Aline Bouvy im Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Aline Bouvy, PUP I, 2019, fired clay, aquarelle, synthetic hair, glass eyes, calicot, filling, wood, metal wire, epoxy clay, revolving motor

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Str. 10/d, 10999 Berlin
Deutschland

KünstlerIn: Aline Bouvy

Titel: PUP

Datum: 3. Oktober – 27. Oktober 2019

Fotografie: Courtesy the artist and Künstlerhaus Bethanien | Foto: David Brandt für Künstlerhaus Bethanien

Notiz: Soundarbeit Schlaraffenland (Original composition by Pierre Dozin based on "Ich bin die fesche Lola")

Ausstellungstext:

Aline Bouvy simuliert in ihrer Ausstellung PUP einen öffentlichen Platz, eine Flaniermeile für das Publikum und einen Ort, der nicht eindeutig in der Gegenwart liegt. Die Werbeplakate an den Wänden sind Produkt aus Bouvys künstlerischer Auseinandersetzung mit der Zeitschrift "Die Frechheit. Ein Magazin des Humors. Zugleich Programm des Kabaretts der Komiker" (1928- 33). Die sowohl witzigen wie auch provokativen Grafiken spielen auf das Berliner Spießbürgertum zu Beginn des 20. Jahrhunderts an und bezeugen eine überraschende Offenheit gegenüber Homoerotik und starken Frauenbildern. Gerade in der Populär- und Kleinkunst, von der Bouvy fasziniert ist, erkennt die Künstlerin spitzfindige Reaktionen auf soziale Missstände und starke Emotionen, die sie in ihren Arbeiten aufgreift und neu formuliert. Zuletzt ging daraus eine vierteilige Objektgruppe hervor, die sich auf Bänken platziert im Raum verteilt. Die einzelnen Figuren geben Geräusche von sich, vollführen automatische Bewegungen oder verharren in regungsloser Pose. Deren sexuelle Konnotation, darunter die offensichtliche Anspielung auf das weibliche und das männliche Geschlecht, ist potentieller Störenfried im öffentlichen Raum, im White Cube beziehungsweise im Blick des Betrachtenden. Bouvy mag es, ihr Publikum zu überraschen und zu verunsichern. Bewusst kratzt sie dabei an den Grenzen der Salonfähigkeit und an den gesellschaftlichen Erwartungen an eine seriöse Künstlerin. Sie möchte zum Nachdenken über soziale Normen und moralische Zwänge anregen. Bouvy redet nicht gerne um den heißen Brei. Dafür schlüpft sie auch selbst in ihre Arbeiten und benutzt den eigenen Körper zum Erstellen von Abdrücken oder erschafft eine plastische Doppelgängerin, die auf der Bank im Ausstellungsraum sitzend ungehemmt mit Fleischklopsen spielt.

Aline Bouvy *1974 in Brüssel, lebt und arbeitet in Berlin, Brüssel und Luxemburg. Ihre künstlerische Ausbildung absolvierte sie unter anderen an der École de Recherche Graphique in Brüssel und an der Jan van Eyck Academy in Maastricht. Sie nahm bereits an zahlreichen Gruppenausstellungen Teil; 2018 hatte sie Einzelausstellung im Münchener Ausstellungsraum Loggia, der Galerie Nosbaum Reding in Luxemburg und der Galerie Baronian Xippas in Brüssel. Derzeit ist als Stipendiatin des Kulturministeriums des Großherzogtums Luxemburg im Künstlerhaus Bethanien zu Gast.