ULLI STURM im Gespräch mit HEMMA SCHMUTZ, der neuen Kuratorin des LAKESIDE KUNSTRAUMES

24.04.15

Der KUNSTRAUM LAKESIDE, der heuer sein 10-jähriges Bestehen in Klagenfurt feiert, hat seit März eine neue künstlerische Leiterin, die im Kontext der zeitgenössischen Kunst in Österreich keine Unbekannte ist. Hemma Schmutz, studierte Kunsthistorikerin und Germanistin, war zuletzt von 2005 bis 2013 Direktorin des Salzburger Kunstvereines. Sie lehrte unter anderem an der Universität Mozarteum in Salzburg und an der Technischen Universität in Wien. Sie war Beiratsmitglied der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich und in ihrer Anfangszeit wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin der Generali Foundation in Wien. Derzeit lebt Hemma Schmutz in Wien und unterrichtet Kunst im öffentlichen Raum an der Universität für angewandte Kunst.

US: Sie sind gebürtige Kärntnerin, hat das ihre Entscheidung die Leitung des Kunstraumes Lakeside anzunehmen, mitbeeinflusst?
HS: Ich fühle mich dem Land noch immer sehr verbunden. Aber ebenso wichtig für meine Entscheidung war, dass der Kunstraum Lakeside unter der kuratorischen Leitung von Hedwig Saxenhuber und Christian Kravagna zehn Jahre lang ein anspruchsvolles und innovatives Programm verfolgt hat. Es ist eine große Leistung, eine neue Institution aufzubauen und zu etablieren, besonders wenn man die politischen Umstände berücksichtigt.

US: Was kann ein der zeitgenössischen bildenden Kunst gewidmeter Raum in der spezifischen topografischen Lage am Rande der Stadt als Teil eines Technologieparks leisten?
HS: Die Verbindung zum Technologiepark ist spannend. Wir können da auch als kritisches Korrektiv fungieren. Welche technischen Innovationen sind es wert, dass sie verfolgt werden, von welchen sollte man lieber die Finger lassen? Viele KünstlerInnen interessieren sich für Fragen wie Biopolitik, Klimaschutz und Stadtentwicklung und thematisieren das in ihren Arbeiten. Und, wenn man am Rand liegt, dann muss man sich selbst bewegen. Dies ist z.B. bereits mit meinem ersten Projekt mit Six/Petritsch im Kunstraum Lakeside passiert, eine Aktion im öffentlichen Raum des Landes, die die fragwürdige Erinnerungskultur Kärntens thematisiert.

US: Diese Position ist als freie und vorwiegend externe kuratorische Leitung definiert. Was sehen Sie als ihre vordringlichsten Aufgaben?
HS: Die vordringlichste Aufgabe ist, die Verbindung mit einem lokalen, aber auch einem internationalen Publikum zu stärken. Dies passiert am besten in Form von Kooperationen.

US: Welche inhaltliche Richtung wollen Sie mit dem Programm 2015 im Jubiläumsjahr einschlagen?
HS: Für 2015 hab ich mir eine Art Bestandsaufnahme vorgenommen unter dem Titel Ortbestimmung. So wird es im Sommer z.B. eine Ausstellung zu Christine Lavant geben. Sie wäre 2015 hundert Jahre alt geworden und ist die erste weibliche Künstlerin aus Kärnten, die überregional wahrgenommen wurde. Wichtige Kontakte, z.B. zu Thomas Bernhard, hat sie über den Tonhof in Maria Saal geknüpft. In dem Zusammenhang frage ich mich, was ist notwendig, dass ein innovatives Klima in einem Land entsteht und was kann ich dazu beitragen?

US: Wer ist das Publikum bzw. der Adressat der Ausstellungen und Veranstaltungen?
HS: Ich verstehe meine Arbeit nicht als schnellen Durchlauferhitzer für einen internationalen Kunstmarkt. Ich hätte gerne, dass in diesem Raum substantielle Dinge entstehen. Wenn im Zusammenhang mit Ausstellungen, neue und wichtige Arbeiten von KünstlerInnen produziert werden, dann zirkulieren die früher oder später im Kunstfeld und sind die beste Werbung für einen Raum.

US: Wie können neue potenzielle Besucherschichten angesprochen werden?
HS: Interesse wird geweckt, wenn es in irgendeiner Form eine Verbindung zu einer Institution gibt – das kann über eine inhaltliche, berufliche oder auch persönliche Ebene passieren. Six Petritsch haben z.B. in ihrem Projekt „Das Denkmal“ einen wunden, noch nicht wirklich aufgearbeiteten Punkt berührt. Dazu hat jeder eine Meinung und ein Verhältnis und dies kann über eine Aktion und eine Ausstellung ausverhandelt werden.

US: Der KUNSTRAUM ist ja in unmittelbarer Nähe zur Alpen Adria Universität angesiedelt. Noch gibt es dort ein Institut für angewandte Kulturwissenschaften, wie wollen Sie die Studierenden dazu animieren sich mehr für zeitgenössische Kunst zu interessieren?
HS: Ich war sehr begeistert zu sehen, dass es dieses Institut für angewandte Kulturwissenschaften gibt und wie vielfältig und spannend die Lehrveranstaltungen sind. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Kollaborationen mit unterschiedlichen Instituten der Universität, dies möchte ich gerne auch in Zukunft fortführen und hoffe, so auch die Studierenden zu einer größeren Teilhabe am kulturellen Leben zu animieren.

US: In der Vergangenheit hat es nicht viele Kooperationen mit anderen Kunstinstitutionen in Klagenfurt gegeben. Wie wollen Sie Synergien erzeugen?
HS: Schon im Rahmen der Ausstellung der jungen rumänischen Künstlerin Ioana Paun, die am 13. Mai eröffnet wird, arbeiten wir u.a. mit der Universität und dem Verein lendhauer zusammen. Ich freue mich, dass so unterschiedliche Szenen zusammengebracht werden können.

US: Kärnten hat ein großes Potenzial an bildenden KünstlerInnen, ist aber durch extreme Abwanderung „verarmt“. Wird es im Kunstraum in Zukunft auch Projekte mit KünstlerInnen des Landes geben?
HS: Das ist eine Frage, die nicht nur Kärnten betrifft, sondern alle Regionen, die abseits der großen Kunstzentren liegen. Es wird für KünstlerInnen immer schwieriger, von einer mittleren Stadt aus eine Kunstkarriere zu betreiben. Denken Sie z.B. auch an Deutschland - da tummeln sich alle in Berlin. Ich denke, die Bedingungen zu schaffen, dass sich KünstlerInnen in einer Region entwickeln können, das sollte an erster Stelle die Kulturpolitik leisten. Der Kunstraum hat sich in den letzten Jahren immer wieder darum bemüht, Kärntner KulturarbeiterInnen und WissenschaftlerInnen in die Programme zu integrieren und zu involvieren. Bei kultureller Arbeit in den Regionen geht es immer darum, eine gute Balance von lokalem, nationalem und internationalen In- und Output zu finden.

US: Kärnten steckt in einer veritablen Krise, viele kleinere Kultur- und Kunstinstitutionen sind am „verhungern“! Sehen Sie darin die Arbeit für die zeitgenössische Kunst gefährdet?
HS: Es ist bedauerlich, dass, wie eigentlich überall, bei finanziellen Krisen als erstes die Ausgaben für die Kultur gestrichen werden und hier zumeist mit den kleinsten Initiativen begonnen wird, deren Lobby am schwächsten ist. Die Kunst- und Kulturszene bräuchte jetzt eigentlich eine Stimmung des Aufbruches.

US: Wollen wir das Beste hoffen! Vielen Dank für das Gespräch.

 

„KUNST IST SCHÖN, ABER MACHT VIEL ARBEIT“ (Karl Valentin) 

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