3/2010 - Wien-Berlin

03/10

Editorial - Wien – Berlin

Der Artikel über Wiener Künstler in Berlin in den Sechziger- und Siebzigerjahren war als Idee von Daniela Gregori Ausgangspunkt zu dem vorliegenden Schwerpunktthema in diesem Heft. Die Recherchen ergaben, dass Berlin schon um die Jahrhundertwende Anziehungspunkt für Wiener Künstler war. Nicht nur die der bildenden Kunst, sondern vornehmlich Feuilletonisten und Filmleute. Ende der Sechzigerjahre gab es dann einen ganz konkreten Anlass für den Ortswechsel Wien – Berlin. Im Juni 1968 initiierte Oswald Wiener die Veranstaltung „Kunst und Revolution“ im Hörsaal 1 des Neuen Institutsgebäudes der Universität Wien. Sein Vortrag „Über den Zusammenhang von Denken und Sprechen“ artete in eine turbulente Aktion aus, bei der Günter Brus und Hermann Nitsch auf der Bühne ihre Notdurft verrichteten. Wiener, Brus und Nitsch wurden verhaftet, nach zwei Monaten erfolgte der Freispruch. Dennoch übersiedelte Günter Brus mit seiner Familie 1969 nach Berlin aus Furcht vor einer Gefängnisstrafe. Auch Oswald Wiener verließ Wien und erhielt vom Berliner Senat ein Halbjahres- Stipendium. Als Besitzer von drei Lokalen (Matala, Exil, dann Axbax) zog er vor allem die Künstler an. Kurt Kalb erinnert sich, dass er damals fast jedes Wochenende in Berlin verbrachte, denn im „Exil“ traf sich damals die Kunstwelt. Von ganz Europa kamen die Künstler und es gab Diskussionen und Gedankenaustausch. Oswald Wiener war irgendwie ein Universalgenie. Bis 1985 blieb er noch in Berlin, bevor er nach Canada ging, wobei er die letzten fünf Jahre Mathematik und Informatik studierte und zum Doktor promovierte. 1989 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Literatur. Neben Oswald Wiener war auch Michel Würthle Mitbegründer des „Exil“ und übernahm dann 1979 mit Reinald Nohal die „Paris Bar“. Wir trafen ihn in seinem Lokal in Berlin – lesen Sie mehr darüber in einem Artikel von Anna Brenken. Heute setzt sich die Schiene Wien – Berlin fort. Auf der internationalen Kunstszene Berlins spielen Wiener Galerien und Künstler keine unwesentliche Rolle. Daghild Bartels hat recherchiert und die Wiener in Berlin aufgespürt. Viel Interessantes zum kommenden Herbst findet sich wieder neben einigen Sammlerporträts im neuen Heft. Sie wissen ja – die Würze liegt im Detail. Gehen Sie einfach auf die Suche.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter Heft 3/2010:Mag.a Silvie Aigner, Prof. Peter Back-Vega, Daghild Bartels, Silvia von Bennigsen, Dr. Matthias Boeckl, Anna Brenken, Günter Brus, Mag.a Sophie Cieslar, Dr. Petra Eibel, Peter Fabian, Dr. Robert Fleck, Dr. Herbert Giese, Mag.a Daniela Gregori, Hans-Jürgen Hafner, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Birgit Kilp, Mag.a Elisabeth Krimbacher, Elke Krystufek, Dr. Rainer Metzger, Mag.a Sylvia Mraz, Andrea Nussbaum, Dr. Ernst Ploil, Dr. Maria Rennhofer, Otto Hans Ressler, Nikolaus Schauerhuber, Dr. Edith Schlocker, Dr. Lothar Schultes, Dr. Johanna Schwanberg, Dr. René Spitz, Mag.a Karla Starecek, Mag. Florian Steininger, Mag. Christian Teissl, Dr. Nora Theiss, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer.