Bianca Maria Samer

24.09.14

Der Versuch zu überleben

Sie hat keine Akademie besucht, der klassische Kunst- und Galeriebetrieb ist ihr vollkommen fremd, dennoch malt sie. Und ihre Bilder erschüttern, denn Bianca Maria Samer erhält mit 17 Jahren, knapp vor der Matura, die Diagnose Multiple Sklerose. Mittlerweile ist die Krankheit stark fortgeschritten und die junge Frau muss miterleben, wie ihr Alltag immer beschwerlicher wird, wie ihr Körper mehr und mehr verfällt, sie zu einer „lebenden Leiche“ wird, wie sie in Texten auf ihrer Homepage und ihrem You Tube-Kanal schreibt. 2003 findet sie in der Kunst eine Möglichkeit, ihre Ängste, Schmerzen und Verzweiflung auszudrücken. Bianca Maria Samer kokettiert nicht mit Schockeffekten, wenn sie ihren Körper in Einzelteile zerstückelt, sich mit Blutstränen oder mit aufgeritzten Pulsadern malt. Die Instrumente der Selbstverletzung, scharfe, metallisch-glänzende Rasierklingen, werden in vielen Bildern direkt auf die Bildträger appliziert. Als Autodidaktin eignet sich Samer die Technik der Acrylmalerei selber an, seit 2009 entstehen großformatige Leinwände. Ihre Selbstporträts, in gnadenlosem Realismus gemalt, sind nicht nur Spiegel-, sondern Seelenbilder. Ihr Leiden, ihre Selbstsicht und ihre surreale Symbolik mit Trauerfaltern, Kröten, Tier- und Menschenschädeln erinnern an die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo, die nach einem Busunfall dauerhafte Schäden an der Wirbelsäule und den Beinen erlitt und für die Malen eine Art Selbst-Therapie wurde. „Ich male für mich, nur für mich allein. Es ist mir unmöglich, für Andere Arbeiten anzunehmen. Ich habe mich selbst in Einzelteile zerlegt, in Splitter meiner selbst, die es wieder einzusammeln gilt, damit der Bruch (woher und wie auch immer geartet) endlich heilen kann“, so die heute 34-Jährige, die in Jennersdorf im Burgenland, mit ihren intensiven, dunklen Bildern an den Wänden lebt.