Peter Nachtigall

24.09.14

Die Menge macht's

Er hat in seinem Leben schon ein paar tausend Bilder gemalt, kleine, überwiegend quadratische Formate. Figurativ-realistische Motive, abstrakt-gestische Expressionen, konkret-konstruktivistische Kompositionen, dekorativ-ornamentale Strukturen – die Vielfalt erstaunt. Die Kunstgeschichte des letzten Jahrhunderts dient Peter Nachtigall ebenso als Quelle wie die Bilderflut des Internets. Mal malerisch virtuos, dann wieder bewusst schlecht gemacht, in der Art eines „Bad Paintings“, entstehen Tag für Tag neue Gemälde. Leben kann er von seiner Kunst nicht, deshalb jobbt Nachtigall, 1975 in Donskoje, Russland, geboren, bei einem schwedischen Einrichtungshaus. Wenn er nach der Arbeit heimkommt, beginnt das kreative Schaffen. Schmunzelnd erzählt der Künstler, dass das Malen eines abstrakten Bildes für ihn wie stricken sei, etwas, was man nebenbei beim Fernsehen machen kann. Sein Umgang mit dem traditionsreichen Medium ist spielerisch, in seiner Kunst hinterfragt er die Rolle des Malers in der heutigen Zeit, die Art der Bilderpräsentation, die Funktion des Kunstmarkts und die Bedeutung von Bildern im Allgemeinen – alles mit einer Portion Humor. In Ausstellungen arrangiert er seine kleinen Bilder zu Installationen, nagelt sie in Petersburger-Hängung an die Wände oder schlichtet sie am Boden zu Formationen. Auch in offenen Kästen, den berühmten Billy-Regalen nachempfunden, werden seine Malereien, Leinwandseite neben Leinwandseite, präsentiert – Assoziationen zu Bücherregalen, Schallplattensammlungen und Kunstdepots sind erwünscht. Die Bilder werden zu einem persönlichen Bildarchiv, die auch an ihren Rändern mit einer Ordnungsnummer versehen werden. In seinen Installationen kann man nie alle Bilder betrachten, sie verlieren ihre Individualität, werden Mittel zum Zweck und existieren nur in der Masse. Die Auswahl der jeweiligen Hängung oder Installation ist zufällig und die Gegensätzlichkeit und Vielfalt der Bilder erwünscht. Peter Nachtigall studierte zwischen 1998 und 2002 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Muntean/Rosenblum. Seine Malerei präsentiert er mit einem dynamischen und vor allem aktuellen gegenwärtigen Drive und eröffnet dadurch neue, ungewöhnliche Blickwinkel auf das Medium. 

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