TEFAF 2016

22.03.16

Vom 11. bis 20. März 2016 fand zum 29. Mal die Internationale Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF Maastricht statt. Um die 270 der bedeutendsten internationalen Händler aus etwa 20 Ländern nahmen an der Messe teil und präsentierten ein exklusives Kunstangebot im geschätzten Wert von circa einer Milliarde Euro. Neben Alten Meistern und Antiquitäten wurden Werke klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst sowie Fotografie, Juwelen, Design des 20. Jahrhunderts und hochkarätige Papierarbeiten präsentiert. Vor allem die Umgestaltung des Eingangsbereichs zur Sektion „Works on Paper“ wurde sowohl von den Ausstellern wie auch von den Besuchern begeistert aufgenommen und gab dem Bereich einen zusätzlich exklusiven Rahmen. Gestaltet wurde die Messe einmal mehr durch den renommierten holländischen Designer und Architekten Tom Postma, der neben der TEFAF unter anderem auch für die Ausstattung der Art Basel, der Art Basel Hongkong sowie für die Münchner HIGHLIGHTS verantwortlich ist. Potsma schuf in Maastricht einen exklusiven und einzigartigen Rahmen zur Präsentation der Kunst. Um den Zugang zu den verschiedenen Bereichen zu verbessern, hat Postma diesmal die Gänge und die Eingangshalle neu gestaltet, sodass es insgesamt luftiger und geräumiger wirkte. Zwei neue Gänge gewährten vom Haupteingang aus, auf beiden Seiten, Zugang zum Antiquitätenbereich. Ebenso haben auch viele Stände ihre Architektur neu gestaltet. Ein besonderes Highlight war der von Postma gestaltete Stand des Münchner Juweliers Hemmerle.

GEMÄLDE
In diesem Bereich bot die Messe einen umfangreichen Überblick von Werken des Spätmittelalters bis hin zu Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit waren mit Sicherheit die vier Innentafeln des Altars des Nürnberger Malers Hans Schäufelin. Die beiden Außenseiten mit dem „Abschied Christi von Maria“ befinden sich seit 1821 in der Gemäldegalerie in Berlin. Die vier Innentafeln mit Passionsszenen wurden auf der TEFAF bei drei verschiedenen Händlern angeboten. Die Münchner Galerie Arnoldi-Livie aus München präsentierte die beiden Tafeln "Christus am Ölberg" und "Kreuzabnahme und Beweinung Christi", die Wiener Galerie St. Lucas "Dornenkrönung" und die Pariser Galerie die "Geißelung". Zugeschrieben wurden die vier Tafeln von dem Schäufelin Experten Christof Metzger von der Wiener Albertina. Talabardon & Gautier stellte ein neu entdecktes Werk von Rembrand van Rijn vor. Das 2015 auf der Messe ersteigerte Werk, wurde als „Continental School, neunzehntes Jahrhundert“ im Katalog geführt, stellte sich jedoch nach Recherche und Reinigung als ein frühes Werk Rembrandts heraus, das dieser mit 18 oder 19 Jahren gemalt hat, also um 1625. Auf der Messe stand es jedoch nicht mehr zum Verkauf, da sich die New Yorker „Leiden Collection“ das Bild bereits zuvor gesichert hat. Ein anders großartiges Bild präsentiert der Londoner Kunsthändler Fergus Hall – ein Rubens-Porträt des Erzherzogs Albrecht VII. von Österreich vor einem auffallenden roten Hintergrund, eine Version desselben Motivs im Besitz der Londoner National Gallery, das der Werkstatt des Malers zugeschrieben wird und laut Forschungen der Galerie tatsächlich vom Meister stammen soll. Das Bild ging schon am Eröffnungsabend an einen anonymen Käufer. Ergänzt wurden die „Austriaca“ kongenial mit einem Schild, das die Österreich-Flagge zeigte, bei Peter Finer, der auch eindrucksvolle Rüstungen und eine Auswahl an Schwertern präsentierte. Mehringer und BENAPPI aus München stellten eines der seltenen Öl auf Leinwand-Bilder des für seine Fresken bekannten Italieners Daniele da Volterra (1509­­–1566) vor.

MODERN
Im Bereich Modern beeindruckte aus österreichischer Sicht die Salzburger Galerie Thomas Salis Art & Design sowohl durch die Standgestaltung als auch mit herausragenden Arbeiten in einer gelungenen Gegenüberstellung von Werken der Klassischen Moderne und seltenen Objekten aus den Bereichen Vintage Design und außereuropäischer Kunst. Darunter zwölf Arbeiten von Pablo Picasso im ästhetischen Diskurs mit afrikanischen Ritual-Masken und „primitiven“ Skulpturen sowie mit einer skulpturalen Arbeit von Picasso selbst. Einprägsam auch die kleine Tafel von 1907 „Fleur Exotique“, die durch ihre reduktive Bildkonzeption besticht. Die Auswahl der Grafiken von Picasso ermöglichte einen Querschnitt durch sein Schaffen und zeigte die Veränderung der Formensprache auch anhand einzelner Motive. Im Eingangsbereich zum Stand beeindruckte die Zusammenstellung der Palladiana des italienischen Malers, Bildhauers und Innenarchitekten Piero Fornasetti, mit Renaissance-Architekturmotiven I mit Piero Manzonis „Achrome“ aus 1957/58 und einem goldenen Concetto Spaziale (1959) von Lucio Fontana. Die „Achromes“ entstanden nach einer kurzen Phase des Informel 1957 – weiße, strukturierte Leinwände, die Manzoni mit Kleister und Kaolin tränkte, es folgten Versuche mit Gips und Rauputz. Allein die Struktur des Materials wurde formgebend, der Künstler selbst beschränkte sich auf gestalterische Eingriffe mit Ritzungen oder Teilungen. In den folgenden Jahren führte Manzoni die "Achromes" weiter, integrierte 1960 Filz, Baumwolle sowie Polystyren, 1961 Wolle und Hasenfell, 1962 auch Brotlaibe und Steine. Mit über 600 Arbeiten nimmt die „Achrome“-Gruppe nahezu die Hälfte seines Œuvres ein. Auf der TEFAF 2016 präsentiert Thomas Salis Art & Design eine der frühesten Arbeiten dieser experimentellen Serie. Neben einem wunderschönen Degas galt Paul Delvaux’ Leinwand „La grand allée“ von 1964 als Hauptwerk des Messestandes und konnte schon am ersten Tag verkauft werden.

Auch Landau Fine Art, der einzige kanadische Kunsthändler auf der TEFAF präsentierte ebenfalls neben Gemälden von Max Ernst eine großformatige Arbeit des belgischen Surrealisten. „Le Miroir“ von 1936, war jedoch unverkäuflich. Der Händler zeigte sich von der Messe begeistert: „Die Stimmung ist besser als je zuvor und wir sind schon seit 20 Jahren hier. Der neue CEO Patrick van Mavis hat eine Reihe von guten Änderungen in der Ausstattung und der Architektur der Messe vorgenommen.“ Bereits am ersten Tag konnte  Landau aktuelle Arbeiten des Südkoreaners Kwang-Young Chun verkaufen. Der Londoner Händler Dickinson präsentierte eine wunderbare Kreidearbeit von Picasso, das die Tochter seines Freundes Paul Éluard zeigt. Eine ganz besondere Arbeit so James Roundell, Direktor von Dickinson: The Picasso colored crayon drawing shows all the well known mastery of line that was Picasso’s hallmark, allied to a tenderness as he depicts the daughter of his friends Paul and Nusch èluard. This is a rare work and is a real connoisseur’s drawing.“ Dominiert wurde der Stand von Robert Delaunays großformatigen 4,5 Meter hohen Gemälde des Pariser Eiffelturms, das erstmals 1925 in Paris gezeigt wurde.

WORKS ON PAPER
Im Sektor „Works on Paper“ beeindruckte gleich beim Eingang der Stand der Galleri K aus Norwegen mit großformatigen Fotoarbeiten von Thomas Struth und Candida Höfer. Höfers C-Print von 2014 zeigt die Eremitage von St. Petersburg, Thomas Struths „Armstrong Hangar 703“ entstand ebenfalls 2014 und gehört zur Serie von Forschungseinrichtungen, die der Künstler in den letzten Jahren fotografiert hat und die im Vorjahr bei Rüdiger Schöttle in München in einer Ausstellung zu sehen waren und bis Mai im Folkwang Museum in Essen präsentiert werden. Fotografie in höchster Qualität aus der Frühzeit des Mediums ist bei Johann Faber zu sehen. Arbeiten von August Sander, Heinrich Kühn oder Rudolf Koppitz. Qualität auf höchstem Niveau im Bereich der Grafik präsentiert einmal mehr W&K – Wienerroither & Kohlbacher. Auf der Sichtwand des Standes zeigt die Wiener Galerie mit „Der Jazzmusiker“ von 1965 eine großformatige Leinwandarbeit von Karel Appel aus der Bawag Foundation. Ein echtes Highlight neben den großartigen Zeichnungen von Egon Schiele und Gustav Klimt sind jedoch die Aquarelle von Oskar Kokoschka, die alle um 1992 in Dresden entstanden sind, als Kokoschka an der Dresdner Kunstakademie lehrte. Die Provenienz ist prominent, waren die Arbeiten doch zunächst im Besitz des Berliner Kunstsalons Cassirer und seit 1929 in der Sammlung J. W. Böhler. Unter dem Titel „Collecting Collectors” zeigt die TEFAF in diesem Bereich eine Auswahl von Druckgrafiken und Zeichnungen von der Renaissance bis zur Gegenwart aus dem Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen. Darunter Arbeiten von Fra Bartolommeo, Albrecht Dürer und Yayoi Kusama.

SONDERAUSSTELLUNG ZEITGENÖSSISCHER KUNST
Im Sektor TEFAF Modern war außerdem die Ausstellung „Zeige Deine Wunde“ zu sehen, kuratiert von dem Amsterdamer Kurator und Autor Mark Kremer. Der Titel nahm Bezug auf eine Installation Joseph Beuys in einer Münchner Fußgängerunterführung „Zeige deine Wunde“ von 1976. Kremer präsentierte eine Auswahl an Arbeiten von Künstlern, die sich mit Beuys thematischen Ansatz beschäftigten oder – vielleicht richtiger in denen der Kurator thematische Überschneidungen zu Beuys Ansatz sah. Darunter eine Installation des niederländischen Künstlers Klaas Kloosterboer, Skulpturen des aus Kairo stammenden, heute in den USA lebenden Künstlers William Tucker und des Belgiers Peter Buggenhout sowie eine feine Auswahl an Arbeiten des Schweizers Helmut Federle präsentiert von der Wiener Galerie nächst St. Stephan/Rosemarie Schwarzwälder. Eine gute Auswahl zeitgenössischer Positionen, die für sich sehenswert sind. Der Zusammenhang mit dem Thema hat sich jedoch nicht zwingend erschlossen.

TEFAF NEW YORK
Für Aufsehen sorgte die TEFAF Anfang des Jahres mit der Nachricht, künftig zwei neue jährlich stattfindende Messen in der New Yorker Park Armory ausrichten zu wollen, die im Herbst 2016 beziehungsweise Frühjahr 2017 in einem Joint Venture mit der New Yorker Kunstberatungsfirma Artvest an den Start gehen sollen. Damit reagiert die Messe auf den Rückgang der Verkäufe in der Europäischen Union und der Zunahme der Verkäufe in den USA. Der erste der beiden Ableger, die TEFAF | New York | Fall, feiert bereits kommenden Oktober Premiere und präsentiert Kunst aus der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Die zweite Messe, die TEFAF | New York | Spring, ist für Mai 2017 terminiert und legt den Schwerpunkt auf Kunst und Design der Moderne und Gegenwart.

 

 

 

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