Andra Spallart

28.03.17
Lucien Clergue, Le Marais d’Arles, 1960 Sammlung SpallArt © by the artist

Porträt einer Sammlerin

Mut zur Veränderung prägt die Entwicklung der Sammeltätigkeit von Andra Spallart. Nicht nur bewegte Lebensphasen und Übersiedlungen halten die gebürtige Rheinländerin auf Trab, auch die Dynamik ihrer Sammlung spiegelt ihre Energie und ihre Lust auf Neues.

Zeitgenössisches steht im Mittelpunkt des Interesses von Andra Spallart. Und seit der Aufgabe der gemeinsamen Sammeltätigkeit mit ihrem ersten Mann, Ernfried Fuchs, mit dem sie unter dem Namen VOLPINUM in Wien über vier Jahre hinweg eine beachtliche Sammlung aktueller Kunst und einen experimentellen Ausstellungsraum betrieben hatte, ist es vornehmlich die Fotografie, an der sie interessiert ist. Die Werke bildender Kunst gingen nach der Scheidung in den Besitz ihres Mannes über, Andra Spallart konzentriert sich seither auf fotografische Werke. Ihre Sammlung mit inzwischen weit über 1.000 Werken internationaler Fotokunst hat sie nach ihrem letzten Wohnsitzwechsel mit nach Salzburg genommen, und hier konnte man nun auch erstmals in der Präsentation der Galerie Eboran einen Einblick in diese einzigartige Kollektion nehmen. Ungewöhnlich erscheint die Sammlung vor allem durch die ganz persönliche Herangehensweise eines sammlerischen Temperaments: Die Begeisterung von Andra Spallart für Fotografie wurde 1992 in München durch die Bekanntschaft mit dem Fotografen Stephan Reusse geweckt, von dem sie die ersten Künstlerporträts erwarb. Dazu kam internationale Fotografie, etwa von Nan Goldin, Marina Abramovic, Jan Saudek oder Bernd und Hilla Becher, die sie auf ihren Erkundungsreisen in Galerien in Deutschland, London und Wien erwarb. Wien wurde ab 1995 zum Mittelpunkt ihres Lebens und ihrer fotografischen Aktivitäten, wodurch auch ein starker Schwerpunkt ihrer nunmehrigen Sammeltätigkeit im Bereich der aktuellen österreichischen Fotoproduktion liegt. Sie sieht viel, reist viel, vergleicht Angebote und hat immer Lust, Neues zu entdecken.

Foto: Christoph Fuchs
Andra Spallart
Foto: Christoph Fuchs
 

Ein Grundsatz prägt die Sammelstrategie von Andra Spallart: "Du lernst unheimlich viel durch das Sammeln, durch das genaue Hinschauen; aber auch, dass sich dein Blick, dass sich der Kontext verändert." Dies gilt für die Werkskonvolute von bestimmten Fotografen wie Fritz Simak, Erwin Wurm oder Elke Krystufek, von denen über Jahre hinweg Arbeiten angekauft werden, dies gilt aber in ganz besonderer Weise für den Kontext innerhalb der Fotogeschichte. Ab 2010 wagte Andra Spallart den Blick zurück: Mit Hilfe des Kunsthistorikers und Fotografen Fritz Simak als Kurator begann sie historische internationale Fotografie zu erwerben – gleichsam um die Grundlagen der neuen fotografischen Produktion auch in ihrer Sammlung abzubilden. Diese Gegenüberstellung von frühen Inkunabeln der Fotografie und gegenwärtiger Fotokunst interessierte auch den Kurator der Sammlungspräsentation in der Galerie Eboran, den Fotografen Andrew Phelps. Unter dem Titel "Retinal Burn", also gleichsam in Anspielung auf Bild und Gegenbild, auf Netzhautkunst und latente Bilder, versammelte er 25 Werke aus der SpallArt-Kollektion – allein nach seinen subjektiven Auswahlkriterien. Hier trifft das Kuriosum eines handkolorierten großen Kollodium­abzugs von William Henry Jackson von 1880 auf einen pastelligen Pigmentdruck von Olaf Otto Becker aus 2003, ein von Walker Evans inspiriertes Stillleben des noch unbekannten jungen deutschen Fotografen Oskar Schmidt auf eine ultrabekannte Fotoikone von Hiroshi Sugimoto.

Die große Vorliebe von Andra Spallart für schöne, klassische Schwarz-Weiß-Prints lässt sich in der Ausstellung ablesen, aber auch auf der Sammlungshomepage nachvollziehen. Alle Werke sind digitalisiert sowie katalogisiert und – wie Andra Spallart anmerkt – gerne für Präsentationen oder Leihgaben verfügbar. Das große Engagement für die Vermittlung von fotografischer Kunst der unermüdlichen Networkerin gipfelte 2005 in einer großzügigen Schenkung an das mumok in Wien, für die der damalige Direktor Edelbert Köb ungehindert in ihren Schätzen stöbern durfte: Werke von Arnulf Rainer, Valie Export, Marina Abra­movic, Bill Henson und anderen zog er für die Museumssammlung an Land. Nun ist Andra Spallart an der Verdichtung ihrer Sammlung interessiert: Sie beobachtet aufmerksam, was sich im Ausstellungsbetrieb und in der Galerieszene tut, ohne sich von Trends oder ­Hypes unter Druck setzen zu lassen: "Die Dinge lasse ich auf mich zukommen, die treffen mich schon, wenn es sein soll", meint sie und plant bereits den Besuch auf der Paris Photo, "einem Fixpunkt im Foto-Jahr", so Andra Spallart. 

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Arbeiten aus der Sammlung SpallArt

bis 1. Juli und 24. bis 27. August 2017

Kunsthalle Nexus, Am Postplatz 1
5760 Saalfelden, Eintritt frei
kunsthausnexus.com

Ort: 
Kunstszene: