist. Auch weil die Materialien unterschiedlich sind. Die Tapes, die die Linien bilden sind glänzend, während die Kreise aus mattem Kartonpapier sind. Die Installation folgt vom Fenster über eine Längswand und geht dann bis zum ersten Fenster an der Eingangswand. Manche Linien enden an der Wand und werden nicht über die Ecke weiter geführt, was irritiert und auch einen gewissen Humor hat. Die Hängung der Bildobjekte hat sich dann als zweiten Schritt ganz natürlich ergeben.
 

Durch die Kreise wird die Installation spielerischer, lässt mich mit  verschiedenen Farben und Größen spielen und gibt der Arbeit einen Twist.

Beatriz Olano

 

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Auch innerhalb deiner Bildobjekte spielst du mit der Irritation der Wahrnehmung und baust oft Sprünge in der Perspektive ein.
Ich arbeite gerne mit Diagonalen und Linien, die dann jedoch nicht geradlinig verlaufen sondern in eine andere Richtung springen. Es geht immer um die Verbindung von Raum und Linien, um einen Rhythmus, darum Sichtachsen, zu beachten und Kontraste herzustellen. Früher habe ich unterschiedlich breite Tapes benutzt, jetzt sind sie einheitlich. Das gibt der gesamten Installation eine gewisse Einheitlichkeit – und gerade wenn man so wie hier mit einem Raum arbeitet, der keine Galerie ist, kein White Cube, ist das von Vorteil, um bei aller Vielteiligkeit dennoch eine gewisse Ruhe in die Installation zu bringen. In der Galerie in Stuttgart habe ich auch den Boden einbezogen. Insgesamt geht es mir immer darum neue Möglichkeiten erforschen – mit den simplen Modulen wie Linien, Kreisen, Formen und Farben. Dabei arbeite ich immer mit der Hand, auch in den Bildern. Die Linien und Farbflächen wirken auf den ersten Blick exakt, wie mit dem Lineal gezogen, doch sie sind es nicht. Und bei näherer Betrachtung sieht man auch, dass sie nicht perfekt sind, aber genau das ist wichtig für mich. So wie in der Malerei ist es auch bei den Klebebändern. Ich schneide die breiten Rollen mit der Schere, also auch freihändig.

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

In der heutigen Zeit der Kunst oft auch eine Verantwortung übertragen, politische und/oder gesellschaftliche Probleme zu thematisieren, sichtbar zu machen. Deine Kunst spielt sich davon frei, warum?

Für mich ist die formale Ästhetik wichtig. Ich bin nicht gegen politische Kunst. Ich komme aus einem „komplizierten Land“ und viele Künstler:innen in Kolumbien setzen sich mit politischen Themen auseinander. Aber ich möchte eigentlich meine Arbeit nicht diesen Themen unterordnen. Vielmehr möchte ich eigentlich diesen entfliehen und die Zeit in der ich Kunst mache, auch genießen, Freude daran haben. Es gibt weiß Gott viele Probleme auf der Welt und man ist damit ohnedies täglich konfrontiert. In meiner Arbeit muss ich mich nicht auch noch damit auseinandersetzen – mit meiner Kunst, da möchte ich wirklich eine gute Zeit haben.

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Ausstellungsansicht Beatriz Olano, Galerie Michael Sturm Stuttgart, Foto: Galerie Michael Sturm

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: PARNASS

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: PARNASS

Beatriz Olano, Foto: PARNASS

Beatriz Olano, Foto: PARNASS

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

Beatriz Olano, Installationsansicht Hotel Kristiania Lech, Foto: Galerie Sturm & Schober

HOTEL KRISTIANIA LECH
Omesberg 331
A-6764 Lech
www.kristiania.at/de

GALERIE MICHAEL STURM
Christophstraße 6
D–70178 Stuttgart
galerie-sturm.de
Die Ausstellung in der Galerie Michael Sturm
ist noch bis 3. März zu sehen.