Anton Cepka – Ein Pionier des Autorenschmucks

09.04.15

Anton Cepka ist ein freundlicher älterer Herr, der inmitten von Weinbergen in Svätý Jur in der Slowakei lebt. Vor gut 50 Jahren gehörte er zu den revolutionären Vorkämpfern des Künstler- oder Autorenschmucks. Aber Cepka verstand sich selbst wohl nie als Umstürzler, schon eher als Kämpfer, aber das betraf mehr den Alltag in einem sozialistischen Land, in dem Material knapp war und es Gold schon gar nicht gab. Dafür war er im Laufe seines Lebens auf seine Freunde, Galeristen und Sammler im Ausland angewiesen. Im Land selbst waren edle Metalle wie Silber grundsätzlich vom Staat direkt zu erwerben und über die Verwendung Buch zu führen. Der 1936 im damaligen tschechoslowakischen und heutigen slowakischen Šulekovo geborene Schmuckentwerfer und Objektkünstler begann seine berufliche Tätigkeit nach seinen Studien in Bratislava und Prag. 1963 machte er sein Diplom und erhielt mit dieser Diplomarbeit 1964 auf der Internationalen Handwerksmesse in München den Bayerischen Staatspreis. Mit einem Schlag wurde er damit zum „Shootingstar der sich gerade erst formierenden internationalen Schmuckszene“ schreibt Petra Hölscher im Katalog der Ausstellung „Anton Cepka – Kinetischer Schmuck“ in der Münchner Neuen Sammlung. Allerdings ging es damals noch gar nicht um Kinetik. Cepkas früheste Stücke waren eher „Strukturstudien“ wie es die Jury zum Staatspreis festhielt. Und Peter Skubic, einer der frühen Förderer von Cepka, meinte dazu, dass dieser das Silber „kocht“. In Wirklichkeit hielt er mit dem Lötkolben drauf, so dass eine wild zerklüftete und schrundige Oberfläche entstand, wie sie damals in der zeitgenössischen Plastik, aber auch in der Malerei zu finden war.  

Bald kamen dann die ersten in sich beweglichen Schmuckstücke, für die Anton Cepka bis heute berühmt ist. Die Idee des Kinetismus kam wiederum aus der zeitgenössischen Kunst, war aber in der Schmuckgestaltung völlig neu. Der einleuchtendste Bezugspunkt aus der damals aktuellen Kunst ist sicher Alexander Calder mit seinen Mobiles. Der Begriff »Kinetischer Schmuck« besagt schließlich nichts anderes, als dass ein Schmuckstück aus mehreren, beweglich miteinander verbundenen Teilen besteht, und diese Teile nur durch die Bewegung des Trägers oder durch Luft, wie eben bei den Mobiles, ihre Starrheit verlieren. Der kinetische Schmuck beginnt demzufolge mit einem einfachen Haken und einer dazugehörigen Öse. Dieses System hat Cepka im Lauf der Jahre immer weiter entwickelt, indem er ein Schmuckstück aus mehreren Einzelteilen zusammensetzte, die alle frei aneinander hingen, oder bewegliche Teile in einen kleinen Gitterkasten montierte.

Die durch Löten strukturierten Oberflächen, mit denen Cepka seinen ersten Ruhm erworben hatte, verschwanden nach und nach aus seinem Schmuck. Sie wurden durch andere Verfahrensweisen abgelöst: Es wurde gepunzt, gelöchert und getrieben, so dass die Silberplatten und -plättchen wie Lochstickerei oder maschinengenähte Musterstücke für Stichvarianten aussehen. Manche Oberfläche wölbt sich nach außen oder wurde mit einem mehrschichtigen Gitter in den Raum erweitert, während andere Kettenanhänger mit einzeln eingearbeiteten Edel- oder Halbedelsteinen farbig strahlende Akzente bekamen, die in einer polierten Silberplatte wie Augen wirken konnten. Cepka setzt immer öfter auch Farbe ein, meist Rot als Pigment, Streifen aus Kunststofffolie oder Acrylglas. Dabei achtete er nur wenig auf die Hierarchie der Materialien und nutzte sogar kleine Kieselsteine, um einen gewünschten Effekt zu erreichen.

Neben der zeitgenössischen Kunst war die Luft – und Raumfahrt, die durch die erste bemannte Mondlandung 1969 auf breite Bevölkerungsschichten Faszination ausübte, eine wichtige Inspirationsquelle für Cepka. Er besann sich wieder seiner früheren Oberflächenstrukturen, indem er ein rundes von einem halbkreisförmigen Ring gehaltenes Silberblech so bearbeitete, dass es an die Mondoberfläche erinnerte. Ab den 70er Jahren entwickelte Cepka dann Broschen und Kettenanhänger, die wie komplizierte Flugkörper aussehen und formal auf dem Gegensatz vom geschlossener Platte und filigranem Gitterwerk aufgebaut sind. Diese oft auch farbig mit Acrylglas akzentuierten feinen Gitterstrukturen entstehen noch 2004/2005 und – reduziert – bis 2007. Diese Gitter-Arbeiten können zu höchst komplizierten filigranen Meisterwerken werden oder später zu sehr einfach strukturierten Gehäusen. Das Interessante für den Objektkünstler Cepka war, dass sich diese Gitter-Werke ohne jeden Qualitätsverlust in größere Dimensionen übertragen lassen, was er für Aufträge im öffentlichen Raum nutzte, wovon in der Münchner Ausstellung einige Modelle zeugen.

In München hatte Cepkas Karriere begonnen und seine Beziehung zur Münchner Schmuckszene blieb immer eine Besondere, schon allein durch die enge Freundschaft mit Hermann Jünger. Neben der Galerie am Graben von Inge Asenbaum in Wien, an die ihn wiederum Peter Skubic vermittelt hat, der Galerie Orfèvre in Düsseldorf und manch anderen weltweit, vertrat ihn die Münchner Galerie Spektrum. Auch in der Schmuckausstellung in der Pinakothek der Moderne in der Danner-Rotunde ist Cepka dauerhaft vertreten. Waren doch in der Schenkung von Peter Skubic, die dieser 1995 zu seinem 60. Geburtstag an die Neue Sammlung gab, allein acht Schmuckstücke von ihm. Die Ausstellung „Anton Cepka – Kinetischer Schmuck“ im Obergeschoss der Rotunde in der Pinakothek der Moderne war demzufolge ein Pflicht, die sich aber zur vollendeten Kür entwickelt hat.

Die Ausstellung läuft bis 7. Juni; der Katalog ist bei Arnoldsche Art Publischers erschienen und kostet in der Ausstellung 29,00 Euro, im österreichischen Buchhandel 51,20 Euro.

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