Kunstvoll eingebettet | Dr. Helmut Marko

05.05.17

Kunstförderer, Rennsportlegende und Investor – Helmut Marko schafft Brückenschläge und kreiert mit seinen Grazer Kunsthotels semi-öffentliche Ausstellungsflächen. Über 900 Werke, unter anderen von Gunther Damisch, Michael Kienzer, Maria Lassnig, Jürgen Messensee, Max Weiler und Franz West, schmücken seine Häuser. Diesen Frühling eröffnete sein neues Lendhotel.

GERHARD KRISPL: Wie ist Ihr Zugang zur Kunst? Was war das Besondere an Ihrem ersten Kunstkauf von Hans Staudacher?

HELMUT MARKO: Ein gewisses Kunstinteresse war immer schon da und ist durch die Begegnung mit Hans Staudacher auf eine professionelle Ebene gelenkt worden. Er hat mir erklärt was ihn antreibt und mir so ein Verständnis für Kunst vermittelt. Wie viele Künstler, unter anderen Jean Tinguely oder Frank Stella, ist Staudacher damals bei Autorennen aufgekreuzt. Es gibt eine Affinität zwischen Top-Künstlern und Motorsport auf höchstem Niveau. Geschwindigkeit und Technik sind auch für Künstler, die so im Extremen agieren, faszinierend.

GK: War es für Sie nach dieser Initialzündung klar, dass Sie sammeln möchten?

HM: „Sammeln“ ist vielleicht gar nicht so der richtige Ausdruck. Was ich erworben habe, war immer das was mir intuitiv gefallen hat. Alle Bilder die ich erwerbe erhalten auch ihren speziellen Platz.

GK: Mit Ihren „Kunsthotels“ haben Sie eine Art permanenten Ausstellungsort und gleichzeitig auch Wohnraum mit gehobenem ästhetischen Anspruch geschaffen. Ihre Hotelgäste werden quasi schon beim Betreten der Lobby zu „Kulturreisenden“. Wie kam es zu dieser Idee?

HM: Mit der erweiterten Kunst Ankaufstätigkeit ist gleichzeitig die Projektidee der Kunsthotels entstanden. Das war ein glücklicher Zufall, dass man so eine semi-öffentliche Präsentation gefunden hat. Wobei, nicht allen Hotelgästen gefällt das. Es kann auch vorkommen, dass wir Bilder für unsere Gäste umhängen.

GK: Gibt es auch Zimmerwünsche ausgestattet mit speziellen Künstlern oder Galeristen und Sammler die Ihre Kunsthotels gezielt besuchen?

HM: Ja das gibt es auch. Das ist inspirierend. Es kommen etliche Galeristen die Bilder kaufen wollen, aber wir verkaufen nichts, sondern verweisen auf die jeweiligen Galerien. Zum Beispiel hat der Sammler Heinz Josef Angerlehner, Gründer des gleichnamigen Museums in Thalheim bei Wels, bei uns viele Adressen von jungen Künstlern bekommen.

GK: Welche Strategie haben Sie bei der Positionierung der Werke?

HM: Innerhalb der Hotels gibt es gewisse Schwerpunkte. So liegt der Fokus im Schlossberghotel bei klassischer und im Augartenhotel bei zeitgenössischer Kunst. Das neue Lendhotel möchte ich mit ganz junger, internationaler Kunst ausstatten.

GK: Wird man mit der Zeit sammelwütiger oder doch wählerischer?

HM: Nein, ich bin nicht sammelwütig. Was für mich angenehm ist, ist ein Aufleben von Erinnerungen beim Betrachten der Bilder. Ich lebe intensiv in die Zukunft, nie in der Vergangenheit, durch die Kunst kommen aber Sachen auf und das ist immer sehr erfrischend.

 

Helmut Marko (73) führt ein Leben auf der Überholspur. 1971 bis 1972 startete er bei neun Formel-1-Rennen. 1971 gewann er das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Nachdem ein Unfall seine Karriere abrupt beendete, kehrte Marko als Teamchef zum Motorsport zurück und leitet seit vielen Jahren als Motorsportchef das Red Bull Racing Team. Er gilt als Entdecker und Mastermind des 4-fachen Weltmeisters Sebastian Vettel und engagierter Förderer des Nachwuchsteam Torro Rosso. Darüber hinaus ist der promovierte Jurist und passionierte Kunstliebhaber Hotelier mit Anspruch und bewirtschaftet zum Ausgleich einen 300 Hektar großen Wald an der Südostseite des steirischen Plabutsch.