Rekordergebnisse bei der 112. Kunstauktion im Kinsky

09.06.16

Richard Gerstl (1883-1908) Obstgarten (Kleines Gartenbild), Sommer 1907 Öl auf Leinwand auf Karton; 34,5 × 33,5 cm, KP € 667.800 (© Auktionshaus im Kinsky, Wien)

Weltrekord für einen Garten: KLASSISCHE MODERNE

Das Angebot von selten am Markt zu findenden Bildern und Motiven überzeugte Sammler der Klassischen Moderne und führte zu engagierten Geboten. Das Endergebnis von rund € 4 Mio (inkl. Aufgeld) bestätigt die hohe Nachfrage für qualitätvolle österreichische Malerei!

Richard Gerstl: Die Sensation des Abends erfolgte am Ende: Richard Gerstls in schnellem, dynamischen Pinselstrich gemalten „Obstgarten“ aus dem Sommer 1907 erzielte € 530.000 (KP € 667.800), eine Steigerung von über 100% des unteren Schätzpreises! Eines der ersten Zeugnisse expressionistischer Malerei wurde mit einem neuen Weltrekordpreis für ein Landschaftsbild von Richard Gerstl gewürdigt. Es kommt nun in eine bedeutende deutsche Sammlung!

Als Gerstl den Sommer 1907 am Traunsee verbrachte, entdeckte er für sich die Freilicht- und Landschaftsmalerei als wichtiges Thema. Die Wiesen und Gärten nahe der Fera-Mühle, einem Bauernhof in Traunstein bei Gmunden, wo er wohnte, boten ihm anregende Motive für das Malen in der Natur. Die Landschaftsauffassung, bei der es nicht um die perspektivische Bildkonstruktion geht, sondern um die unmittelbare Wirkung eines dynamisierten ungestümen Farbauftrags, erinnert an Van Goghs Unterholz-Bilder. Ein Gemälde dieser Serie konnte Gerstl bei der großen Van Gogh-Ausstellung in der Galerie Miethke 1906 sehen. Wohl in Auseinandersetzung mit Van Gogh findet Gerstl in seinen Traunsee-Landschaften zu einer besonderen Unmittelbarkeit und Spontaneität des künstlerischen Ausdrucks.
 

Kolo Moser: Der Anfang der Auktion wurde mit einem weiteren seltenen Hauptwerk eines kleinen Künstler-Oeuvres hervorragend markiert: Der provokante Charme, mit dem der Ausnahmekünstler Kolo Moser das Bild von umgefallenen Blumentöpfen vor leuchtenden Stiefmütterchen zum Thema machte, reizte die Bieter an Telefonen und im Saal bis auf € 270.000 (KP € 340.200), was ein deutscher Sammler bot. 

Erfolge im Zeichen der Wiener Werkstätte: Jugendstil

Welche Ideen auch immer Josef Hoffmann, Koloman Moser oder Dagobert Peche in Entwürfe und Gegenstände einfließen ließen – sie begeistern nach wie vor und sorgen für harte Bietergefechte und großartige Ergebnisse. Als eine der wenigen international beachteten und erfolgreichen Kunstproduktionen des Landes, ziehen ihre Objekte Sammler aus ganz Europa, den USA und Asien an. Das Ergebnis des Abends mit einem Höchstgebot inkl. Aufgeld von rund € 1,2 Mio. bestätigt diesen Trend.

Josef Hoffmann war wie immer der Star des Jugendstil-Abends. Seine blätterrankende Brosche von 1910 kletterte von € 180.000 auf € 280.000 (KP € 352.800) und seine kunstvoll verwandelten Gebrauchsobjekte, wie die Konsoluhr, sicherte sich ein Bieter für € 45.000 (KP € 56.700).

Mit der Sonderauktion von Accessoires der Wiener Werkstätte gelang dem Auktionshaus im Kinsky ein bemerkenswerter Start in eine oft etwas vernachlässigte aber sehr spannende Sparte dieser bedeutenden Kunstwerkstätte. Herausragend waren natürlich der Haarkamm aus Elfenbein von Dagobert Peche (€ 20.000 / KP € 25.200), der vergoldete Haarreifen nach dem Entwurf von Eduard Josef Wimmer-Wisgrill (€ 13.000 / KP € 16.380) und die Agraffe von Josef Hoffmann (€ 32.000 / KP € 40.300).

Höchstpreis für die Auflösung von Energie: ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Die Sensation des Abends lieferte das Meisterwerk von Hans Bischoffshausen, dem singulären Kärntner Maler, der sich früh mit internationalen Strömungen, besonders der ZERO Gruppe, auseinandersetzte und dem das Belvedere vergangenes Jahr eine umfassende Retrospektive widmete.

Hans Bischoffshausen: Die großformatige Dissolution d'un Champ D'Energie von 1960/61 bewirkte ein hartnäckiges Ringen von Sammlern, die den Startpreis von € 35.000 in Kürze bis auf € 100.000 (KP € 126.000) hinauflizitierten: Ein neuer Rekordpreis für ein Bild des Malers, den ein deutscher Sammler bot!

Yves Klein: Es war ein weiterer Sieg den Yves Kleins blaue Samothrake in der Auktion verzeichnen konnte! Wieder begehrten Sammler aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Österreich die fragile Skulptur und erst bei € 110.000 (KP € 138.600) gaben sich alle anderen geschlagen. Den Sieg trug ein spanischer Sammler davon.

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