Glaser/Kunz – das Künstlerduo

06.10.16

Seit 2000 arbeiten Daniel Glaser (*1968) und Magdalena Kunz (*1972) als Künstlerduo zusammen. Sie leben und arbeiten in Zürich in einem schönen Atelierhaus in der Nähe der Seilbahn Rigiblick.
In Österreich war 2012/13 die beeindruckende Installation „Homeless“ in der Johanniterkirche in Feldkirch zu sehen, eine gelungene Verbindung von Skulptur, Film und Rauminstallation. Die genreübergreifenden Arbeiten von Glaser/Kunz sind Videoprojektionen auf in höchster Präzision geformte Körper, deren einprägsamer Wirkung man sich nicht entziehen kann. Einen Moment lang glaubt der Betrachter, es handle sich um lebendige Schauspieler in einer Live-Performance. Dieser Eindruck entsteht dadurch, dass ihre Skulpturen durch die Videoprojektionen lebendig werden. Kinematografische Skulpturen nennen Glaser/Kunz diese Form der Performance, zugleich sind sie eine Antwort auf die Frage einer zeitgenössischen Interpretation des Figurativen im Medium Skulptur. „Uns geht es darum, die Skulptur in eine Zeitkunst zu überführen und damit eine Form von Performance zu etablieren. Eine neue Zwischenform zwischen Fiktion und Realität entsteht.“ Die Art und Weise, wie das Künstlerduo neue technische Möglichkeiten und digitale Medien für seine Arbeiten verwendet, fasziniert. In ihren neueren Arbeiten lösen Glaser/Kunz die perfekte Illusion auf, indem wie in der aktuellen Arbeit „Ich lebe!“ die Figur plötzlich aus ihrer Projektion steigt und die lebensgroße Skulptur als solche ohne Projektion im Raum stehen bleibt. „Die projizierte Figur verlässt ihre körperliche Hülle und lässt sich als zweidimensionales Abbild auf der flachen Wand neben der entleerten Skulptur zur Ruhe nieder. Die Zuschauer erleben auf der Metaebene Täuschung und Enttäuschung, sobald die Frau ihre Präsenz im Raum durch das Verlassen ihrer dreidimensionalen Wirklichkeit verliert und das körperhafte In-der-Welt-Sein zugunsten einer zweidimensionalen, rein geistigen Anwesenheit aufgibt“, so Glaser/Kunz. In der Arbeit „Franziska“ (2012) ist ein Kopf in zwei Hälften geteilt, auf denen Mimik und Stimme zeitlich verschoben und dadurch überlagert wiedergegeben werden. Platziert ist der Kopf auf Holzkisten und Holzschachteln, die in ihrer Formensprache Werke der Kunstgeschichte antizipieren und den Eindruck eines fragmentierten Körpers suggerieren. Eine weitere multimediale Installationen heißt „Kopfkino“. Sie entstand während eines mehrmonatigen Atelieraufenthalts in Paris. Aufnahmen aus dem Atelier wechseln mit Straßenszenen und Bildern vom Geschehen im Kulturzentrum Le 104 ab. Diese filmischen Welten spiegeln sich auf einem dreidimensional geformten Kopf, überlagert von den wechselnden Emotionen des gefilmten Gesichts der Künstlerin. Als Betrachter scheint einem diese Arbeit den Einstieg in die Lebens- und Gedankenwelt der Künstlerin zu ermöglichen. „Uns beschäftigt das Hier und Jetzt. Bestehende Gewissheiten sind ins Wanken geraten. Der Zweifel und die Verunsicherung sind zu Hauptthemen unserer Gesellschaft geworden. Wir Menschen zerstören aus Gier, Machtansprüchen, Unüberlegtheit und strukturellen gesellschaftlichen Gewohnheiten die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Wir experimentieren mit der Erde wie in einem Labor und wissen nicht, was dabei herauskommt.“ Dabei bieten Glaser/Kunz weder Lösungen an noch erzählen ihre Figuren eine Geschichte mit Anfang und Ende. Vielmehr wird man Beobachter einer Szene, eines Gesprächs zwischen Personen, wie in den Installationen „Homeless“ oder auch in „Ich ist ein anderer“, einer Arbeit, die Glaser/Kunz 2014 im Bahnhof Winterthur realisierten. Stets gelingt es den Performances, der zeitbasierten Kunst von Glaser/Kunz, aktuelle Stimmungen aufzugreifen und diese in neuer Form zu thematisieren, sodass man unwillkürlich involviert wird. „Kunst ist eine wunderbare Möglichkeit, über das Leben nachzudenken“, sind Glaser/Kunz überzeugt, „sie kann im besten Fall ein Spiegel sein, ein Auslöser, um den Moment besser zu verstehen.“ Bis November sind aktuelle Arbeiten der Künstler in der IG Halle Rapperswil und im Kunsthaus Interlaken zu sehen. Einzelausstellungen finden im folgenden Jahr im Kunstmuseum Thurgau und in der Kunsthalle Wil statt.

glaserkunz.net

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