Vika Prokopaviciute

26.09.14

Abstrakte Schutzräume

Die Überlegung ist wohl nicht falsch, dass gute abstrakte Malerei schwieriger ist als figurative. Schließlich hat man keine gegenständlichen Motive, keinen Raumbezug, nichts, woran man sich orientieren kann – nur die Kraft der Farbe, die Präsenz der Linie, den Ausdruck des Duktus. Vika Prokopaviciutes Weg geht über die Figuration, in sehr malerischer Weise. Mit sichtbaren Pinsel- und Farbspuren, malt sie anfänglich moderne Stillleben mit Lebensmitteln in ihren charakteristischen Markenverpackungen oder das überladene Tablett mit Fastfood des bekannten amerikanischen Schnellgastronomen. Auch die aktuellen Arbeiten gehen vom Gegenständlichen aus, wie die Titel ihrer rezenten Serien „Shelter“ und „Roof“ beweisen. Ein Unterschlupf vor Kälte und Nässe, ein Dach überm Kopf, das Geborgenheit und sogar Trost impliziert, wird der Ausgangspunkt für ausdrucksstarke Abstraktionen. Monumentale Farbflächen wie Zeltplanen von oben herabhängend, stoßen auf panelartig geschichtete, vertikale und horizontale Felder, der kraftvolle Pinselduktus bestimmt die Wirkung der großformatigen Bilder. Giebelformen, Maschendrahtzäune, tragende und lastende Elemente werden in freie Malerei umgesetzt. Die tektonische Präsenz dieser Schutzräume wird durch Aussparungen der Ölfarbe auf der Leinwand aufgelockert, das Weiß des Malgrundes bringt Licht und Leichtigkeit in die Kompositionen. Die Künstlerin, 1983 in Vilnius, Litauen, geboren, studiert seit 2012 an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Johanna Kandl. Im Juni 2013 realisiert Vika Prokopaviciute gemeinsam mit ihrer Studienkollegin Lena Sieder-Semlitsch „Two sight“,  eine Rauminstallation im Lichthof der Angewandten mit schwebenden Papierarbeiten, deren dynamische, vegetabil-wuchernde Linien an Blätter, Baumstämme, Wasseroberflächen erinnern. (Karla Starecek)

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