viennacontemporary 2016

25.09.16

Die viennacontemporary in der Marx Halle überzeugte und dem Team um Direktorin Christina Steinbrecher-Pfandt ist es definitiv gelungen die Messe endgültig international zu etablieren. 2016 erscheint nicht nur der Standbau überzeugend, auch die Auswahl der Galerien, die Fokusprogramme und auch die Qualität der gezeigten Arbeiten ließen die Messe größer und internationaler denn je erscheinen – und die viennacontemporary setzte entschieden wie nie auf die junge Kunst. Insgesamt stellten 112 Galerien aus 28 Ländern in der imposanten Stahlkonstruktion der Marx Halle aus. Mit 24 Galerien aus dem osteuropäischen Raum blieb die viennacontemporary ihrer ursprünglichen Spezialisierung auf die osteuropäischen Länder weiterhin treu, erweiterte aber wohltuend die Präsenz internationaler Positionen um Schwerpunkte wie die „Nordic Highlights“ mit Galerien aus Helsiniki, Stockholm, Kopenhagen oder einer Reihe von Galerien aus Deutschland, wie die Galerie KOW aus Berlin, die auf ihrem Stand eine sehenswerte Auswahl von Arbeiten des Objektkünstlers Franz Erhard Walther zeigte. Auch die Aufmerksamkeit der internationalen Presse war größer den je, zieht Christina Werner, die seit Jahren die Presseagenden der Messe betreut, eine positive Bilanz. Die kontinuierliche Arbeit im Team rund um Direktorin Christina Steinbrecher-Pfandt während der letzten fünf Jahre hat wohl maßgeblich zum diesjährigen Erfolg beigetragen, ebenso wie die gute Qualität der heimischen Kunst- und Galerieszene, die insgesamt den Standort Wien in den Fokus rückt. Bemerkenswert war in diesem Jahr der starke Messeauftritt der heimische Szene, vor allem weil endlich auch einige wesentlich junge Wiener Galerien ihren Platz auf der viennacontemporary erhalten haben und mit ihrer Präsentation der etablierten Szene um nichts nachstanden. Ebenso trug die von Severin Dünser kuratierte Zone1 dazu bei, die Einzelpräsentationen österreichischer Künstler und Künstlerinnen zeigte, die unter 40 Jahren sind. Darunter überzeugend wie immer Anna-Maria Bogner mit Zeichnungen und einer Objektinstallation in der Galerie Lindner. Insgesamt boten die Solopräsentationen einen guten Einblick in einzelne Positionen der heimischen Szene: Benjamin Eichhorn (bäckstrasse4, die vier Arbeiten seiner Installation verkaufen konnte) ebenso wie Bernhard Hosa (Raum mit Licht) oder Michail Michailov in der Galerie Viktor Bucher, dessen Installation zu einem Gespräch mit dem Galeristen einlud. Die Berliner Galerie Crone, die seit einem Jahr im Galeriecluster Eschenbachgasse auch eine Wiener Dependance unterhält, zeigte gegenüber ihrem großen Galeriestand eine Installation mit Constantin Lusers filigranen Drahtobjekten. „Wir haben uns ganz bewusst für zwei gegensätzliche Präsentationen entschieden: Einen Solostand mit feingliedrigen Drahtskulpturen von Contantin Luser in einem reduzierten White-Cube der ZONE1 und eine Gruppenpräsentation von sieben Berliner Malern, die sich alle mit dem selben Thema befassen. Diese Gegenüberstellung war nur auf Grund des besonderen Settings der Standplatzierung möglich. So etwas wünscht man sich öfter“, freute sich Markus Peichl (Galerie Crone, Berlin/Wien) über seine gelungenen Präsentationen, die auch zu entsprechenden Verkäufen führte. Heuer dabei war auch die Galerie Michaela Stock mit Arbeiten der österreichischen Künstlerin Eveyln Loschy. In der "untitled [kinetic sculpture #4]" streichelt eine Hand ein Gesicht aus Gips: eine scheinbar liebevolle Bewegung, die doch auf die Dauer zerstörerisch wirkt. Die Galerie wurde von internationalen Medien in die Top-Liste der besten Messestände gereiht.

Ebenso erstmals auf der Messe war Agnes Reinthaler, die in der Wiener Gumpendorfer Straße seit einigen Jahren ein engagiertes Galerieprogramm zeigt. Die von ihr präsentierte Künstlerin Ulrike Königshofer überzeugte nicht nur die Jury. So erhielt Königshofer nicht nur das mit 5.000 Euro dotierte Artproof Produktionsstipendium, sondern fand auch internationale Sammler für ihre Fotoserien. Die Galeristin zieht insgesamt eine positive Bilanz der Messe und begrüßt die Aufmerksamkeit für die österreichische Kunst beim internationalen und heimischen Publikum und lobte auch die engagierten Führungen durch die Messe. Die Galerie Krobath zeigte Arbeiten des jungen Vorarlbergers Sebastian Koch – eine der bemerkenswerten Neuentdeckungen auf der diesjährigen viennacontemporary.

Doch auch außerhalb der Zone1 setzen viele Galeristen auf Solopräsentationen, so Silvia Steinek mit einer Auswahl an Arbeiten von Renate Bertlmann oder Nathalie Halgand auf Simon Mullan, der den Stand mit einer sehenswerten Wand- und Objektinstallation gestaltete. Ebenso puristisch präsentierte die Galerie Meyer Kainer eine der neuen Bronzeskulpturen von Heimo Zobernig. Empfehlenswert war auch der Stand der Galerie Hubert Winter mit der Gegenüberstellung von Arbeiten von Helga Philipp und Judith Fegerl. Am Stand von Gabriele Senn fiel neben Andy Hope und Marko Lulic vor allem der 1972 geborene deutsche Konzeptkünstler Michael Riedel mit seinen Arbeiten auf. Arbeiten von Cosima von Bonin, Hans Weigand und Michael Riedel gingen aus dem Messestand an nationale wie internationale Kunstsammlungen. Die Galerie bechter kastowsky zeigte ausschließlich malerische Positionen und unterstrich damit die nach wie vor große Präsenz dieses Mediums: Zu sehen waren neue Arbeiten von Martin Schnur und Thomas Thyrion, Malerei und wundervolle Collagen der Schweizerin Liliane Tomasko, die von der Galerie erstmals auch in der Galerie mit einer Einzelausstellung in Wien präsentiert wurde sowie ein sensationelles großformatiges Tafelbild von Walter Vopava.

Die Kölner Galerie Philipp von Rosen zeigte geometrische Bilder zwischen Malerei und Computerkunst von Jonas Maas, die Pariser Galerie Backslash fiel mit einer Einzelpräsentation von Michael Zelehoski auf und die ebenfalls nun auch in Wien ansässige Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling mit ihrer exquisiten Schau zu den deutschen Künstlern Heinz Mack und Gerhard Hoehme. Mutig und engagiert auch Christine König, der neben dem eindrucksvollen politischen Statement von  Dan + Lia Perjovschi, auf junge Positionen wie Katherina Olschbaur und Natalia Zaluska setzte. Insgesamt fiel auf, dass viele Galerien darauf verzichteten, mit ihren gesamten Pool an Künstlern die Aufmerksamkeit der Sammler zu erreichen, sondern vor allem einzelne oder wenige Positionen zeigten, diese dafür mit ausgesucht qualitativen Arbeiten präsentierten, was insgesamt der Messe ein klares Statement gab und ermöglichte Neues zu entdecken. 

Galeriepreise der Wiener Wirtschaftskammer

Die diesjährigen Preise der Wiener Wirtschaftskammer gingen an die auch erstmals  – und verdienter Weise – auf der Messe präsenten Galerie Lisa Kandlhofer, die während der Messewoche auch ihre großzügigen neuen Räume in der Wiener Brucknerstraße mit der Gruppenausstellung „If Walls are Trembling“ eröffnete. Ihre Präsentation von Frauke Dannert überzeugte die Jury und wie man hört auch die Sammler. Die deutsche Künstlerin hat der Koje eine den Wand- und Bodenmalerei verpasst und zeigte neue – technisch wie formal interessante – Fotocollagen. Der International Gallery Prize für die beste Standgestaltung ging an die Londoner Fold Gallery, und damit an den Stand gleich nebenan.

Auf die Frage ob sich Wien als Messestandort nachhaltig etabliert hat, meint Christina Steinbrecher-Pfandt: „Man muss, denke ich, seine Rolle klar definieren. Es gibt globale Messen, dazu gehören die Art Basel, die Frieze oder FIAC, und dann gibt es eine Reihe sehr guter internationaler Messen, und in diesem Angebot von der Artissima in Turin, der Art Brüssel und anderen sind wir durchaus ein wichtiger Fixpunkt. Die Umbenennung zu viennacontemporary, der neue Standort und das fixe Datum waren in diesem Zusammenhang ein weiterer wichtiger Schritt in der Positionierung der Messe. Wien ist ein guter Ort, um bestehende Beziehungen zu pflegen und auch neue Sammler zu gewinnen. Es ist infrastrukturell leicht zu erreichen und auch in der Stadt gibt es ein großes Angebot an zeitgenössischer Kunst. Zudem bin ich überzeugt, dass unser Service und das Rahmenprogramm international zu den besten gehören. Diese Lifestyle-Komponente bei einem Messebesuch wird in Zukunft immer wichtiger werden und ich bin überzeugt, dass Wien und die viennacontemporary in diesem Bereich punkten können. Wir glauben an das Potenzial Wiens und wir sind überzeugt, dass wir viel dazu beisteuern können, dass Wien auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst mit ihrem vielfältigen Angebot international wahrgenommen wird. Mit der viennacontemporary setzen wir gemeinsam mit den Galerien, die das gesamte Jahr unermüdlich daran arbeiten, und mit der PARALLEL VIENNA oder anderen Projekten wichtige Impulse.“ Auch Dmitry Yu. Aksenov, Vorstandsvorsitzender der viennacontemporary ist überzeugt: „Wien ist nun endgültig ins Zentrum der Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene gerückt. Wir haben noch nie so viel positive Resonanz von unseren internationalen Gästen und den heimischen Kunstsammlern und Kunstsammlerinnen bekommen wie in diesem Jahr. Nicht nur die viennacontemporary in der Marx Halle, sondern auch die vielen, durch unsere Aktivitäten initiierten Kooperationen mit den vielen Kunstinstitutionen in der Stadt selbst zeigen, dass wir das Potenzial der Wiener Kunstszene richtig erkannt und nachhaltig gestärkt haben“.

Auch mit den Verkäufen ist man durchaus zufrieden. Martin Janda (Galerie Martin Janda, Wien) verkaufte neben anderen Werken eine Arbeit von Nilbar Güreş und eine großformatige Arbeit von Adriana Czernin an internationale Sammlungen. Hubert Winter (Galerie Hubert Winter, Wien) konnte neben mehreren Werken von Judith Fegerl an eine Wiener Sammlung, eine Arbeit von Helga Philipp an einen Kunstsammler aus Venezuela abgeben. Neben sechs Arbeiten von Vasilena Gankovska und Papierarbeiten von Gunter Damisch konnte die Galerie Hilger alle Werke von Assunta A.A.M. am Messestand verkaufen. Ebenfalls national wie international konnte die Galerie Krinzinger Werke von Martha Jungwirth, Franz Graf, Hans Op de Beek, Secundino Hernández, Rui Ferreira und Janne Räsiänen platzieren. Die Galerie nächst St. Stephan freut sich über die positive Resonanz auf die Präsentation von Manfred Pernice und Jimena Mendoza im Rahmen von Solo Expanded und Verkäufe, die u.a. eine Arbeit von Heinrich Dunst in eine Wiener Sammlung und eine größere Arbeit von Imi Knoebel in eine internationale Kunstsammlung brachten. Die Einzelpräsentation von Renate Bertlmann machte sich für die Galerie Steinek bezahlt, Fotoarbeiten und Zeichnungen gingen an heimische Sammlungen. Für Ani Mólnar (Mólnar Ani Galéria, Budapest) war die viennacontemporary ein voller Erfolg: „Wir haben vom Vernissagenabend an verkauft und viel positives Feedback für unseren Messestand, sowohl von Sammlern als auch Kuratoren bekommen. Für uns ist die viennacontemporary besonders wichtig, weil sie die am nächsten an Budapest gelegene bedeutende internationale Kunstmesse ist. Wir haben daher auch eine Reise einer Gruppe von Kunstsammler zur Messe organisiert, um sie mit Galerien und Kunst sowohl aus dem Westen, wie auch dem Osten bekannt zu machen.“

Eine richtige Entscheidung hat die Galerie ŻAK | BRANICKA mit der Präsentation von Marlena Kudlicka im Rahmen der von Abaseh Mirvali kuratierten Sonderschau Solo Expanded getroffen. Alle Arbeiten aus dem Messestand fanden neue Besitzer, darunter Kunstsammler Timo Miettinen aus Finnland und eine Privatsammlung in Taiwan. Hammelehle und Ahrens (Köln) konnten zwei großformatige Bilder von Matthias Schaufler an internationale Privatsammler abgeben, bei der Galerie Bernd Kugler waren es die Werke von René Luckhardt, für die sich Käufer fanden.

2017 findet die viennacontemporary vom 
21.–24. September statt.

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