Brigitte Mang wechselt von Wien nach Dessau

17.02.17
© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Bildarchiv, Foto Heinz Fräßdorf

Faszination für die Aufklärung

Sie sieht ihren Umzug von Wien nach Dessau als „faszinierende Lebenschance“. Die ehemalige Direktorin der Österreichischen Bundesgärten Brigitte Mang begann mit Februar als Direktorin der Kulturstiftung Dessau Wörlitz. Zur Stiftung gehören das Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit einer Fläche von 142 Quadratkilometern Parkanlagen, Wiesen, Wäldern, Flüssen und fünf Schlössern (Schloss Wörlitz, Luisium, Oranienbaum, Mosigkau und Schloss Großkühnau) sowie bedeutenden Kunstsammlungen.

Für ihren neuen Arbeitsplatz schwärmt die neue Direktorin naturgemäß sehr. „Das Gartenreich entstand in der Aufklärung, als erstes auf dem Kontinent. Als es in den 1770/80er Jahren in Dessau und Wörlitz angelegt und gebaut wurde, war Österreich zum Beispiel noch lange feudal-absolutistisch orientiert“, sagt Mang. Dieses frühe Entstehen des Dessau-Wörlitzer-Gartenreichs trage sehr zur Einmaligkeit ihres neuen Arbeitsplatzes und ihrer Faszination für ihn bei. Ein weiterer Aspekt, der sie ebenso begeistere, sei die Dichte von Weltkulturerbestätten in der nahen Umgebung: Gleich nebenan in Dessau befinden sich Bauhaus und Meisterhäusersiedlung, nur einige Kilometer entfernt die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg.

Brigitte Mangs Begeisterung dient natürlich nicht allein zur Beschreibung persönlicher Beweggründe, nach Dessau, einer Stadt mit 83.000 Einwohnern, zu ziehen. Mang sieht in der Gemeinschaft und Nähe von drei Weltkulturerbestädten die Stärke des Gartenreichs. Darauf wolle sie mit ihrer Arbeit das internationale Interesse richten.

Negatives wird man von Brigitte Mang momentan nicht hören. Auch nicht über Österreich. Vielmehr ist die Landschaftsarchitektin im Gespräch mit PARNASS ehrlich begeistert von der Aussicht, beruflich noch einmal neu anzufangen. Aus Österreich wegzugehen, sei ihr angesichts der neuen Aufgabe in Sachsen-Anhalt allerdings auch nicht schwer gefallen. Es sei ja kein Geheimnis, dass sie die Entscheidung, die Österreichischen Bundesgärten als Dienststelle aufzulösen und der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn einzugliedern, nicht richtig gefunden habe, sagt Mang.

Die Erwartungen an sie in Sachsen-Anhalt sind hoch. Das Gartenreich liegt im Wahlkreis des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff. Der sagte bei Mangs Vorstellung in Dessau: „25 Jahre lang ist in das Gartenreich viel investiert worden. Weltniveau ist längst erreicht. Das wollen wir jetzt präsentieren.“ Haseloff erwartet, dass neue Zielgruppen erschlossen werden, die Stiftung sich internationalisiere  und es eine Vernetzung mit anderen Welterbestätten gebe.

Die erste große Aufgabe für die neue Direktorin wird das 100-jährige Stiftungsjubiläum 2018 sein. Wie gefeiert wird, berät und entscheidet die neue Direktorin gleich nach ihrem Amtsantritt am 1. Februar. „Es gab viele Einflüsse auf die Stiftung. Die Geschichte kann man in Perioden erzählen“, sagt Mang.

Diese Perioden waren nicht nur für die Entwicklung der Stiftung entscheidend, sondern auch für ihre neue Direktorin. Alle zehn Jahre etwa wechselte die 1959 Geborene die Arbeitsstelle. Den Direktorinnenposten bei der Kulturstiftung Dessau Wörlitz sieht sie als Krönung ihrer Karriere, die als Universitätsassistentin begann. Danach arbeitete sie als freie Landschaftsarchitektin, anschließend war sie zwölf Jahre Direktorin der Österreichischen Bundesgärten. In Dessau hat sie jetzt einen Fünfjahresvertrag unterschrieben.

www.gartenreich.com

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