Eine Begegnung mit dem Sammlerpaar Bernhard und Elisabeth Hainz

25.09.14

Mit zeitgenössischer Kunst leben

Wie ein „geistiges Jogging“ sei die Auseinandersetzung mit den künstlerischen Positionen und Werken, betont Bernhard Hainz. Die Leidenschaft und Begeisterung ist spürbar, wenn der anerkannte Jurist für Arbeitsrecht über seine Kunstsammlung spricht. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth sammelt er seit zwanzig Jahren Kunst. Nach Stimmungsimpressionismus, Expressionismus, Klassische Moderne und Zwischenkriegszeit hat sich das Sammlerpaar seit nunmehr zehn Jahren vor allem der zeitgenössischen Kunst zugewandt.

Begonnen hat alles mit Joan Miró und Rudolf von Alt. Kunstwerke dieser zwei so unterschiedlichen Künstler standen vor zwanzig Jahren am Beginn der Sammelleidenschaft. Besonders prägend war damals die Beziehung zu dem Maler Karl Stark – eine Freundschaft, die auch in zahlreichen Sammlungsankäufen seinen Niederschlag gefunden hat.

Viele wichtige Positionen der österreichischen Gegenwartskunst sind heute mit Werken in der Sammlung Hainz vertreten: Arnulf Rainer und Maria Lassnig, Franz West, Erwin Wurm und Gelitin, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler und VALIE EXPORT. Gerade bei weniger „prominenten“ Künstlern, ist die Sammlung am überzeugendsten, lässt sie doch die persönliche Handschrift durchscheinen, die jede gute Privatsammlung auszeichnet – Vorlieben, die sich nicht am Kunstmarkt orientieren oder auf Wertsteigerung spekulieren.

Antriebsfeder war und ist die Neugierde, Neues zu entdecken. „Wir halten nichts davon, wenn man nur Kunstbücher liest oder etwa im ‚Gewinn‘ nachschaut, von welchem Top-Shootingstar man jetzt unbedingt etwas kaufen soll. Das empfinden wir für absolut verfehlt und endet meistens im Unglück.“ Natürlich haben auch sie den Rat von Kunstexperten eingeholt, von Peter Kovacek, Georg Kargl oder Edelbert Köb. Besonders gern aber hören sie nach wie vor auf Empfehlungen von Künstlern, denn „die wissen wie es geht“. Und so ist es für Bernhard und Elisabeth Hainz auch besonders bereichernd, die Künstlerinnen und Künstlern kennenzulernen, ins Atelier zu gehen und sich unmittelbar mit Künstlerpersönlichkeit und Werk auseinander zu setzen. Auswahl und Kauf der Werke geschieht meist recht rasch und folgt optischen Kriterien, nachgelesen wird später.

Bernhard Hainz’ Leidenschaft ist ansteckend, sobald er über seine Lieblinge spricht, bei denen „Herz und Seele besonders drinnen hängen“ – so zum Beispiel Rudolf Polanszky, dessen paradoxe Objektarbeiten der Sammler mit Werken von Franz West vergleicht, über den leider viel zu früh verstorbenen Walter Obholzer, von dem er eine großformatige geometrische Malerei erwerben konnte oder auch über Traudel Pichler, die an der Akademie Künstler wie Gunter Damisch oder Siegfried Anzinger unterrichtete, mit ihrem eigenem malerischen Schaffen aber nicht jene Bekanntheit erlangte, die ihr ob der künstlerischen Qualität vielleicht zustehen würde. Bei manchen Künstlern reicht für Hainz eine gute Arbeit aus etwa bei Rainer oder Gelitin, andere, wie der Zeichner Klaus Mosettig, begleitet er hingegen intensiv und sammelt ihn in die Tiefe.

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf österreichischer Kunst, darunter finden sich erfreulich viele junge und jüngere Positionen wie Markus Schinwald, Esther Stocker und Gabi Trinkaus, Christian Eisenberger, Eva Wagner und Martin Schnur, Bianca Regl und Judith Fegerl. Immer wieder gibt es internationale Querverweise zu Künstlern aus Zentral- und Osteuropa (etwa Veliko Tarnovo und Plamen Dejanoff aus Bulgarien oder der kroatische Shooting-Star David Maljkovich.

In losen thematischen Gruppierungen wie Abstraktion, Figuration oder Aktionismus ist es ihm gelungen, die Stärken der Sammlung hervorzuheben – mit bisweilen überraschenden Gegenüberstellungen, etwa wenn in einem schmalen Gang eine expressive Kopfformation von Franz Ringel auf eine ausladende Malerei des deutschen Performancekünstlers Jonathan Meese trifft. „Wir würden uns schlecht und unwohl fühlen, Kunst nur zu kaufen, um sie zu besitzen und zu horten. Uns ist wichtig, mit ihr zu leben, aber auch, sie anderen zu vermitteln, einen Zugang und eine Beschäftigung zu ermöglichen“, bekräftigt das Sammlerpaar. „Die Kanzlei ist unser Museum und mit uns erfreuen sich 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Werken“.

Er müsse die Kunstwerke gar nicht besitzen, lässt Sammler Hainz am Ende unseres Gesprächs aufhorchen, ihm würde es reichen, wenn er sie als Leihgaben bekommen könnte, denn „es geht uns um das Leben mit der Kunst“. Überzeugende Worte eines Kunstliebhabers, dem der „geistige und intellektuelle Ausgleichssport“ und die Ausstrahlung eines Werkes wichtiger ist als dessen Besitz – vermutlich auch im Bewusstsein, dass die Kunst nie einem einzelnen Menschen allein gehören kann.