Was vom Kino übrig blieb

Anne Collier, Crying Women #9, 2016 Courtesy die Künstlerin, Anton Kern Gallery, New York; Galerie Neu, Berlin; The Modern Institute/ Toby Webster Ltd., Glasgow; Marc Foxx Gallery, Los Angeles; ©Anne Collie
10.02.2018, 10:00 bis 22.04.2018, 18:00
Künstlerhaus Halle für Kunst & Medien
Burgring 2
8010 Graz
Österreich

Öffnungszeiten:

täglich außer Montag: 10 – 18 Uhr
Donnerstag: 10 – 20 Uhr

John Baldessari, Erica Baum, Joseph Beuys, Jörg Buttgereit, Anne Collier, Siegfried A. Fruhauf, Karl Holmqvist, Ito Ryusuke, Björn Kämmerer, Johann Lurf, Bernd Oppl, Katrin Plavčak, Eric Rondepierre, Constanze Ruhm, Hans Scheugl, Viktoria Schmid, Michaela Schwentner, Haim Steinbach, John Stezaker, Mika Taanila, Antoinette Zwirchmayr

Die genre- und generationenübergreifende Ausstellung stellt historischen und aktuellen künstlerischen Positionen ausgewählte filmhistorische Exponate gegenüber, um der Wirkmacht und dem Nachhall des Kinos auf die Kunst und dem „kulturellen Gedächtnis“ nachzugehen. Die enorme gesellschaftspolitische Relevanz, die das Leitmedium „Film“ des 20. Jahrhundert innehatte, gehört unzweifelhaft der Vergangenheit an. Das Kino ist heute nur noch ein popkulturelles Unterhaltungsangebot unter vielen, ein Durchlauferhitzer in einer Kette synchronisierter Marktsegmente.

Die Themenschau bildet hybride Passionen und individuelle Obsessionen rund um den Kosmos Kino ab. „Was vom Kino übrig blieb“ wird von der Kunst aufgelesen, diversen Transformationsprozessen unterzogen und erfährt dadurch auch eine kritische Ehrung. Die Ausstellung versammelt eine Auswahl an filmspezifischen Kunstwerken und Artefakten, welche die Welt des Kinos – abseits von Filmen – hinterlassen hat. Von Interesse für diese thematische Ausstellung sind vor allem der Objekt- und der Fetisch-Charakter dieser Artefakte wie deren spezifische Materialität.

Das Schwinden der Kinokultur wird von den beteiligten Künstler_innen vielfältig thematisiert. Unzählige Motive aus der Filmgeschichte sind längst in das kollektive Bildgedächtnis eingegangen und werden oftmals, nicht zuletzt aufgrund ihrer Allgemeinverständlichkeit von Künstler_innen paraphrasiert, wobei sich Affirmation, Appropriation und (Repräsentations-)Kritik keineswegs ausschließen müssen. Die beteiligten Filmemacher_innen und Künstler_innen greifen unterschiedliche, etwa medienhistorische, technische, formal-ästhetische, soziologische oder psycholo-gische Aspekte einer globalen audiovisuellen Filmkultur auf, deren Bedeutung jedoch stetig abnimmt.

„Film“ meint hier sowohl ein elektromechanisches, optisches Verfahren, als auch eine tradierte Form audiovisueller Narration. Im Ausstellungskontext wird das Medium Film auf Weisen hinterfragt, die im Kino aufgrund des gegebenen unverrückbaren Dispositivs nicht möglich sind. Wesentlich dabei ist neben der Kontext-Verschiebung vor allem der Materialaspekt von Analog-Film, so wie auch der von Devotionalien, Merchandise-Artikeln, Relikten und Reliquien aller Art.

Der melancholische Titel der Schau ist bewusst mehrdeutig gewählt. Es handelt sich um eine Paraphrase auf den berühmten Roman- und Filmtitel „Was vom Tage übrig blieb” („The Remains of the Day”, Kazuo Ishiguro, 1989; James Ivory, 1993) und spielt im wörtlichen Sinn interpretiert auf die „Überreste” und die „Hinterlassenschaften” von Filmproduktionen an. Der Titel könnte auch die Frage beinhalten, was heutzutage – in Zeiten von Smartphones und Web 2.0 – noch an „Kino-Kultur” lebendig ist? Zugleich kann man ihn aber auch so lesen, als wäre das Kino bereits vergangen und nur mehr Reste und Ruinen davon übrig.

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