Vernissage: Galerie nächst St. Stephan: Bernard Frize – Turn the Pieces into a Place

30.01.2016, 14:00
Galerie Nächst - St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
Grünangergasse 1,
1010 Wien
Österreich

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 11.00 – 18.00
Samstag: 11.00 – 16.00

Kontakt:

Telefon: +43 (0)1 5121266

E-Mail: galerie@schwarzwaelder.at

Zur Eröffnung spricht Daniel Spanke, Kurator Kunstmuseum Bern

„Turn the Pieces into a Place“ ist die 5. Einzelausstellung von Bernard Frize in der Galerie nächst St. Stephan. Es werden neue, vorwiegend 2015 entstandene Werke gezeigt, die mit überraschenden Ergebnissen aus Frizes Atelier für prozessuale Malerei aufwarten.
Eine der Bildserien setzt im oberen Bildteil Schwarz ein, um daraus unter der gleichzeitigen Verwendung von mehreren Pinseln vertikale Farbbahnen sich quasi ergießen zu lassen. In einer anderen Bildserie lässt Frize auf der horizontal gelegten Leinwand mehrere Farben ineinanderfließen, sie bilden Schlieren und feine Marmorierungen und lassen an einen Ölfilm auf der Wasseroberfläche denken. Auf die Frage, was ihm beim Malen Freude bereite, antwortete Bernard Frize einmal: „... wenn es mir gelingt, einen kleinen Mechanismus zu erfinden, einen Motor, der von selbst läuft. Der mich nicht mehr benötigt.“ Frizes konzeptuelle Malerei, die auch als „peinture automatique“ beschrieben wurde, beruht auf Bedingungen, die Prozesse in Gang setzen, um die Produktion von Malerei auf der Leinwand sichtbar zu machen. Er arbeitet in Serien, auch an unterschiedlichen gleichzeitig, um die Möglichkeiten seiner getroffenen Entscheidungen zu testen und auszuloten. Die Möglichkeiten der Variationen sind vielfältig, ihre Wirkung ist sinnlich und eindrücklich, die Farbigkeit verführerisch.
In der Diskussion um die zeitgenössische abstrakte Malerei nimmt Bernard Frize mit der Strenge seiner künstlerischen Entscheidungen und der gleichzeitigen Freiheit im Umgang mit ihnen eine singuläre Position ein. Er liebt Paradoxien in der Malerei. „Damit der Zufall eine Chance hat, muss man Bedingungen schaffen, die ihn ermöglichen und dazu gehört viel Zeit. Das ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, Situationen zu arrangieren, in denen man nichts tut und die Dinge von selber geschehen.“ Ein weiteres Paradoxon ist die Farbe, die ihn „nicht sonderlich interessiert“ und dennoch der entscheidende Rohstoff seiner Tätigkeit ist. Wenn Frize sie unhierarchisch auf experimentelle oder technisch-mechanische Weise verwendet, rückt er das Malen als Handwerk in den Mittelpunkt und erteilt der Idee eines künstlerischen Schöpfungsakts entschieden Absage. Frize erforscht die Widersprüche der Malerei, um daraus die Dynamik der Arbeit zu entwickeln. Er mischt Kunstharz in die flüssige Acrylfarbe, um eine persönliche Handschrift und die Emotion des Pinselstrichs zu vermeiden. So sind die reizvollen, doch gleichsam versiegelten Bildoberflächen zum Erkennungsmerkmal seiner Malerei geworden.
Bernard Frize wurde mit dem Käthe-Kollwitz-Preis 2015 der Akademie der Künste Berlin ausgezeichnet. „Mit großer Raffinesse arbeitet er nicht nur an der zeitgenössischen Weiterentwicklung malerischer Abstraktion, sondern auch an einer Topologie malerischer Gesten und Strukturen“, hieß es in der Begründung der Jury, der Ayşe Erkmen, Mona Hatoum und Karin Sander angehörten. „Turn the Pieces into a Place“ ist eine teilweise Übernahme der Preisträger-Ausstellung.

 
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