»Barely Furtive Pleasures« bei Nir Altman, München

Barely Furtive Pleasures curated by Olivia Aherne, exhibition view, Nir Altman, Munich

Nir Altman

Ringseisstraße 4 RGB, 80337 München
Deutschland

KünstlerInnen: Srijon Chowdhury, Inga Danysz, Eva Gold, Marie Matusz, Marina Sula

Titel: Barely Furtive Pleasures

Datum: 14. Februar 2020 bis 21. März 2020

Fotografie: All the images are Courtesy of the artist and Nir Altman, Munich exceot Sirjon Chowdhury. All the images courtesy of the artist and Antoine Levi, Paris | Fotograf: Dirk Tacke

Notiz: Kuratiert von Olivia Aherne

Barely Furtive Pleasures

Barely Furtive Pleasures sind als „psychologisches Theater“ erlebbar – ein Stück, in dem jeder Akt sich kontinuierlich verlagert – von der Unterwerfung hin zur Kontrolle, von der Unsichtbarkeit hin zur (übermäßigen) Sichtbarkeit und von der Begierde hin zur Abscheu – permanent auf alle Sinne einwirkend: explizit und unterbewusst zugleich.

Die Werke spielen mit dem Impliziten und dem Expliziten, mit dem Subjekt und dem Objekt, indem sie widersprüchliche Positionen zeitgleich einnehmen. Sie tragen Schönheit, Schrecken, Uneinigkeit und Auflösung mit sich und beleuchten fließende Abgrenzungen, unstete Gefilde und das Unbewusste. Hier, in den Räumen der Repression, wo Macht, Kontrolle und Handeln umgekehrt, gesponnen und umgestaltet werden, wird die Psyche aufgespalten, offenbart.

Während die Werke selbst statisch im Raum präsentiert werden, provozieren sie jeweils eine spezifische Choreographie, eine Geste, eine Liaison – eine Szene, die es möglicherweise noch zu entfaltet gilt. In ihrer eigenen Chronologie ambivalent, existiert die Ausstellung in einem weit zurückliegenden und zugleich noch bevorstehenden Moment und stellt Fragen rund um die Wiederholbarkeit von Zeit und Geschichte und unsere Erinnerung an die Entstehung der Dinge. Die sich wandelnden Positionen der Werke, welche selbst offen sichtbar oft im Verborgenen verweilen, offenbaren den transitorischen Charakter von Macht, Kontrolle und Handeln: Wer schaut, wer kontrolliert, was steht auf dem Spiel? Beunruhigend und verlockend zugleich inszenieren sie einen psychischen und emotionalen Zusammenbruch – die Psychose als eine Form der Katharsis.

Die Ausstellung erforscht sowohl Präsenz als auch Verneinung, mit Werken, die einen Körper suggerieren, sich aber seiner Inszenierung verweigern – unverbraucht, geisterhaft und nachhallend. In diesem gespenstischen Raum geprägt von auseinandertreibenden Kräften, von Dualität und Vielfalt, könnte die Entflechtung und Auflösung des Selbst beginnen.

KÜNSTLER*INNEN

SRIJON CHOWDHURY (geb. 1987, Dhaka, Bangladesch, lebt und arbeitet zwischen Los Angeles und Portland). Chowdhurys Gemälde beziehen sich auf verschiedene Geschichtsschreibungen, zeitgenössische und alte Mythologien und Mystik. Seine traumartigen Kompositionen sind verstörend und verführerisch zugleich, und ihre mehrdeutigen Motive wirken auf einer unbewussten Ebene zwischen Kognition und Emotion. Im Jahr 2013 schloss Chowdhury den MFA Fine Art am Otis College of Art and Design und 2009 den BFA Studio Art an der University of Minnesota Twin Cities ab. Jüngste Einzelausstellungen umfassen: A Divine Dance, Anat Ebgi, Los Angeles, CA (2019); Revelation Theater, kuratiert von Antoine Levi, Conceptual Fine Arts Live, Mailand, Italien (2019); Before Dreams, Antoine Levi, Paris, Frankreich (2018) und The Coldest Night, Upfor, Portland, OR (2018). Seine Arbeiten wurden 2019 in Gruppenausstellungen bei Foxy Production, New York, NY; Magasins Généraux, Pantin, Frankreich und White Columns, New York, NY gezeigt.

INGA DANYSZ (geb. 1990 in Warschau, Polen, lebt und arbeitet in Frankfurt/Main, Deutschland). In ihrer künstlerischen Praxis konzentriert sich Danysz auf die radikalen Veränderungen der Machtstrukturen im Laufe der Zeit. Während frühere Disziplinierungsmechanismen auf den scheinbaren Einfluss auf den Körper abzielten, ist die postdisziplinäre Gesellschaft mit der Aneignung des gesamten sozialen Raums konfrontiert. Danysz hinterfragt die Paradoxien der Kontrollgesellschaft, deren Verleugnung repressiver Machtstrukturen und untersucht die Anzeichen eines postdemokratischen Umschwungs. Danysz nahm am Programm De Ateliers in Amsterdam (2015 - 2017) teil. Ihre Arbeit wurde kürzlich in eine Gruppenausstellung im Bielefelder Kunstverein aufgenommen (2019/20). Anfang 2019 war sie an Ausstellungen in der Fondazione Antonio Ratti, Como und Skaftfell Center for Visual Arts, Seydisfjoerdur, und 2015 im Museum für Moderne Kunst MMK Frankfurt/Main und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden beteiligt. Im Jahr 2016 erhielt sie den Columbus Award for Contemporary Art und veröffentlichte kürzlich den Katalog Insufficient Funds sowie das Kunstbuch Metamorphosis of the 21st Century Minotaur.

EVA GOLD (geb. 1994 in Manchester, lebt und arbeitet in London, Großbritannien). Ihre Praxis umfasst Bildhauerei, Installation, bewegtes Bild und Schrift; oft kombiniert sie diese Medien in einem Prozess des fragmentierten Geschichtenerzählens. Indem sie Themen aus den Bereichen Architektur und Film zusammenbringt, nutzt sie die emotionalen Fähigkeiten von Orten, wie sie durch das filmische Gedächtnis erfahrbar werden. Auf diese Weise navigiert Gold über ein Meer von Gefühlen wie Begierde und Ekel und deren oft unbehagliches Näheverhältnis. Gold schloss mit einem Postgraduiertendiplom an den Royal Academy Schools (2016-19) und mit einem BA Fine Art & History of Art am Goldsmiths College, University of London (2013-16) ab. Im Jahr 2020 wird sie ihre neue Auftragsarbeit Perv City bei Parrhesiades und CCA Goldsmiths, London, vorstellen. Zu den jüngsten Ausstellungen gehören: Die Wohnung, SET Project Space, London, Dinner Party, Royal Academy of Arts, London, Let me look at you, Centre for Recent Drawing, London und Room to Crawl, Becky's Unit 23 Penarth Centre, London, alle 2018.

MARIE MATUSZ (geb. 1994 in Toulouse, Frankreich, lebt und arbeitet in Basel). Ihre Praxis hinterfragt philosophische, soziologische und linguistische Theorien von Macht und Gerechtigkeit vom Mittelalter bis zur Gegenwart und stellt deren Nachvollziehbarkeit und Darstellbarkeit in Frage. Sie hat einen Bachelor of Fine Arts von der HEAD Genf und einen Master of Fine Arts vom Kunst-Institut der FHNW Basel. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören Golden Hour, Atelier- Amden, Amden (2019); The closest moment of the night is at the same time the closest to the day, Aargauer Kunsthaus, Aarau (2019); Stages of Recovery, Galerie Jan Kaps, Köln (2017); It will rise from the ashes, Espace Labo, Genf (2017). Retour à Rome, Schweizerisches Institut Rom, Rom (2019); Crocodile Tears, Salts (Fiancé), Birsfelden (2019); Dissonant Healing, Galerie Maria Bernheim, Zürich (2019); Discoteca Analytica, Fri Art Kunsthalle, Fribourg (2019); Hunter of Worlds, Salts, Birsfelden (2018); Namedropping, Galerie Jan Kaps, Köln (2017). Im Jahr 2018 wurde sie mit dem Kiefer Hablitzel / Göhner Kunstpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2019 erhielt sie den KunstKredit Basel-Stadt 2020.

MARINA SULA (geb. 1991 in Lezhe, Albanien, lebt und arbeitet in Wien, Österreich). Ihr Werk umfasst Installationen, Fotografie, Skulpturen und digitale Zeichnungen und erforscht die Beziehung von Subjekt/Objekt, Macht, Liebe und Begehren sowie die Art und Weise, wie diese entstehen und sich überlappen. Sula schloss 2018 ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien ab. Zu den Einzelausstellungen gehören: tba, Bazament, Tirana (2020); I'm Sorry, I can't, don't hate me in der Gabriele Senn Galerie, Wien (2019); Warten bei der Viennacontemporary (2019), für die sie den Bildrecht-Solopreis für die beste Einzelpräsentation erhielt. Ihre Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen u.a. in der Galerie PCP, Paris (2020), im Kunstforum, Wien (2020), im Belvedere 21 – Museum für zeitgenössische Kunst, Wien (2019), bei Egret Egress, Toronto (2018); Croy Nielsen, Wien (2018) gezeigt. --- KURATOR Olivia Aherne (geb. 1991) ist Kuratorin aus Großbritannien, wo sie als Assistant Curator of Exhibitions im Nottingham Contemporary arbeitet. Sie hat Ausstellungen/Projekte u.a. für die Art Night London, SAFA Shanghai, LUX und das Lewisham Arthouse kuratiert. Im Jahr 2018 erhielt sie in Partnerschaft mit der NEON Foundation und der Whitechapel Gallery den NEON Curatorial Award und nahm am Shanghai Curators Lab teil.