2/2011 - Gratwanderung Kunst

02/11

Editorial - Gratwanderung Kunst/Design

Schon lange nicht mehr wollen angewandte Kunstobjekte nur eines sein – nämlich Kunst. Die Zeit der Vitrinenkultur ist vorbei. Einfach nur hinter Glas sein Dasein fristen, um angeschaut zu werden, genügt nicht mehr. Der Kunstbegriff streckt seine Fühler aus und nimmt alle an Bord, die kreativ, spektakulär oder schräg sind. Kunst will benutzbar sein und alle dürfen mitmachen. Die Stars des Modedesigns, die Möbelentwerfer, die Porzellanmanufakturen, die Flagship-Stores, die Industrie, die Architekten und Designer sowieso, und Schuld daran sind die Künstler.
Auf der letzten Biennale in Venedig verhalf Tobias Rehberger der Kunst zum Zwitterdasein und sich zum Goldenen Löwen als bester Künstler. Seine Cafeteria als Raumobjekt ist seither viel zitiert worden – auch in diesem Heft – und gab dem Cross-over von Kunst & Design wieder neuen Aufschwung. Schon 1992 hat Franz West für die "documenta IX" Stühle und Diwans entworfen, es folgten Lampen und Tische, die heute in keinem Sammlerhaushalt fehlen.
Unglaublich viele Ausstellungen widmen sich zur Zeit den Grenzgänger-Künstlern und diesem Trend sind wir in unserem Schwerpunktthema auf der Spur. Daghild Bartels beschreibt ein Szenarium, wie ein Sammlerdomizil mit Alltagsobjekten von internationalen Künstlern bestückt werden könnte. Die Modezaren sind – wie man weiß – meist auch große Kunstsammler. So ist die Verflechtung von Kunst und Mode nicht weit her geholt, sie fand ja schon lange Einzug in den Museen. Modedesigner holen sich Inspiration von Kunstwerken, aber auch umgekehrt sind Künstler fasziniert von der Modeszene, der kostbaren Stoffe und betörenden Farben. Eine Ausstellung in München bringt das deutlich zum Ausdruck.
Ein Kunstprojekt ganz anderer Art hat sich der Einrichter lichterloh zum zwanzigjährigen Jubiläum einfallen lassen. Mit der legendären Wiener Würfeluhr lässt lichterloh zwölf Künstler und Künstlerinnen die Zeit im öffentlichen Raum visualisieren. Was daraus geworden ist, kann man in ihrem neuen Domizil der Loft-City-Expedithalle in der ehemaligen Ankerbrotfabrik sehen. Die Wiener Innenstadt erhält in der Spiegelgasse ein neues Flagship-Store. Augarten macht sich hier frei vom herkömmlichen Porzellangeschirr und kreierte eine junge Designlinie, die den Alltag künstlerisch gestalten soll.
Selbst der ehemalige Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien hat sich dem Design verschrieben und leitet jetzt die New Design University in St. Pölten.
Warum Kunst nur mehr Showbusiness ist, erklärt er in seinem Interview mit Thomas Trenkler.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter Heft 2/2011: Prof. Peter Back-Vega, Uta Baier, Daghild Bartels, Silvia von
Bennigsen, Anna Brenken, Mag. Sophie Cieslar, Dr. Gerbert Frodl, Dr. Herbert Giese, Mag. Daniela Gregori, Mag. Ulrike Guggenberger, Dr. Matthias Harder, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Dr. Johannes Jetschgo, Linda Klösel, Mag. Elisabeth Krimbacher, Dr. Peter Kropmanns, Dr. Brigitte Kuhn-Forte, Dr. Claudia Lehner-Jobst, DI Isabella Marboe, Dr. Ernst Ploil, Dr. Maria Rennhofer, Dr. Edith Schlocker, Dr. Johanna Schwanberg, Dr. René Spitz, Mag. Karla Starecek, Mag. Florian Steininger, Dr. Thomas Trenkler, Dr. Florian Weiland Pollerberg, Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer.