PARALLEL VIENNA – 2016

26.09.16

Die Satellitenmesse zur viennacontemporary macht sich und war einen Besuch wert, trotz der überbordenen Vielfalt und den verwinkelten Räumen – oder gerade deshalb.

„Ein Riesenerfolg“, freut sich Stefan Bidner, künstlerischer Leiter der Parallel Vienna über den diesjährigen Besucherrekord. Er hat sein Ziel erreicht österreichische Kunstproduktionen mehr als bisher in einen internationalen Kontext zu setzen. Zum zweiten Mal nutzten die Veranstalter die leerstehenden Räume der Alten Post in der Dominikanerbastei 11 im ersten Bezirk in Wien, ehe sie von der Soravia Group und Michael Tojner zu einem Hotelensemble bzw. zu Wohnungen umgebaut werden und die Parallel Vienna damit erneut auf Quartiersuche ist. Auf 7.000 Quadratmetern zeigte sich die Messe 2016 mit über 400 künstlerische Positionen der Gegenwartskunst, Kunstvereine, Galerien, Project Spaces, kuratierte Projekt- und Künstlerräumen engagiert. Insgesamt wurden zehn internationale Kuratoren aus Rumänien, Litauen, Kroatien, den USA, Deutschland, Albanien, Georgien, Griechenland und Dänemark eingeladen, jeweils eigene Räume zu bespielen. 

Gleich im Untergeschoß zeigte Lea Guidditte Hestelund den weiblichen Körper als skulpturales Objekt in großformatigen Farbfotos. In dieser Ausstellung Public Intimacy ging es um  das Aufeinandertreffen von Öffentlichkeit und Privatheit. Schwarze Reifen quollen aus den Stiegenfenstern der 2. Stiege in den großräumigen Hof des Gebäudekomplexes. Moritz M. Polansky forderte mit seiner „archidynamic installation“  auf, einen neuen Blick auf seine Umgebung zu werfen. Im zweiten Stock zeigte die aus Riga stammende Künstlerin Elina Dzelme ihren eindrucksvollen Kurzfilm „Egomorphosis“ (2016), in dem nackte Frauenkörper von Kind- zu Erwachsenen- und Greisenstadien mutieren. Einen Stock tiefer inszenierte Ona B. ihre immer wieder beeindruckende Installation „Dressed to Kill / Velvet Revolution“ (1989 / 2016) ein rotes Kleid aus 130 Metern Fahnenstoff, der aus dem einstigen Prager Armeelager der Sowjets in Prag stammt, während das performative Screening von Hermann Nitsch die verwinkelten Räume sprengte. Auffallend im Obergeschoß waren die wandgroßen Formate  einer jungen Künstlerin aus Vilnius, Litauen: Donata Minderyte. Die Einzelporträts starrten den Betrachter an und erinnern an Thomas Ruffs fotografische Porträts. Die subtile Farbigkeit zitierte nordische Farbwelten.

Insgesamt überzeugten vor allem jene Räume, die von Künstlern oder Galeristen für Installationen genutzt wurden und mit den Raum spielten, wie etwa Gerald Moser (bäckerstrasse 4) mit einer Anordnung kinetischer Skulpturen. Der künstlerische Leiter Stefan Bidner beschreibt die Parallel Vienna stets als kuratierte Gesamtschau und zog selbst in der großen Raumflucht im ersten Stock Bilanz über den aktuellen Stand der Malerei und rückte damit wie schon im Vorjahr das Medium erneut in den Mittelpunkt. Auffallend war die große Präsenz der Fotografie, sowohl in der von Dietgard Grimmer kuratierten und sehenswerten Fotoausstellung als auch in der Auswahl von Elfie Semotan und Stefan Bidner. Sie stellten arrivierte Positionen wie Markus Krottendorfer oder Margherita Spiluttini jungen Fotokünstlern wie Claudia Rohrauer, Tina Lechner, Benjamin Eichhorn, Rita Nowak oder Sophie Thun gegenüber. Ein Statement, das der langjährigen engagierten Arbeit in den Fotoklassen an der Akademie,  an der Universität für angewandte Kunst und in der Folge auch an der Kunstuniversität Linz und der daraus resultierenden vitalen jungen österreichischen Fotografieszene entsprach. 

Bei den Gallery Statements wurde ein Teilnehmer der Krinzinger Projekte gleichzeitig auf der Parallel Vienna und auf der viennacontemporary ausgestellt: Rui Ferreira. Der Portugiese stellt mit bis zu neun Farbleinwänden in einem Werk, die er auch noch extrem kleinteilig bearbeitet, bemerkenswerte Arbeiten aus.

Unter den Curator Statements fiel der in 1952 in Washington geborene kroatische Künstler Zarko Vijatovic auf, der von Leila Topic vom Museum of Contemporary Art in Zagreb ausgewählt wurde. Die Fotoserie „at the Edge“ zeigt Farbfotografien, die anonyme Großstadträume im Nebel aus Paris, Zagreb, London und Trouville in den Mittelpunkt stellen. Eine sehenswerte Schau stellte auch Margit Zuckriegl zusammen und präsentierte eine für den Raum konzipierten Arbeit von Ilse Haider sowie Fotografien von Reinhart Mlineritsch und Objekten von Barbara Reisinger. unttld contemporary, wien zeigte ein eindrucksvolles Acrylbild von Alfredo Barsuglia.

Die Parallel Vienna ging mit einer Closing Party am Samstag und einer Auktion am Sonntag erfolgreich zu Ende. Fortsetzung folgt. Denn die Parallel Vienna ist auf dem besten Weg, sich zur – auch international wahrgenommenen – Satellitenmesse zur viennacontemporary zu entwickeln.