Neue Horizonte, Kunst- und Designmesse in Kapstadt

26.02.15

2014 erhielt Kapstadt den ehrenvollen Titel: „Welthauptstadt des Designs 2014“ und versetzte, wie damals die Neue Züricher Zeitung schrieb, die südafrikanische Metropole in eine euphorische Stimmung (Daghild Bartels in der NZZ vom 3.8.2014). Österreich war damals ebenfalls mit einer Ausstellung vertreten, die durch das Designerduo chmara.rosinke – Maciej Chmara und Ania Rosinke kuratiert wurde und nun im designforum Wien im Wiener Museumsquartier zu sehen ist. Unter dem Zusammenschluss Österreichs führender Design-Institutionen präsentiert AustriaDesignNet eine umfangreiche Ausstellung, die den Austausch und den interkulturellen Dialog zwischen Designschaffenden in Österreich und Südafrika fördert.
 Ein passender Zeitpunkt, finden doch in Kapstadt selbst soeben zwei interessante Designmessen statt. Daghild Bartels, bereits eine Expertin in der Designwelt Südafrikas, hat beide Messen besucht:

Die Zeichen mehren sich, dass die Kunst des afrikanischen Kontinents endlich in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit gerät. Doch auch die Vielfalt afrikanischen Designs findet zunehmend internationale Bewunderer. Zwei kleine Messen in Kapstadt, die Cape Town Art Fair und die Guild Design Fair, geben derzeit einen fabelhaften, kompakten Eindruck vom enormen kreativen Potenzial der afrikanischen Künstler und Designer. Die Kapstädter Kunstmesse, organisiert von Fiera Bologna, konnte für ihre dritte Ausgabe auch Galerien aus Europa (Italien, London, Aachen und Ungarn) zum Mitmachen gewinnen, ebenso wie Galerien aus Ghana Kenia, Zimbabwe oder Nigeria, wobei es bei den europäischen Teilnehmern vornehmlich jene sind, die sich auf afrikanische Kunst spezialisiert haben. Die Galerie A Palazzo aus Brescia z.B. zeigt Fotos von Edson Chagas aus Angola, der auf der letzten Biennale in Venedig den goldenen Löwen gewann. Außerdem die erschütternden Fotos von Ibrahim Mahama, die auf Sackleinen die mit Namen tätowierten Arme von bitterarmen Frauen porträtieren; diese Namen sind gewissermaßen deren „Pass“, sie kennen weder ihren Geburtstag noch ihre Herkunft. Aus unendlich vielen Ventildeckeln von Spraydosen baut Moffat Takadiwa aus Zimbabwe irritierende, originelle Wandskulpturen (Firstfloor Gallery, Harare), Maurice Mbikayi montiert aus den Tasten alter Computerklaviaturen ungewöhnliche Kleidungsstücke (Brundyn +, Kapstadt). Arte Povera auf afrikanisch. Nicht immer ist der direkte Bezug unmittelbaren Lebenswelt so deutlich. Die zeitgenössischen afrikanischen Künstler arbeiten in allen Medien, haben in Windeseile das Esperanto der internationalen Kunstsprache erworben – um sie dennoch, wenn auch unterirdisch, mit ihrem speziellen Idiom zu versetzen. Es ist die Post-Apartheid und Born-Free-Generation, die sich freut, auch Kunst machen zu können, die keinen plakativen politischen Impetus hat. Bei den Platzhirschen der südafrikanischen Kunstszene, Goodman und Stevenson, mit Galerien in Kapstadt und Johannesburg, sind schon internationale Stars zu finden, etwa die virtuosen Serien von Robin Rhode, der auf einzigartige Weise Alltagsgegenstände „animiert“ und auf seinen Wandzeichnungen mit ihnen jongliert (Stevenson). Auf Hochglanzfotos nimmt Chiurai Kudzanai das pompöse Machtgebaren aktueller afrikanischer Herrscher aufs Korn (Goodman).Während Rhode ebenso wie Nicholas Hlobo mit poetisch-abstrakten Stickbildern schon internationales Preisniveau erreichte, ist die Mehrheit der afrikanischen Künstler noch moderat beziffert, das gilt auch für den Star aus Kenia Cyrus Kabira, der aktuell mit seinen skurrilen Brillen-Fotos Furore macht (SMAC Gallery, Kapstadt) oder Georgina Gratrix, die mit einem großformatigen Blumenbild vertreten ist. Umrahmt wird die Kunstmesse von einem Beiprogramm, das als veritables William-Kentridge-Festival bezeichnet werden kann, mit dessen Documenta-Installation „Refusal of Time“, mit Vorträgen, Filmen und einer neuen Kammeroper.

Parallel zur Kunstmesse findet, zum zweiten Mal, die Guild Design Fair statt. Hervorragend installiert, gibt sie einen interessanten Überblick über das, was sich auf dem Feld des Designs in Afrika tut. Die Gründerin der Messe, Trevyn Mcgowan fasst deren Besonderheit so zusammen: „Kunsthandwerk hat eine lange, tausendjährige Geschichte in Afrika. Design hingegen startete eigentlich erst nach dem Ende der Apartheid. Es gibt hier noch keine Maschinen für Massenproduktion, daher sind die meisten Entwürfe Einzelstücke oder Kleineditionen. Afrikanisches Design zeichnet sich dadurch aus, dass Tradition und Erdverbundenheit eine große Rolle spielen. Elegante Produkte wie bei den Italienern finden Sie bei uns weniger. Unsere Designer bevorzugen Stein, Eisen und Holz als Material, so dass alles eher einen robusten, rohen, urtümlichen Appeal hat“. Das trifft insbesondere auf die Arbeiten der Designer zu, die sich zum DNA, Design Network Afrika, zusammengeschlossen haben. Originell und von kraftvoller Vitalität arbeiten diese Designer (aus Mali,Tanzania, Burkina Faso oder Uganda) vornehmlich mit Altmaterial. Aus dem Flügel eines ausrangierten Flugzeugs bauten Samuel Omondi und Khan Key aus Kenia z.B. einen spektakulären Tisch. Peter Mabeo aus Botswana verbindet bei seinen hölzernen Tischen, Bänken oder Hockern vorzüglich Traditionelles – ohne ins Folkloristische abzurutschen – mit moderner, minimalistischer Ästhetik. Die Designer, die McGowans Firma „Southern Guild“ um sich versammelte, etwa Beth Armstrong, Laurie Wiid van Herden oder Gregor Jenkin beeindrucken mit ausgefallenen, kraftvollen Entwürfen für Tische, Bänke oder Leuchten, die auch als Kunstwerke durchgehen könnten. Ein südafrikanischer Künstler, der in Belgien lebt, Kendell Geers, wird mit Designobjekten von der Londoner Galerie carpenters workshop präsentiert, sein Thron, der bronzene Sessel oder die Stehleuchte erzielen dann auch Preise wie Kunstwerke. Zwei westliche Designer sind präsent, die Londoner Star-Architekten David Adjaye und Thomas Heatherwick, letzterer mit einer unheimlich schönen, raffiniert gewellten Bank aus vernickeltem Aluminium, die in 5er Auflage 60.000 Pfund kostet. Einen umfassenden Überblick über afrikanisches Design bietet, ab Mitte März, das Vitra Museum in Weil. Viele der hier gezeigten Designer werden dort vertreten sein.

 Informationen zu den Messen                                                                                    

CAPE TOWN ART FAIR
26.2. bis 1.3.2015
www.capetownartfair.co.za

GUILD DESIGN FAIR
25.2. bis 1.3.2015
www.guilddesignfair.com

DESIGN DIALOG ÖSTERREICH / SÜDAFRIKA
Designforum Wien, bis 8.3.2015
www.designforum.com

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